Neues in Weimer-Staatsaffäre: Selbst in seinem Manifest hat der Kulturstaatsminister systematisch plagiiert
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Nach heftigen Plagiatsvorwürfen gegen das Medium The European, das zur Weimer Media Group gehört, gibt es nun auch konkrete Kopier-Vorwürfe gegen eines der Bücher von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. In seinem Buch „Das konservative Manifest“ aus dem Jahr 2018 soll Weimer zahlreiche Passagen aus journalistischen Texten teils eins zu eins übernommen haben.
Diesen Vorwurf erhebt der „Plagiatsjäger“ Stefan Weber auf seiner Website und belegt ihn mit einer Reihe von Textbeispielen aus Weimers Buch, die so oder in sehr ähnlicher Form auch schon in Texten des Bayerischen Rundfunks, der Zeitung Welt oder in anderen Publikationen zu lesen waren.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, weil es sich dabei nicht um beiläufige Paraphrasen oder einzelne missglückte Anlehnungen handeln soll, sondern um ganze Absätze, die in Struktur, Wortwahl und Gedankengang nahezu identisch mit bereits erschienenen Texten seien.
Um welche Beispiele geht es konkret?
Beispiel 1: In einem Fall, so Weber, erstrecke sich die nahezu wortgleiche Übernahme über rund drei Viertel einer Buchseite. Die ursprüngliche Quelle: ein journalistischer Beitrag des Bayerischen Rundfunks zum Thema Menschenwürde.
So lautet die Stelle in Weimers Plagiat:

... und so lautet die Stelle im Original:

Weber kommentiert: „Es ist schon äußerst skrupellos, zur Menschenwürde abzuschreiben und als deutscher ‚Intellektueller‘ Immanuel Kant nicht einmal im Original zu rezipieren.“
Beispiel 2: Auch bei Passagen zur Bedeutung von „Heimat“ und nationaler Identität erkennt der Plagiatsforscher auffällige Parallelen zu früheren Veröffentlichungen einer Welt-Journalistin. Zunächst das Plagiat bei Weimer:

Und nun die Stellen im Original verteilt auf drei Screenshots:



Beispiel 3: Zunächst die plagiierte Stelle bei Weimer:

Sie stammt aus einer Rede des 2024 verstorbenen CDU-Politikers Alois Glück aus dem Jahr 2013. Und lautet so:

Beispiel 4: „Kaum zu glauben“ findet Weber eine Übernahme auf S. 38 des „Konservativen Manifests“. Hier übernimmt der Kulturstaatsminister erneut auf mehr als einer dreiviertel Seite eine Passage des deutschen Historikers Thomas Brechenmacher. Weimer schreibt ...

... und nun die Stelle im Original, die so lang ist, dass man sie in zwei Screenshots zeigen muss. Nummer eins …

... und Nummer zwei:

Weber: „War ein Ghostwriter im Spiel?“
Weber moniert nicht nur handwerkliche Ungenauigkeiten, sondern systematische Textübernahmen. Der Befund lautet, dass Weimers Buch an zentralen Stellen aus fremden Texten montiert sei, ohne die – teils strafrechtlich relevanten – Pflichten wissenschaftlicher und publizistischer Redlichkeit einzuhalten.
Gegenüber NIUS sucht der Forscher nach Erklärungen: „Was mir ein Rätsel ist: Dieser Mann war FAZ-Redakteur und hatte Führungspositionen bei Welt und Focus inne. Warum fängt so einer zu plagiieren an? Womöglich hatte er einen Ghostwriter für sein Buch beauftragt, der für ihn derart schlampig gearbeitet hat und dessen Text er nicht kontrolliert hat.“

Plagiatsjäger Weber hat schon einige ranghohe politische Persönlichkeiten in die Bredouille gebracht.
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Das Ende dieses neuen Dramas ist aller Voraussicht nach noch nicht erreicht. Weber kündigt an, neben dem „Konservativen Manifest“ auch weitere Bücher Weimers zu überprüfen.
Ein weiteres Puzzleteil in einem skandalösen Bild
Die neuen Plagiatsfälle erhöhen den politischen Druck auf Weimer weiter. Denn der Kulturstaatsminister stand in den vergangenen Monaten bereits heftig wegen Urheberrechtsverletzungen auf dem Medium The European in der Kritik, über die zuerst der Journalist Alexander Wallasch berichtet hatte. Anschließend war das Online-Portal wegen seiner Copy-and-Paste-Methodik in linken wie rechten Medien breitflächig kritisiert worden. Auch hier spielte Plagiatsgutachter Weber eine Rolle: Auf NIUS hatte Weber exklusiv enthüllt, wie Weimers Publikation die Zahl angeblicher Autoren gegenüber potenziellen Werbekunden aufgebläht hatte, was schließlich zu einer von Weimer unterzeichneten Unterlassungserklärung gegenüber Weber führte. Weimers The European hatte Weber gar selbst als Autor geführt, was überdies die Schutzbehauptung der Weimer Media Group widerlegt, wonach es vor allem um Übernahmen von Politikerreden gehe, die urheberrechtlich nicht geschützt sind.
Das Gesamtbild könnte so bizarrer kaum sein: Ausgerechnet gegen den amtierenden Kulturstaatsminister, der qua Amt auch für den Schutz geistigen Eigentums und kultureller Leistungen zuständig ist, stehen Vorwürfe im Raum, diese Prinzipien selbst missachtet zu haben. In einer Rede auf der Frankfurter Buchmesse prangerte er einen „geistigen Vampirismus“ seitens amerikanischer KI-Unternehmen an – was ihm hinterher den Vorwurf einhandelte, selbst ein „Vampir“ zu sein. Weber kritisierte zugespitzt: Wer öffentlich Urheberrechtsverstöße anprangere, müsse sich an denselben Maßstäben messen lassen.
Wie geht es weiter? Nun, Plagiatsaffären haben in Deutschland wiederholt gezeigt, dass sie als Frage persönlicher Glaubwürdigkeit betrachtet werden. Sollten sich die Vorwürfe ausweiten, etwa indem Weber noch in weiteren Publikationen fündig wird, würde dies nicht nur ein Schlaglicht auf die Entstehung von Weimers Buch werfen, sondern auch auf den Umgang mit geistigem Eigentum in seinem publizistischen Umfeld – letztlich in seinem Gesamtwerk, ohne das er wohl kaum zum Kulturstaatsminister aufgestiegen wäre. An Weimers Glaubwürdigkeit hängt daher auch die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung. Es ist die Weimer-Staatsaffäre.
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