NIUS vor Ort: CSU-Chef Söder kämpft gegen sinkende Umfragen und setzt auf bayerische Stärke
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Wackelt Söder?
Wenn es nach Opposition und parteiinternen Gegnern geht, muss man schon jetzt über die Zeit nach CSU-Chef Markus Söder nachdenken. Der Grund: Durchwachsene Umfragen, die die Christsozialen lediglich zwischen 36 und 38 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl am 8. Oktober sehen. Weit entfernt von den magischen 40 Prozent, die Söder zum Beweis seiner Zugkraft und Stärke braucht.
Beim CSU-Parteitag am Samstag in der Messe München zumindest wackelt nichts.
Nach einer gut anderthalbstündigen Rede wird Söder mit gut 96 Prozent erneut zum Parteichef gewählt. Dass Wahl und Parteitag vor der Landtagswahl stattfinden, ist für die Auguren dann auch wieder so ein Indiz, dass der Vorsitzende lieber auf Nummer sicher gehen und die disziplinierende Wirkung des Wahlkampfs für seine Wiederwahl nutzen will, anstatt womöglich hinterher für fehlende Prozentpunkte abgestraft zu werden.

Markus Söder ist der neue, alte Parteichef der CSU.
Dass die Situation für Söder und seine Partei heikel ist, ist aber auch beim Parteitag unverkennbar. Im Wahlwerbevideo beispielsweise nimmt er unverkennbar Anleihen von seinem Vorgänger Horst Seehofer auf, der 2017 zur Bundestagswahl als Zeichen der Bodenständigkeit einen Apfel zerschnitt. Söder trinkt Wasser aus einem Glas und blickt dann einsam über die Bayerische Landschaft, was wohl kraftvolle Besonnenheit und ein wenig unsichtbare Last auf seinen Schultern signalisieren soll.

Söder sieht einem Sieg bei den Landtagswahlen im Oktober gelassen entgegen.
Anders als sonst, wenn er Tempo und Druck langsam steigert, startet diesmal er gleich mit Vollgas in seine Rede. „Ich möchte überhaupt keinen Zweifel daran lassen: Wir werden diese Wahl gewinnen!“ Hoffnungen als Tatsachen vorzutragen, gehört ohnehin zum Standard der Wahlkämpfer. Gar nicht erst denken, was man nicht Realität werden lassen will.
Dann folgt das klassische Söder-Nummernprogramm, das Parteifreunde ganz oder in Passagen schon kennen, mit geschliffenen oder derben Pointen, erprobten Wortspielen und Teamgeist stiftenden Erwähnungen aller Mitstreiter, denen man danken muss und auf die es jetzt mehr denn je ankommt.

Markus Söder mit seinen Parteikolleginnen Tanja Schorer-Dremel (MdL, links) und Dorothee Bär (Stv. Vors. CDU/CSU-Bundestagsfraktion, rechts).
„Ich würde mir wirklich wünschen, dass Deutschland nicht nur einen Klimaminister, sondern endlich auch wieder einen Wirtschaftsminister hat, der den Namen verdient“, ruft er in die gut gefüllte Messehalle den rund tausend Delegierten und Gästen entgegen. Grünen-Bashing geht immer und darf jetzt auch wieder freien Lauf haben, nachdem die Söder-Phase der umarmten Bäume und geschmeichelten Bienen vorüber ist.

CDU-Chef Merz war Gastredner auf dem CSU-Parteitag und erhielt zum Dank ein Lebkuchenherz.
„Wir liegen beim Wind auf Platz eins in Süddeutschland.“ Wer in der Statistik hinten liegt, sucht sich einfach eine andere Bezugsgröße, und ja, Baden-Württemberg liegt bei Windrädern tatsächlich hinter Bayern zurück.
Das Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke ist wie auch sonst im Wahlkampf ein Thema: „Deutschland bleibt bei seiner sturen, grünen Ideologie. Solange die Krise dauert, so lange muss die Kernenergie laufen.“ Seine Parteifreunde im Saal muss er da nicht erst überzeugen.
„Wenn die Kernenergie ein ‚totes Pferd‘ ist, wie Olaf Scholz sage, dann ist die Ampel ein lahmer Gaul!“

Die Ampel-Regierung verglich Söder mit einem „lahmen Gaul“
Dass Bayern auf vielen Politikfeldern vorn liegt, darf auch diesmal nicht fehlen. Es stimmt und muss im Wahlkampf Unentschlossenen immer wieder eingebläut werden. Die Klage über und gegen den Länderfinanzausgleich ist ebenso ein Pflichtblock, wie das bayerische Lebensgefühl und das Dreinholzen gegen Berlin und den Norden: „Bayerische Freiheit statt Berliner Verbote!“
Und natürlich zieht sich die „Berliner Blase“ als eine Art Lieblingsfeind auch diesmal wieder durch die Rede. „Am Ende entscheiden Eltern und Bürger allein, was sie essen wollen und nicht einige grün-verhungerte Funktionäre!“ Auch: „Leben und leben lassen, kleben und kleben lassen!“, sorgt für geplante Heiterkeit im Saal.

Söder will Steuern für Gastronomen bei 7 Prozent halten. Essen solle für Familien erschwinglich bleiben.
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Ralf Schuler
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