Tests nur an Ratten, nicht an Affen: Ex-Pfizer-Toxikologe sieht Mängel bei Corona-Impfstoff-Zulassung
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Es ist eine systematische Schwäche bei den Zulassungsstudien der Corona-Impfstoffe, die in der Breite der Gesellschaft kaum bekannt ist: die mangelhafte Durchführung von Tierversuchen. Darauf macht ein hochkarätiger Toxikologe aufmerksam: Dr. med. vet. Helmut Sterz. Er war Leiter der Toxikologie bei Pfizer und kennt die Materie aus dem Innersten der Industrie. NIUS erklärt, wie er argumentiert – und warum er einen möglichen Zusammenhang zwischen unzureichenden Tierversuchen und dem Einbruch der Geburtenrate ein Jahr nach Beginn der Impfkampagne sieht.
Seine wissenschaftliche Laufbahn begann nach dem Studium der Veterinärmedizin im Jahr 1971, er promovierte in Virologie. Beim deutschen Pharmaunternehmen Boehringer Mannheim habe er die Reproduktionstoxikologie bereits in den Siebzigern „von der Pike auf erlernt“, wie er sagt.
Vor Kurzem war Sterz als Sachverständiger in der Corona-Enquete-Kommission geladen, wo er mit der Zulassungspolitik der Corona-Impfstoffe abrechnete. Einer seiner zentralen Vorwürfe: Die erste Phase der Arzneimittelprüfung – die Testung an Tieren – sei nicht in der gebotenen Weise durchgeführt worden.

Dr. med. vet. Helmut Sterz in der Corona-Enquete-Kommission
BioNTech-Impfstoff: Statt an mehreren Tierarten nur an Ratten getestet
Dass der BioNTech/Pfizer-Impfstoff Comirnaty im Wesentlichen nur an Ratten untersucht wurde, hält Sterz für unzureichend: „Eine Studie an Ratten wurde mit Comirnaty mangelhaft durchgeführt. Damit waren keine verlässlichen Abschätzungen zur Wirkung des Impfstoffs auf die Trächtigkeit [Zeitraum zwischen Befruchtung und Geburt bei Tieren, Anm. d. Red.] oder die Entwicklung der Nachkommen möglich. Man hatte aus der Contergan-Katastrophe nichts gelernt.“
Bei diesem Pharmaskandal wurden die Auswirkungen des Arzneimittels auf Schwangere gravierend unterschätzt – mit bekannten Folgen. Weiter sagt er: „Die Zulassung erfolgte im Schnelldurchgang. Das bedeutete, dass essentielle Toxizitätsstudien der Geschwindigkeit geopfert wurden – ohne akzeptable Begründungen.“
In seinem Spiegel-Bestseller (Die Impf-Mafia) vertieft Sterz diese Kritik. Zwar sei die Ratte für die Immunantwort relevant. Für klinisch aussagekräftige Ergebnisse wären jedoch andere Modelle vorzuziehen gewesen: „Subhumane Primaten (Rhesus-Affen), Frettchen und Goldhamster wären der Ratte vorzuziehen gewesen.“

Ein Rhesus-Äffchen
„Entgegen den Bestimmungen wurde eine zweite Tierart, die dem Menschen näher steht als die Ratte, nie getestet.“ Sterz verweist dabei auf die ICH-Richtlinie S5 (R3): „Dieser Studientyp wird üblicherweise an zwei Tierarten durchgeführt. Wenn die Ratte ungeeignet ist, so reicht eine Studie an einem Nicht-Nager aus.“
Zudem habe es keine ausreichenden Erkenntnisse darüber gegeben, wie sich das Spike-Protein im Körper trächtiger Ratten verhält oder welche Schäden es verursachen kann. Deshalb sei es nicht gerechtfertigt gewesen, sich ausschließlich auf diese Tierart zu stützen.
Seit dem Contergan-Skandal gilt ein Grundprinzip der Arzneimittelprüfung: Reproduktionstoxikologische Studien müssen in mindestens zwei Tierarten durchgeführt werden – idealerweise in solchen, die dem Menschen physiologisch näher stehen. Sterz spricht in seinem Buch daher von einem „unentschuldbaren Fehlverhalten“. Studien an Frettchen, Hamstern oder nicht-menschlichen Primaten wären aus seiner Sicht zwingend gewesen.
Sein Gesamturteil in der Corona-Enquete fällt entsprechend fundamental aus: „Ich kenne bei vergleichbarer Indikation keinen Fall, in dem all diese Studien weggelassen wurden.“ Seine Schlussfolgerung ist drastisch: „So führte die Zulassung zu verbotenen Menschenversuchen.“
Lauterbachs Studie – und ihr Interessenkonflikt
Die Enquete-Kommission bringt erstmals zwei unvereinbare Perspektiven direkt aufeinander. So konnte auch der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach unmittelbar reagieren. Er verteidigte die Sicherheit der Impfstoffe mit „einer großen Studie in Frankreich“, die zeige, dass die von Sterz behaupteten Folgen gerade nicht eingetreten seien.
Doch diese Studie wirft Fragen auf. Beauftragt wurde sie von der französischen ANSM – also genau jener Behörde, die für die Überwachung und Bewertung der Impfstoffe zuständig ist, vergleichbar mit dem Paul-Ehrlich-Institut oder dem Robert-Koch-Institut in Deutschland. Es ist, zugespitzt formuliert, so, als würde man diejenigen, die für die Impfkampagne verantwortlich waren, selbst prüfen lassen, ob alles korrekt verlaufen ist. Ein offenkundiger Interessenkonflikt.

Dr. Karl Lauterbach neben Dr. Reinhard Berner (Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, STIKO)
Alarmierende Indizien
Was bedeutet Sterz’ Kritik für die Entwicklung der Geburtenzahlen? Hier gewinnt sein Einwand seine eigentliche Brisanz. Denn der Rückgang der Geburtenzahlen ab Anfang 2022 ist statistisch unstrittig. Er fällt in einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Beginn der Impfkampagne – auch mit Blick auf die Dauer einer Schwangerschaft. Nach einem leichten Anstieg bis 2021 kam es ab Anfang 2022 zu einem deutlichen Einbruch (Destatis). Die Geburtenzahlen sanken binnen eines Jahres um rund sieben Prozent, die Fertilitätsrate fiel spürbar und blieb auch 2023 und 2024 auf niedrigem Niveau.

2022 kam es zu einem deutlichen Einbruch der Geburtenrate in Deutschland (Quelle: X@SHomburg).
Der Einschnitt ist damit kein schleichender Trend, sondern ein klar identifizierbarer Bruch – sichtbar nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas. Rechnet man die Geburten biologisch zurück, liegt der Einbruch in den Monaten ab dem Frühjahr 2021 – also genau in jener Phase, in der die Impfkampagnen in Europa breit anliefen. Entsprechend wird in mehreren internationalen Studien eine auffällige zeitliche Korrelation zwischen Impfstart und rückläufiger Fertilität beschrieben (etwa hier).
Zugleich zeigt sich: Dieses Muster ist weder einheitlich noch eindeutig. Ein eindeutiger Kausalnachweis liegt bislang nicht vor, auch andere Faktoren wie demographische Effekte oder wirtschaftliche Unsicherheit können eine Rolle spielen.
Sterz gegenüber NIUS: „Beweise für einzelne Mechanismen gibt es“
Auf Nachfrage von NIUS präzisiert Sterz seine Position zum Zusammenhang zwischen Impfstoffkampagne und Geburteneinsturz: „Die zugänglichen offiziellen Zahlen verschiedener Länder sprechen dafür, dass dieses negative Phänomen erwiesen ist.“ Die Frage der Kausalität sei jedoch komplexer. Er geht davon aus, dass mögliche Effekte auf verschiedenen biologischen Ebenen ansetzen könnten – vom Gehirn über das Hormonsystem bis hin zu Keimdrüsen, Uterus und Plazenta. Als möglichen Mechanismus nennt er unter anderem das Spike-Protein, das in verschiedenen Geweben Entzündungsreaktionen auslösen könne. Auf die Frage, was er Kritikern entgegnet, die die Zusammenhänge für lediglich korrelativ und nicht kausal halten, antwortet er, Gegner dieser Ansicht sollten versuchen, das Gegenteil zu beweisen.
Weiter führt er aus: „Beweise für einzelne Mechanismen gibt es. Ich denke vor allem daran, dass das Spike-Protein in allen erwähnten Geweben auftauchen und Entzündungen auslösen kann. Andere Mechanismen, die relevant sein könnten, betreffen vermutlich auch das Immunsystem.“ Zugleich betont Sterz, dass es sich dabei um eine Arbeitshypothese handelt, deren einzelne Mechanismen erst durch weiteren Forschungsaufwand im Detail belegt werden müssten.
Unterm Strich bleibt die Kombination bemerkenswert: ein klar messbarer Einbruch – und zugleich offene Fragen in einem zentralen Bereich der Sicherheitsprüfung. Das ist kein Beweis, aber auch kein Befund, den man leichtfertig als Zufall abtun kann. Vieles deutet alarmierend auf einen möglichen Zusammenhang hin – einen, der bislang nicht ausreichend untersucht ist. Angesichts offener toxikologischer Fragen und der zeitlichen Korrelation lässt sich diese Möglichkeit jedenfalls nicht einfach ausschließen.
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Felix Perrefort
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