„Oma Hühner Run“, „Oktoberfest-Spiel“, Diktator-Simulation: Diese skurrilen Computerspiele fördert die Regierung mit Millionen Steuergeld
Im Haushalt klafft ein Loch von 12 Milliarden Euro – aber die Bundesregierung gibt Millionen an Steuergeldern für Computerspiele aus.
In den vergangenen 5 Jahren wurden vom Bund bereits 200 Millionen Euro an Spieleentwickler ausgeschüttet. In Robert Habecks Bundeswirtschaftsministerium allein sind jedes Jahr 50 Millionen Euro vorgesehen. Dazu kündigte der Minister bei einem Gamescom-Besuch an, für das kommende Jahr ein neues Förderkonzept vorzustellen, um Entwickler steuerlich zu entlasten.

Robert Habeck (Grüne) im Gespräch auf der Gamescom.
„Das würde heißen, dass mehr Games in Deutschland produziert werden und mehr Unternehmen nach Deutschland kommen. (...) Und genau da wollen wir hin: Let’s go!“, sagte Habeck zu den Plänen – und bekam prompt einen Rüffel von FDP-Finanzminister Lindner. Der sagte: „Die mit der Wachstumsinitiative der Bundesregierung beabsichtigte Stärkung des Games-Standorts Deutschland bedarf nicht zwingend einer steuerlichen Förderung mittels Tax Credits“.
Für die Jahre 2024 bis 2026 wurden weitere 100 Millionen Euro im Haushalt der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Claudia Roth (Grüne) eingeplant, die im laufenden Jahr jedoch nicht ausgezahlt worden sind und wohl auch für die kommenden Jahre eingestampft werden. „Aufgrund der schwierigen Haushaltslage war es in der gegenwärtigen Situation nicht möglich, die Förderung von Games im Kulturhaushalt im Regierungsentwurf für 2025 fortzuschreiben“, sagte eine Roth-Sprecherin.
NIUS präsentiert die skurrilsten und teuersten Computerspiele, die die Bundesregierung fördert:
„Das Oktoberfest Spiel“: 1,02 Millionen Euro
Mehr als 1 Million Euro ging an die K5 Factory in München für die Entwicklung von „Das Oktoberfest Spiel“.

So sieht das „Oktoberfest Spiel“ aus.
Auf der Website von Habecks Ministerium heißt es dazu: „Das weltweit bekannteste Volksfest – das Münchner Oktoberfest – steht für Spaß, Tradition und Geselligkeit. Das Oktoberfest Spiel überführt all diese Aspekte in die virtuelle Realität. Hier ist es möglich, zusammen mit FreundInnen und SpielerInnen aus der ganzen Welt die Theresienwiese zu erkunden“.
Laut den Entwicklern richtet sich die Oktoberfest-Simulation vor allem an „Oktoberfest-Enthusiasten in Asien und Amerika“, wie sie gegenüber dem Sender BR24 erklärten. Die exakte Fördersumme beträgt 1.023.833 Euro. Auffällig ist, dass auf der Website des Spiels eine auffällig hohe Zahl schwarzer Wiesn-Besucher gezeigt wird. Statt eines realistischen Abbilds scheint das Spiel also eher eine politisch korrekte, links-grüne Idealversion des Oktoberfests zu kreieren.

Das Unternehmen K5 Factory bewirbt sein Spiel mit vielen schwarzen Menschen. Exakte Fördersumme: 1.023.833 Euro.
Diktator-Simulation: 930.000 Euro
932.218 Euro fließen an das Spiel „Tropico 6: Season Pass“, das von den Realmforge Studios entwickelt wird. Das Wirtschaftsministerium dazu: „In Tropico 6 schlüpft der Spieler in die Rolle des Diktators El Presidente und übernimmt die Führung des kleinen, namensgebenden karibischen Inselstaates Tropico von den Anfängen in der Kolonialzeit bis in die Moderne. Der Tropico 6 – Season Pass ergänzt das Hauptspiel um komplett neue Szenarien mit eigenen Mechaniken, Missionen, neuen Gebäuden, Forschungen und Erlassen.“

Wer wäre nicht gerne für einen Tag ein karibischer Diktator? Exakte Fördersumme: 932.218 Euro.
„Anno 117“: 5,7 Millionen Euro
Der börsennotierte Hersteller Ubisoft bekommt für eine Neuauflage der hocherfolgreichen Anno-Serie ganze 5.697.585 Euro. Über „Anno 117: Pax Romana“ erfährt man beim Wirtschaftsministerium: „In bester Serientradition vereint es den Aufbau gewaltiger Metropolen mit der Schaffung komplexer logistischer Netzwerke und Produktionsketten sowie der Erkundung der Welt und der Interaktion mit verbündeten und rivalisierenden Charakteren.“
Weshalb ein florierendes Unternehmen eine solche Summe für die Entwicklung eines ohnehin beliebten Spiels bekommt, lässt sich auf selbiger Webseite nicht nachlesen.

Anno simuliert die Vergangenheit – in mittlerweile etlichen Varianten. Exakte Fördersumme: 5.697.585 Euro.
„Super Shotgun“: 3,2 Millionen
Für das Spiel „Super Shotgun“ blättert die Regierung ganze 3.160.685 Euro hin. Bei dem Spiel handelt es sich um ein „3rd Person Actiongame mit narrativen Elementen.“ Mehr erfährt man darüber beim Ministerium nicht. Der Entwickler Black Forest Games hatte aber zuvor bereits Erfolg mit der Spiele-Serie „Destroy All Humans!“

Die Vorschau auf „Super Shotgun“ erscheint düster. Exakte Fördersumme: 3.160.685 Euro.
Noch geheimes Spiel: 5 Millionen
Unter dem Codenamen „Foxtrott“ läuft ein Spiel des Herstellers Deck 13 Interactive, das mit 5.007.903 Euro vom Bund unterstützt wird. Auch hier sind nur wenig Informationen über das Spiel verfügbar: „Es verbindet bekannte und bewährte Gameplay-Ansätze mit innovativen neuen Ideen und soll so den Zeitgeist ansprechen.“
Sandburgen bauen: 200.000 Euro
Das Spiel „SAND“ des Bling Bling Studio Karlsruhe erhält 199.990 Euro an staatlicher Unterstützung: „Der Spieler baut wie in seiner Kindheit seine Burg aus Sand und managed dabei verschiedene Ressourcen und Einheiten bzw. Spielzeuge.“ Gespielt wird SAND an mobilen Endgeräten.

Warum an der Strand fahren, wenn man auch am Smartphone mit Sand spielen kann? Exakte Fördersumme: 199.990 Euro.
„Oma Hühner Run“: 170.000 Euro
Zum „Oma Hühner Run“, gefördert mit 171.937 Euro, stellt die Produktionsfirma kr3m media noch keine Bilder zur Verfügung. Aufschluss gibt jedoch der Text auf der Seite des Wirtschaftsministeriums: „Oma Hühner Run ist ein Endless Runner: Spieler steuern einen sich schnell bewegenden Charakter, in unserem Fall eine Oma auf ihrem Motorrad, von ihrem Hühnerstall aus durch eine schnelle, dreidimensionale Spielwelt voller Hindernisse und Belohnungen. Ziel ist es, durch geschicktes Manövrieren der Oma bei ansteigendem Tempo so lang wie möglich im Spiel zu bleiben, um möglichst viele Punkte und Belohnungen einzusammeln. Die Anspielung auf das bekannte Kinderlied, ‚Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad‘, ist bewusst gewählt.“
Weiter heißt es auf der Ministeriums-Seite: „Um langfristigen Spielspaß zu bieten erhält Oma Hühner Run viele Elemente, die den Spieler auch außerhalb des Kernspieles fesseln, z. B. unterschiedliche Omas, ggf. sogar Opas, ein Fortschrittssystem, mit dem der Spieler seine Spielfigur verbessern und optimieren kann, und Funktionen zur grafischen Gestaltung der Oma.“
Klima-Apokalypse: 190.000 Euro
Das Spiel „State of Nature“ von Point Blank Games wird mit 191.743 Euro bezuschusst. Das Szenario: „In State of Nature haben die katastrophalen Folgen des globalen Klimawandels jegliches Zusammenleben unmöglich gemacht. Die Natur wurde durch mächtige Geostürme aus dem Gleichgewicht gebracht und einstmals lebendige Städte sind nun verwüstet und menschenleer. In dem Multiplayerspiel State of Nature arbeiten alle Spieler gemeinsam daran, die Zivilisation wieder aufzubauen und das Klima zu retten.“

Die Apokalypse ist nah. Klima retten mit Hilfe der Bundesregierung – zumindest virtuell. Exakte Fördersumme: 191.743 Euro.
„H.O.P.E. App“: knapp 400.000 Euro
Die App der Unternehmergesellschaft „H.O.P.E. – humans on planet earth“ soll „auf spielerische Weise ganzheitlich zu mehr Klimafreundlichkeit“ inspirieren und erhält dafür rund 395.902 Euro. Habecks Ministerium schreibt: „Die Figur Jimmy informiert über Klimaschutz, lädt zu Klimafreundlichkeit ein und feiert die App User für jede noch so kleine klimafreundliche Tat.“

Hoffnung fürs Klima: Die App beinhaltet laut Beschreibung „fesselnde Elemente“ wie „Tipps, Rätsel, Tools, Challenges“. Fördersumme: 395.902 Euro.
Ebenfalls mit der Umwelt setzen sich zwei weitere Spiele auseinander: Die „Umwelt-Spiel App“, für die Budde Medien 108.178 Euro an staatlicher Förderung bekommt. Die App „soll Kindern die wichtigen Themen Klima- und Umweltschutz spielerisch näherbringen. Mit kleinen Mini-Spielen und vielen erklärenden Sequenzen werden die Themen Energiesparen, Mülltrennung, Wassersparen, Luftverschmutzung, Müllvermeidung, regionaler Einkauf und Artenvielfalt spielerisch erklärt, so dass die Kinder die Inhalte in ihren Alltag übertragen können.“

Die „Umwelt-Spiel App“ für Kinder, gefördert mit 108.178 Euro.
Und auch der „Farm Shop“ von Game Bros befasst sich mit Umweltschutz. Das Ministerium zahlt 84.000 Euro. Ziel des Spiels ist die „Darstellung von Wertschöpfungsketten im Setting eines Supermarktes und aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Wiederverwendbarkeit, Regionalität und Umweltschutz.“

Ökologisch wertvolles Shoppen mit „Farm Shop“, gefördert mit 84.000 Euro.
Kampf der Lebensmittel: 1,9 Millionen
Unter dem Arbeitstitel „Project 19“ entwickelt InnoGames mit 1.946.407 Euro der Bundesregierung ein Spiel „über Lebensmittel in einer Fantasiewelt, in der Spieler böse Lebensmittelcharaktere davon abhalten, in den Turm einzudringen und verschiedene Taktiken anwenden, um das Spiel gegen andere Spieler zu gewinnen. Je mehr böse Charaktere sie aufhalten, desto mehr Währungen sammeln sie ein. Mit dieser Währung können Sie verschiedene Truppen rekrutieren und verschiedene Zaubersprüche einsetzen.“ Was man sich darunter optisch vorstellen kann, dazu liefert InnoGames noch keine Bilder.
„Schießeisen“: 2,2 Millionen
Unter dem Arbeitstitel „Schießeisen“ entwickelt King Art ein „kooperatives Actionspiel für ein internationales Publikum mit einer breiten Zielgruppe für PC und Konsolen. Die Spieler:innen können alleine oder gemeinsam mit Freund:innen gegen verschiedene Computer-Gegner kämpfen und dabei eine spannende Geschichte erleben.“ Gefördert wird es mit 2.244.028 Euro.

Viel Geld fürs Kämpfen von der Regierung: Werbung von „Schießeisen“. Gefördert mit 2.244.028 Euro.
Diskriminierung: 135.000 Euro
In „Leila’s Play“ – gefördert mit 135.519 Euro – lösen die Hauptfigur Leila und ihre Freundinnen bei einem Theaterfestival eine Reihe von Rätseln: „Um im Spiel weiterzukommen, müssen sich die Spieler*innen kritisch mit folgenden Schlüsselthemen auseinandersetzen: Behinderung, Diskriminierung, Gefühle, Wahlmöglichkeiten, Selbstwertgefühl, Empathie, sowie Toleranz und Akzeptanz gewinnen.“ Entwickelt wird das Spiel von Food for Thought Media.

„Leila’s Play“: ein Detektiv-Spiel über Diskriminierung. Fördersumme: 135.519 Euro.
Antikapitalistische Jugendbande: 195.000 Euro
Bei Cybercode handelt es sich um ein „taktisches Action-Spiel im düsteren Cyberpunk-Setting der Zukunft.“ Dafür fließen 194.579 Euro Steuergeld an den Hersteller Striked. Dazu heißt es beim Wirtschaftsministerium: „Die Geschichte folgt Luna, einer Gruppe idealistischer junger Menschen, die sich gegen mächtige Unternehmen stellen. Das Spiel mischt Elemente des Cyberpunk-Genres mit realen Problemen und regt zum Nachdenken an.“

Nachdenken über mächtige Unternehmen, gefördert mit antikapitalistischen 194.579 Euro.
Skat spielen: 130.000 Euro
Immerhin 131.544 Euro macht die Regierung für „Skatfreunde“ von Bestjack Entertainment locker. Das Spiel ist laut Ministerium „eine freundliche und einladende Umsetzung des klassischen Kartenspiels für mobile Endgeräte. Im Vordergrund steht der Spielspaß in entspannter Atmosphäre und weniger der Wettkampf.“ Pluspunkt des Spiels: „Beim Spielen an schönen und ungewöhnlichen Orten findest du ganz nebenbei deinen persönlichen Skat-Lifestyle.“

Skat spielen fördert die Bundesregierung ebenfalls, Fördersumme: 131.544 Euro.
Lesen Sie auch: Obwohl im Haushalt 12 Milliarden fehlen: Bundesregierung fördert Spiele wie „Modern Snake“ mit 200 Millionen Euro
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