Reinigungsbranche schlägt Alarm: Immer mehr Kündigungen wegen Bürgergeld
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- Mehr als zwei Drittel der Unternehmer im Reinigungsgewerbe haben erlebt, dass Beschäftigte ihre Arbeit zugunsten von Bürgergeld aufgeben.
- Das hat eine Erhebung ergeben, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vorliegt.
- Das Ergebnis bestärkt Bürgergeld-Kritiker, die anmahnen, dass sich Arbeiten immer weniger lohnt.
Lohnt es sich noch, zu arbeiten? Es ist eine alte Kontroverse, die wieder aufflammt, seit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine weitere Erhöhung des Bürgergelds um 12 Prozent zum 1. Januar 2024 bekanntgab.
Kritiker hoher Sozialleistungen mahnen an, das Lohnabstandsgebot würde dadurch verletzt. Heißt: Sozialhilfeleistungen übersteigen die Verdienstmöglichkeiten bei geringen Lohnsätzen und reduzieren damit den Anreiz, zu arbeiten.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat eine weitere Erhöhung des Bürgergelds um 12 Prozent zum 1. Januar 2024 angekündigt.
Eine neue Erhebung, die der FAZ vorliegt, bestärkt diese Befürchtung. Für die noch unveröffentlichte Auswertung hat der Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks (BIV) seine 2500 Mitgliedsunternehmen mit 700.000 Beschäftigten befragt. Mehr als zwei Drittel der Unternehmer haben demnach schon die Erfahrung gemacht, dass Beschäftigte ihre Arbeit aufgeben und zur Begründung die Möglichkeit des Bürgergeldbezugs anführen.
28,4 Prozent der Unternehmen antworteten, dass bei ihnen „bereits mehrere Beschäftigte mit konkretem Verweis auf das Bürgergeld gekündigt oder eine Kündigung in Aussicht gestellt haben“. Weitere 40 Prozent bestätigen diesen Trend, sprechen aber noch von Einzelfällen. Knapp ein Drittel erkannte bisher keinen Negativeinfluss des Bürgergeldes auf ihre Personalsituation.
Große Sorge vor Personalabwanderung durch Bürgergeld
Die Befragten sollten außerdem angeben, wie groß ihre Sorge ist, dass das Bürgergeld zunehmend in Konkurrenz zum Lohnerwerb tritt. Auf einer Skala von 1 bis 10 (größte Sorge) ergab sich ein Durchschnittswert von 8,8.
Gegenüber der FAZ wertet Thomas Dietrich, Bundesinnungsmeister der Gebäudereiniger, diese Entwicklung als Warnruf mit Bedeutung über die eigene Branche hinaus. „Dass das neue Bürgergeld bei sieben von zehn Unternehmen in Deutschlands beschäftigungsstärkstem Handwerk die Personalnot verschärft, sollte die Politik dringend alarmieren“, sagt er. Die „Balance zwischen Fordern und Fördern sowie sozialem Ausgleich und Anreiz zur Arbeit“ dürfe nicht verloren gehen. „Sonst droht eine gefährliche Entwicklung für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Leistungsfähigkeit unseres Standortes.“
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Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldempfänger steigt seit Mai 2022 wieder an Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Arbeiten zu Mindestlohn lohnt sich nicht
Befeuert wird die Sorge um Personalnot durch eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der zufolge eine Familie, in der ein Elternteil Vollzeit arbeitet und Mindestlohn bezieht, mit der Aufstockung durch Bürgergeld unter dem Strich mindestens 378 Euro mehr zur Verfügung hat als ein vergleichbarer Arbeitslosenhaushalt. Bei 38 Arbeitsstunden pro Woche wäre das ein Nettostundenlohn von gerade einmal 2,30 Euro.
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