Er behauptet, er habe gewarnt – hat er aber nicht: Der Reisewarnung-Skandal um Außenminister Wadephul
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Der deutsche Außenminister Johann Wadephul behauptete am Sonntagabend bei Caren Miosga und am Montagabend im heute-journal, man habe die Deutschen im Vorfeld der Kriegshandlungen in Nahost davor gewarnt, die Region zu bereisen – und brandmarkte damit zahlreiche Touristen, die nun festsitzen, vor einem Millionenpublikum als verantwortungslose Bürger, die an ihrem Schicksal im Grunde selbst schuld seien. Fakt ist jedoch: Eine Reisewarnung hat das Auswärtige Amt erst am Tag des Angriffs auf den Iran ausgesprochen.
„Das ist eine Kriegssituation, mit der wir irgendwie versuchen müssen, umzugehen. Wir hatten ja auch davor gewarnt, in diese Region noch zu reisen, aber wir werden natürlich jetzt weiterhelfen. Das tun wir über das ganze Wochenende schon und das setzen wir jetzt fort“, so der Außenminister zu Moderatorin Marietta Slomka, die ihn am Montagabend im heute-journal gefragt hatte, ob es nicht ziemlich gefährlich sei, Menschen jetzt per Flugzeug nach Hause zu holen.
Die Message des Außenministers ist klar. Er sagt: Die Menschen, die nun in einer misslichen Lage stecken, haben sich ihre Situation im Grunde selbst zuzuschreiben. Um dann „großzügig“ nachzuschieben: Natürlich kümmere man sich trotzdem um sie.
„Wir haben nur das gemacht, was wir machen konnten, nämlich Reisewarnungen aussprechen“
Bereits am Sonntagabend hatte Wadephul bei einer Schalte in die ARD-Sendung Caren Miosga gesagt: „Zunächst einmal möchte ich festhalten, es sind die Reiseverkehrsunternehmen dafür verantwortlich, auch den Rücktransport zu ermöglichen. Wir unterstützen selbstverständlich, das ist unsere Aufgabe mit den Auslandsvertretungen.“ Auf die Frage der Moderatorin, ob die Menschen also nicht ein Stück weit selbst verantwortlich für ihr Schicksal seien, antwortete Wadephul, immerhin hätte es eine Reisewarnung gegeben, „und wer dann da hinfährt, bitteschön“. Er führt aus: „In der Tat, es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte.“ Allerdings seien auch viele gestrandet, die aus asiatischen Ländern angereist seien. „Wir haben nur das gemacht, was wir machen konnten, nämlich Reisewarnungen aussprechen. Keiner wusste, dass es zu dieser Zuspitzung kommen würde, aber es musste natürlich damit gerechnet werden.“
Reisewarnung erst nach Beginn der Angriffe
Fakt ist allerdings: Während für den Iran schon seit langem eine Reisewarnung besteht, gab das Auswärtige Amt die Warnungen für Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – dort, also in Dubai, sitzen die meisten Deutschen fest – erst am 28. Februar aus – und damit zeitgleich mit Beginn der Militärschläge von Israel und den USA auf das iranische Regime.
Ob Reiseunternehmen bei einem Kriegsausbruch für die Rückführung ihrer Kunden verantwortlich sind, hängt maßgeblich von der Lageeinschätzung und bestehenden Reisewarnungen ab. Hat das Auswärtige Amt im Vorfeld eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen, sind Veranstalter in der Regel verpflichtet, Pauschalreisende zu informieren, die Reise gegebenenfalls abzusagen und sich um eine sichere Rückreise zu bemühen. Besteht hingegen keine Reisewarnung und eskaliert die Lage überraschend, liegt die Organisation von Evakuierungen meist bei den staatlichen Behörden.
Wadephul entschuldigt sich auf X
Auf X entschuldigte sich Wadephul am Dienstagvormittag für seinen Fehler: „Ich bedaure den Irrtum im heutejournal gestern“, so der Außenminister. „Die formelle Reisewarnung für die Golfstaaten besteht in der Tat seit dem 28. Februar.“ Selbstverteidigend fügt er dann noch an: „Seit Mitte Januar warnt das Auswärtige Amt vor einer möglichen Eskalation & Einschränkungen im Flugverkehr.“

„Blanker Unsinn“
Journalist Wolfgang Herles, häufig gesehener Gast bei NIUS Live, war am Dienstagmorgen live aus Dubai geschaltet. Herles zu Moderator Alexander Kissler: „Was der Wadephul erzählt hat, ist natürlich blanker Unsinn. Als ich hierherfuhr am vergangenen Donnerstag, war von einer Reisewarnung überhaupt nicht die Rede. Da sprach Trump noch von einem Ultimatum, das er dem Iran setzen würde, von über einer Woche.“ Die Worte von Wadephul nennt Herles „ein zynisches Geschwätz“.
Journalist Wolfgang Herles am Dienstagmorgen bei NIUS Live:
Auch der Vorstandsvorsitzende von Tui, Sebastian Ebel, benannte am Dienstagmorgen die Fehlinformation des Außenministers. Im ZDF-Morgenmagazin antwortete der Tui-Manager gegenüber Moderatorin Dunja Hayali, die ihn auf Wadephuls Worte ansprach: „Da irrt er leider. Weil jede Reisewarnung wird von uns respektiert oder auch dankend aufgenommen. Die hat es nicht vorher gegeben. Für die Region, für den Iran, ja, aber natürlich nicht dort, wo unsere Kunden waren. Sonst wären wir ja gar kein Risiko eingegangen.“
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