Richtigstellung nach Merz-Döpfner-Podcast: RND räumt journalistisches Totalversagen ein
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Der neue Politik-Podcast „Wenn Sie wüssten“ von RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck sowie den Journalisten Kristina Dunz und Stephan Lamby wollte mit einer exklusiven Mega-Enthüllung starten. Herausgekommen ist ein journalistischer Super-GAU. Tagelang versuchte man, die Peinlichkeit kleinzureden, am Samstag wurde nun eine Richtigstellung veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der ersten Folge stand ein angebliches, geradezu operettenhaftes Gespräch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Springer-Chef Mathias Döpfner. Unter Berufung auf Indizien und sogenannte „Sekundärquellen“ schilderten die Top-Journalisten, Döpfner habe Merz zu einer Zusammenarbeit mit der AfD drängen wollen. Die Brandmauer müsse fallen.
Dabei sollten bei einem Treffen im Kanzleramt laut Podcast Sätze wie „Nur über meine Leiche“ (angeblich Merz) und „Das werden Sie noch bereuen“ (angeblich Döpfner) gefallen sein. Auf dieser unglaubwürdigen Grundlage spekulierten die Autoren dann ein Drohungsszenario Döpfners gegen Merz herbei.

Kanzler Merz (CDU) und Springer-Chef Mathias Döpfner beim Weltwirtschaftsgipfel im Januar dieses Jahres im Axel-Springer-Verlag
Springer: „Lüge“, Regierungssprecher: „nicht korrekt“
Springer dementierte die Darstellung umgehend und scharf. Der Verlag sprach klipp und klar von einer „Lüge“ und veröffentlichte eine SMS, die nach Unternehmensangaben belegen soll, dass die angeblichen Zitate bereits Ende 2025 in Berliner Politikkreisen kursierten – also Monate vor dem angeblichen Gespräch im Frühjahr 2026. Springer sprach von einer „lange geplanten und gezielt betriebenen Rufmordkampagne“ gegen Vorstandschef Mathias Döpfner.
Auch die Bundesregierung widersprach den Schilderungen. Regierungssprecher Stefan Kornelius bestätigte später zwar ein Treffen zwischen Merz und Döpfner „in diesem Frühjahr“, erklärte jedoch ausdrücklich, die Wiedergabe des Gesprächs im Podcast sei „nicht korrekt“.
„Die Mutmaßungen hätten wir nicht anstellen dürfen“
Nachdem man in einem ersten Eingeständnis versucht hatte, sich mit laschen Erklärungen (Zitate wurden „zeitlich falsch zugeordnet“, „Sekundärquellen“) aus der Affäre zu ziehen, räumt das RND jetzt schwerwiegende journalistische Fehler ein.
In einer am Samstag veröffentlichten Klarstellung heißt es wörtlich: „Wir hätten den Verdacht, Merz und Döpfner hätten sich wörtlich so geäußert, wie in unserem Podcast gesendet, nicht verbreiten dürfen. Das Döpfner zugeschriebene Zitat war zudem Grundlage dafür, dass wir gemutmaßt haben, es könne eine Bedrohung von Döpfner gegen Merz gegeben haben. Auch die Mutmaßungen hätten wir nicht anstellen dürfen. Diesen Fehler bedauern wir.“

Am Donnerstag veröffentlichte das RND eine lasche Version ihrer Richtigstellung, wollte Zitate „zeitlich falsch zugeordnet“ haben und verwies auf ominöse „Sekundärquellen“. Am Samstag wurde im selben Artikel dann möglichst unauffällig journalistisches Totalversagen eingeräumt.
Zitate auch nach Zusatz-Recherche nicht belegbar
Weiter kündigt die Redaktion an: „Wir werden in unserer nächsten Podcast-Folge am kommenden Dienstag die Richtigstellung zu den Zitaten verbreiten.“
Das RND hält nach eigenen Angaben nur noch an der Behauptung fest, nach der es Treffen zwischen Merz und Döpfner gegeben habe und dabei Uneinigkeit über die sogenannte Brandmauer bestanden habe.
Zugleich räumt die Redaktion jedoch ein, dass sich die im Podcast verbreiteten wörtlichen Zitate auch nach weiteren Recherchen nicht belegen ließen.
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