Schwerkrank aus Brandenburg angeliefert: Die Kanzlertanne ist jetzt schon fast tot
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Immer Ärger mit der Kanzlertanne!
Hatte der traditionelle Christbaum vor dem Kanzleramt in den vergangenen Jahren vor allem hämische Kommentare wegen wenig eleganter Wuchsform provoziert, so hatte das aktuelle und heute dem Kanzler offiziell übergebene Nadelgehölz schon beim Aufstellen Kopfschütteln bei Forstfachleuten ausgelöst.

Von Pracht und Eleganz keine Spur: Die Brandenburger Fichte vor dem Kanzleramt in Berlin.
Hinter die Fichte geführt
„Da will den Kanzler jemand gewaltig hinter die Fichte führen“, sagt NIUS-Leser und Waldbauer Wolfgang Hengesbach aus Sundern im Sauerland und meint damit nicht nur die Tatsache, dass es sich bei der vermeintlichen „Tanne“ um eine 17,5 Meter hohe Fichte aus dem Stadtforst von Eberswalde in Brandenburg handelt.
„Wenn man durch eine Fichte hindurchsehen kann, oder wenn sie schon größere Teile ihrer Nadeln verloren hat, wie hier an den Ast-Enden, dann ist der Baum so gut wie tot oder zumindest schwer krank“, sagt Hengesbach, dessen Familie seit 115 Jahren vom Waldbau lebt.
Bis vor kurzem haben Forstwissenschaftler den Anbau von Fichten noch ausdrücklich empfohlen, sagt Hengesbach. Seine Diagnose: Entweder haben Trockenheit oder der Borkenkäfer dem Baum den Garaus gemacht.

Die Schwingen der Fichte sehen kläglich aus. Kleinere Äste haben bereits keine Nadeln mehr.
NIUS wollte es genauer wissen und fragte in der Forstverwaltung von Eberswalde nach, ob man dem Kanzler bewusst einen siechen Baum geschickt habe. Doch in der Stadt nordöstlich von Berlin weist man die Verantwortung von sich: „Die sogenannte Kanzlertanne ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Eberswalde und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände“, sagt Sprecher Markus Mirschel.
Sichtbare Ausfallerscheinungen
Den Waldbesitzern sind die sichtbaren Ausfallerscheinungen am „Oh Tannebaum“ des Kanzlers etwas peinlich. Sie verweisen darauf, dass man sich beim Aussuchen des Baumes schon mal vergreifen könne. „Der Verband AGDW – Die Waldeigentümer spendet seit vielen Jahren die Kanzlertanne für den Ehrenhof des Bundeskanzleramts.
Ausgewählt wird ausdrücklich kein Baum aus einer Gartenanlage oder Weihnachtsbaumkultur, sondern aus dem lebendigen Ökosystem Wald. Hier stehen die Bäume dichter nebeneinander, sodass es eine andere Belichtung als bei Bäumen in einer Kultur gibt. Die sogenannte Benadelung ist daher naturgemäß anders“, sagt Sprecher Jürgen Gaulke zu NIUS.

Oh weh, du armer Tannebaum! Da kann auch der schönste Baumschmuck nichts mehr retten.
Doch Gaulke gibt zu, dass die Kanzlertanne durchaus ihre – ungewollten – lichten Momente an Stamm und Ästen hat. „Die in diesem Jahr ausgewählte Fichte kommt aus Nachhaltigkeitsgründen aus dem nahen Brandenburg. Dort zeigt der Klimawandel bereits ernste Auswirkungen, die auch an der schon im Frühsommer 2023 ausgewählten Fichte nicht spurlos vorübergegangen sind“, gibt er zu.
Von verlorenen Grüntönen
Zu erkennen sind diese Krankheitszeichen „eines Verlustes an Vitalität an der zunehmenden Verlichtung der älteren Nadeljahrgänge: Die älteren Nadeln erhalten wegen der klimabedingten zunehmenden Trockenheit zu wenig Wasser, weil der Baum zuerst die jüngeren Jahrgänge versorgt. Die älteren Nadeln verlieren an Grünton, wechseln ins Bräunliche und fallen zum Teil ab.“
So gesehen hat die Baum-Auswahl doch auch etwas Gutes: Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat aus seinem Büro im siebten Stock des Kanzleramts nun zumindest einige Wochen einen Blick auf die Probleme der Waldbesitzer ...
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Ralf Schuler
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