Söders heimlicher Macht-Plan: Orden für Merkel, Kanzler-Kandidatur für ihn?
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- CSU-Chef Söder verleiht Ex-Kanzlerin Merkel einen Orden für ihr Lebenswerk.
- Ehre, wem Ehre gebührt.
- Aber mit Angela Merkel haben die Auszeichnungen in Wahrheit nur wenig zu tun.
Innerhalb nur weniger Wochen kann Kanzlerin a.D. Angela Merkel (68, CDU) ihre ohnehin beträchtliche Sammlung an Ehrendoktorwürden (aktuell sind es zwanzig) und Orden um drei kapitale Plaketten erweitern. Erst verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Merkel die Sonderausgabe des großen Verdienstkreuzes, die vor ihr nur Konrad Adenauer und der Kanzler der Einheit, Helmut Kohl erhielten. Dann zog Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nach und übergab ihr im Mai den höchsten NRW-Staatsorden und forderte damit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zum Nachziehen heraus.
Der ließ sich nicht lumpen und verlieh der Kanzlerin am Mittwoch mit einem Festakt in der Münchner Residenz den Bayerischen Verdienstorden. Die etwas luftige Begründung: „Angela Merkel erhält den Bayerischen Verdienstorden für ihren Einsatz zum Wohl des bayerischen Volkes in einer Zeit, die von nahezu nie gekanntem Ausmaß internationaler Krisen geprägt war. (…) Ebenso war und ist sie als erste Bundeskanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein Vorbild für Gleichberechtigung.“
Ehre, wem Ehre gebührt, aber mit Angela Merkel haben die Auszeichnungen in Wahrheit nur wenig zu tun. Steinmeier, der einmal vergeblich als SPD-Kanzlerkandidat gegen sie angetreten war, zeigte sich mit der Ehrung gerade in dieser seltenen Sonderversion erkenntlich für drei Legislaturperioden, in denen seine Partei mit Merkels CDU regiert hatte. Unter anderem er selbst als Außenminister. Ohne Merkels Zustimmung und die Stimmen der Union wäre Steinmeier heute nicht Bundespräsident.
In der CSU-Spitze sind nicht alle glücklich über die „Münchner Merkel-Festspiele“ …
Wüst hingegen setzte bewusst ein Zeichen im internen Machtkampf der Union gegen CDU-Chef Friedrich Merz, der schon vor vielen Jahren demonstrativ mit Merkel und ihrer Politik gebrochen hatte und auch keiner der drei Ordensverleihungen beiwohnte. Sie selbst hatte ihn allerdings auch nicht eingeladen. In der Begründung für die Ehrung führte Wüst so ziemlich alle Krisen – von Migration über Euro, Corona bis Energie und Russland – als zu würdigende Glanzpunkte der Ära Merkel auf, die heute von vielen eher kritisch betrachtet werden. Die Botschaft: Wer immer sich nicht hinter Merz versammeln, sondern ein Zeichen für Merkel, ihren geschmeidigen Zeitgeist-Kurs und seine Fortsetzung in der Union setzen will, findet in Team Wüst seinen Platz.
Und auch Söder ging es weniger um das tiefe innere Bedürfnis, der Alt-Kanzlerin seine Verehrung zu beweisen. Er entschied kurz nach dem Bekanntwerden des Wüst-Ordens nachzuziehen, um auch an diesem Punkt mit Blick auf eine mögliche Kanzlerkandidatur hinter dem NRW-Chef nicht nachzustehen. Gilt es in der Union doch als professionell, den Mantel des Friedens über alte Konflikte zu breiten und die Anhänger des Merkel-Lagers möglichst einzubinden.

Obwohl an Durchsichtigkeit, man könnte auch sagen, Verlogenheit nicht so leicht zu überbieten, ließ Söder seiner bekannten Freude an politischen Inszenierungen auch diesmal freien Lauf, deutete dezent Differenzen zur Kanzlerin etwa beim Thema Migration oder im Verhältnis zu Russland an und garnierte mit bayerischem Charme: „Du hast Nerven wie Drahtseile. Du hast dein Gegenüber manchmal totgesessen. Ein Konflikt mit dir hat sich selten gelohnt.“ Das hat er allerdings selbst erfahren, als er im Migrationsstreit mit Merkel 2018 intern erklärte: „Es geht Deutschland ohne Merkel besser als mit ihr.“ Geschenkt und weggelächelt.
In der CSU-Spitze sind nicht alle glücklich über die „Münchner Merkel-Festspiele“, wie es einer ausdrückt, im anlaufenden Landtagswahlkampf. Schließlich hatte Merkel an der CSU-Basis nicht nur Freunde, und Söders Vorgänger Stoiber und Seehofer fochten so manchen ernsten Kampf mit ihr aus.
Merkel selbst nimmt diese Inszenierungen als warme Freundlichkeiten hin, spielt mit und macht sich dennoch keine Illusionen über den Wahrheitsgehalt der Huldigungen. Ihre Unterstützung im Hintergrund sichert man sich jedenfalls nicht mit Orden. Dafür ist sie zu lange im Geschäft, zu misstrauisch und zu machtbewusst.
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Ralf Schuler
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