SPD-Chef Lars Klingbeil gegen JU-Chef Johannes Winkel: Dieses Duell entscheidet über die Zukunft von Kanzler Friedrich Merz
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Der eine sagt: „Am Gesetz wird nichts mehr geändert.“ Der andere sagt nö: „Das Gesetz ist in dieser Form nicht zustimmungsfähig.“ Ein beinharter Konter, geschliffen vorgetragen …
Es ist ein Politiker-Gespann, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte, das derzeit die deutsche Politik in Atem hält und am Ende über das politische Schicksal von Kanzler Friedrich Merz (CDU) entscheidet. Der eine, Lars Klingbeil (47, SPD), ist Vizekanzler und SPD-Chef. Der andere, Johannes Winkel (34, CDU), ist Chef des Parteinachwuchses der Jungen Union (JU). Klingbeil, bei der Antifa sozialisiert, Juso-Vize mit lupenreiner Partei-Karriere, zog 2009 das erste Mal in den Bundestag ein. Winkel, ein politischer Spätzünder, wie er selbst sagt, begann sich mit 19 Jahren für Politik zu interessieren, wurde 2022 JU-Chef und sitzt seit einigen Monaten im Parlament.
Ein Duo, wie es unterschiedlicher kaum sein könnte: 13 Jahre Unterschied, Klingbeil Soziologe und Politikwissenschaftler, Winkel Volljurist mit zweitem Staatsexamen. Während der SPD-Chef mit Social-Media-Videos beim Sport seine eher teigige Erscheinung auf dynamisch drehen will, kommt Winkel, schlank, beherrscht, Linksscheitel, als freundlicher Nachwuchs-Kennedy daher. Markenzeichen: schwarzer Rollkragen unter dem Jackett. Klingbeil kompensiert die schwindende Jugend mit Krawattenverzicht und steht auf der aktuellen China-Reise leger neben akkurat gekleideten Gastgebern.
Der Kanzler zwischen den Fronten
Eigentlich müsste Kanzler Friedrich Merz in der Renten-Debatte die Fäden in der Hand halten, weil seine Koalition an den verhärteten Fronten zu scheitern droht, doch in Wahrheit sind es Klingbeil und Winkel, die darüber entscheiden, welche Milliardenkosten demnächst aus der Rentenkasse im Bundeshaushalt auflaufen. Klingbeil formuliert ein Macht-Basta, Winkel argumentiert inhaltlich mit den Zukunftschancen der jungen Generation, die durch Vorfestlegungen auf utopische Renten verfeuert werden.

Arbeitsministerin Bärbel Bas
Absteiger gegen Aufsteiger
Klingbeil ist Soldaten-Sohn (Mutter Verkäuferin), der Zivildienst leistete. Winkels Mutter ist Krankenschwester, der Vater Software-Entwickler. Klingbeil kann sich auf einen tief gestaffelten Parteiapparat, die SPD-Ministerien und seine Co-Vorsitzende, Arbeitsministerin Bärbel Bas, stützen, Winkel hat sich in den zurückliegenden Wochen vor allem mit den Abgeordneten der Jungen Gruppe im Bundestag und deren Chef Pascal Reddig (CDU Hessen) tief in die Rentenmaterie eingearbeitet, kennt die Zahlen aus dem Effeff. Sie haben die Argumente durchgespielt, mögliche Kompromisse geprüft und sich auf Ausflüchte und tückische Beruhigungspillen vorbereitet.
Klingbeil ist durch die Parteiebenen gewandert, begann als Mitarbeiter von Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Büroleiter von Niedersachsens früherem SPD-Landeschef Garrelt Duin, wurde vom gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zum Generalsekretär ernannt und rückte später in die SPD-Doppelspitze neben Saskia Esken auf. Winkel arbeitete nach dem zweiten Staatsexamen in einer Kanzlei, stieg zum NRW-Landeschef der Jungen Union auf und kritisierte als JU-Chef sowohl Kanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) für ihre Migrationspolitik als auch den Israel-Kurs von Friedrich Merz oder die „grüne Politik der schwarzen Kommissionspräsidentin“ Ursula von der Leyen.

Garrelt Duin, inzwischen Regionaldirektor des Regionalverbandes Ruhr (RVR).
Der Verlierer: Friedrich Merz
Klingbeil ist Protestant, Winkel Katholik. Während der JU-Chef seine politische Karriere gerade erst startet und derzeit deutlich an Statur und Profil gewinnt, kämpft Klingbeil gegen den Abstieg: den der Partei (aktuell bei 14 Prozent in den Umfragen) und den eigenen. Auf dem SPD-Parteitag Ende Juni erhielt er 64,9 Prozent und versucht seitdem, durch markige Ansagen die bei den Genossen unbeliebte Koalition zu seinem Erfolg zu machen.
Noch ist offen, wer von beiden sich am Ende durchsetzen wird. Fakt ist aber, dass Kanzler Friedrich Merz der Verlierer des Duells zwischen Klingbeil und Winkel ist: Setzt sich Klingbeil durch, wird Merz als Schoßhund der SPD dastehen. Kann Winkel die berechtigten Interessen der jungen Generation durchdrücken, wäre Merz irreparabel geschwächt, weil er seinen Kurs nicht durchsetzen kann.
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Ralf Schuler
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