Stress, Gegenwind, schlechte Umfragen: Wie lange hält Merz dem noch stand?
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Kanzler Friedrich Merz (CDU) nehmen die andauernden politischen Tiefschläge sichtlich mit. Für den 70-Jährigen, der sich seine Fitness zugutehält, untypisch, schwitzte Merz unter dem Hagel der kritischen Fragen auf dem Deutschlandtag der Jungen Union am Samstag sichtlich, fühlte sich unwohl, klemmte die Hände unter dem Präsidiumstisch zwischen die Knie und wirkte auch bei der eisigen Verabschiedung fahrig und wenig souverän.
Zeichen, die man in seiner Umgebung zu deuten weiß: „Er kämpft seit Wochen mit einer Erkältung“, sagt ein Vertrauter zu NIUS. „Er kriegt sie einfach nicht weg. Schlafmangel, Stress, schlechte Presse und miese Umfragen setzen ihm zu. All das zehrt an ihm.“ Der Grund: In Wahrheit ist Merz viel dünnhäutiger, als die harte Rhetorik und die gespielte Entschlossenheit seiner Auftritte vermuten lassen.
SPD zog erkennbar die Daumenschrauben für den Kanzler an
Ein Hauch von Fatalismus schwang mit, als Merz am Montag beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung (SZ) bemerkte, er werde von der SZ jetzt schon freundlicher empfangen als von der Jungen Union. Gleichzeitig zog die SPD erkennbar die Daumenschrauben für den Kanzler an und erteilte in einer Wortmeldung von SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf einer Verschiebung der Beschlüsse über das Rentenpaket als einen Ausweg zur zeitweiligen Entschärfung eine klare Absage. Der Verdacht in der Union: Die wollen das Scheitern sehen.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf
In der Umgebung von Merz wächst die Sorge, wie lange der angeschlagene Kanzler das noch mitmacht. Vertraute erinnern sich an eine Episode aus dem Mai 2023, als NRW-Regierungschef Hendrik Wüst (CDU) kurz vor einem kleinen Parteitag in der CDU-Zentrale in einem Gastbeitrag der FAZ Merz’ Kurs grundsätzlich infrage stellte („Das Herz der CDU schlägt in der Mitte“).
Kanzler außer sich
Merz war außer sich, erinnern sich Mitarbeiter des Konrad-Adenauer-Hauses gegenüber NIUS, und wollte kurzfristig die Brocken hinwerfen. „Ich werf’ hin. Ich hab’ die Schnauze voll. Sollen die doch ihren Scheiß alleine machen“, zitierte der Spiegel später eine Szene am Vortag der Veröffentlichung. „Ich sag’ gleich im Bundesvorstand, dass Wüst das machen soll. Soll der doch auch morgen die Rede halten. Das ist eine Schweinerei.“

Der ehemalige CDU-Politiker Wolfgang Schäuble
Wolfgang Schäuble († 2023) stauchte Merz damals zusammen und erzählte später in einer Mischung aus Amüsiertheit und ernsthaftem Schock über diese Art der unprofessionellen Dünnhäutigkeit: „Ich habe dem Friedrich gesagt: Du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank! Wegen so eines Artikelchens in der Zeitung!“ Mitstreiter von Schäuble erzählen, dass dem CDU-Urgestein damals ernste Zweifel an der Eignung des Sauerländers für das Kanzleramt gekommen seien.
Vor diesem Hintergrund wird auch jetzt intern die Frage gestellt, ob und wie lange Merz dem Trommelfeuer aus den eigenen Reihen und vom Koalitionspartner SPD noch standhalten wird.
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Ralf Schuler
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