Thüringens FDP-Rebell Thomas Kemmerich: „Ich kriege immer Pfeifen im Ohr, wenn jemand gendert“
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Er war 2020 Kurzzeit-Ministerpräsident von Thüringen und gilt als Desperado in der FDP: Thüringens FDP-Landeschef Thomas Kemmerich hält nichts von „Brandmauern“, führt seinen Wahlkampf für die Landtagswahl am 1. September ohne Unterstützung seiner Bundespartei und will die Meinungsfreiheit hochhalten, sagt er im Gespräch bei „Schuler! Fragen, was ist“.
Kemmerich: „Was die Leute wirklich unangenehm finden, ist diese Sprachpolizei. Wir sagen: Sprache ist frei! Das Problem ist nur, dass durch öffentliche Medien und durch manche Vertreter in der Politik der Eindruck erweckt wird: Wenn du nicht richtig genderst, bist du kein richtiger Teilnehmer am öffentlichen Diskurs. Dagegen wende ich mich persönlich. Ich kriege immer Pfeifen im Ohr, wenn jemand gendert oder auch ,Mitarbeitende' sagt. Selbst das finde ich schon daneben. Entweder sind es Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, oder ich habe die Begriffe, mit denen wir alle groß geworden sind.“

Sprache sei aber kein rechtliches Problem, sondern ein gesellschaftliches Problem. Gerade in den Medien sollten die Verantwortlichen die Realität draußen im Lande zur Kenntnis nehmen und keine ideologischen Steckenpferde reiten, so Kemmerich. „Die Leute haben zum Beispiel überhaupt kein Störgefühl, wenn das Wort ,Spielermaterial' fällt“, so der FDP-Politiker mit Blick auf eine Moderation am Rande eines EM-Fußballspiels. „Das wird seit Jahrzehnten gesagt. Und natürlich gibt es auch kein Problem, wenn Leute die deutsche Fahne oder ein deutsches Trikot tragen.“

Er halte es für völlig überspannt, wenn es Leute gebe, die dann Debatten darüber anfangen, dass die Nationalmannschaft vermeintlich noch immer nicht bunt genug sei oder eine „One Love Binde“ fehle. „Aber das müssen wir gesellschaftlich lösen, da müssen wir auch insgesamt zusammenstehen und die Leute nicht alleine lassen, die sich gegen solche Marotten und Bevormundung wehren.“
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Ralf Schuler
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