Trump bringt die Waffen zum Schweigen – aber wie lange hält der fragile Frieden in Gaza?
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- Nach zwei Jahren Blutvergießen: Trump erzielt historischen Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas.
- 2.000 palästinensische Gefangene sollen frei kommen – alle israelischen Geiseln im Gegenzug entlassen.
- Doch Experten warnen: Ohne klares Konzept droht die fragile Ruhe bald zu zerbrechen.
Donald Trump hat geschafft, woran Diplomaten jahrelang gescheitert waren. Mit Hilfe Katars und der Türkei brachte der US-Präsident Israel und Hamas an einen Tisch – und erzielte eine Vereinbarung, die sich wie ein Wunder liest: sofortige Waffenruhe, humanitäre Hilfskonvois für Gaza, teilweise israelische Truppenrückzüge und die Freilassung aller Geiseln gegen rund 2.000 palästinensische Häftlinge.
Was die Verhandler sonst in jahrelangen Gesprächen zerreden, schaffte Trumps Team mit einem taktischen Trick. „Statt zu warten, bis jedes Detail geklärt war, zwang Washington beide Seiten, den Deal öffentlich zu akzeptieren, bevor die Feinheiten ausgehandelt wurden“, schreibt Foreign Affairs. So konnte keine Seite mehr zurückrudern – auch wenn noch längst nicht klar war, welche Gefangenen genau entlassen werden sollten.
Diese bewusst herbeigeführte Unklarheit sei, so das Magazin, „taktisch brillant – und brandgefährlich zugleich“. Denn beide Seiten nutzen sie für ihren eigenen Siegesslogan. Hamas-Funktionär Mahmoud Mardawi erklärte triumphierend: „Gaza – der Friedhof der Eindringlinge – war siegreich durch seine Standhaftigkeit und Einheit, es hat seinen Willen dem arroganten Feind aufgezwungen.“

US-Präsident Trump hat geschafft, woran alle Regierungschefs vor ihm gescheitert waren.
In Jerusalem klang das ganz anders. Israel betonte, dass die Vereinbarung Hamas faktisch zur Kapitulation zwinge: Alle Geiseln kämen frei, die israelische Armee behalte weite Teile Gazas unter Kontrolle, und Hamas müsse entwaffnet werden.
Ein kurzer Atemzug nach Jahren des Grauens
Für beide Völker ist die Waffenruhe eine Atempause. Die Bilder von israelischen Soldaten, die Gaza verlassen, „sind eine unglaubliche Erleichterung – für Israelis wie für Palästinenser“, heißt es im Bericht. Die Menschen feiern in den Straßen, Familien warten auf ihre Angehörigen, Geiseln kehren zurück.

Als Teil der Kundgebung mit dem Titel „Aufruf zur sicheren Rückkehr aller nach Gaza entführten Personen“ stehen Kinderfahrräder auf dem Opernplatz, an denen die Schilder mit der Aufschrift „Bring him Home“ angebracht sind.
Doch schon in den ersten Stunden nach der Verkündung wurde klar: Frieden ist noch lange nicht gesichert. Am Donnerstag tötete ein Hamas-Scharfschütze einen israelischen Soldaten. Die IDF reagierte mit Luftangriffen – ein Gebäude stürzte ein, 40 Menschen wurden verschüttet. Tel Aviv sprach von einer „defensiven Operation“. Ein Vorgeschmack auf das, was kommen könnte. „Solche Zwischenfälle werden sich wahrscheinlich wiederholen“, warnt Foreign Affairs. Solange israelische Truppen in großen Teilen Gazas stationiert bleiben, könne „jeder Funke das fragile Gleichgewicht zerstören“.
Versprechen und Fallstricke
Ein neuralgischer Punkt ist die humanitäre Hilfe. Schon im Januar scheiterte eine ähnliche Zusage: Damals sollten täglich 600 Hilfstrucks in Gaza einfahren – „ein Ziel, das nie erreicht wurde“. Jetzt wird das gleiche Versprechen wiederholt, obwohl die UNO und ihre Partner schlicht „nicht die Kapazität haben, diese Zahl zuverlässig zu gewährleisten“. Hinzu kommen israelische Bürokratiehürden an den Grenzübergängen. Wenn einer der Konfliktparteien einen Vorwand sucht, um den Deal platzen zu lassen, wird das vermutlich an genau diesem Punkt geschehen.
Auch die militärischen Verpflichtungen wirken wacklig. Laut dem israelischen Journalisten Amit Segal, einem engen Beobachter von Premier Benjamin Netanyahu, „hat die IDF keinerlei Absicht, die Kontrolle über die 53 Prozent Gazas aufzugeben, die sie derzeit besetzt hält“. Israel halte sogar trotz früherer Abkommen Stellungen in Syrien und im Libanon – warum also sollte es gerade jetzt abziehen?
Hamas wiederum betont, Entwaffnung sei nur „in einem umfassenden palästinensischen Rahmen zu diskutieren“, also irgendwann, irgendwo, aber sicher nicht jetzt. Ein klarer Wink, dass man die Waffen nicht niederlegen will.
Vier Armeen in einem Land
Trumps Friedensplan sieht mittelfristig eine internationale Stabilisierungstruppe vor. Doch wer soll die stellen? Die USA wollen lediglich ein Kommandozentrum in Israel mit 200 Soldaten betreiben – ohne Einsatz in Gaza selbst. Türkische Truppen, so kündigte Präsident Erdogan an, seien „bereit, an der Überwachungsmission teilzunehmen“. Israel wird das kaum zulassen.

Die Israelischen Truppen haben sich im Morgengrauen des Freitag zurückgezogen - seither läuft das 72 Stunden-Ultimatum zu Übergabe der Geiseln.
Arabische Staaten wiederum zögern, eigene Soldaten zu schicken. Niemand wolle riskieren, dass palästinensische Zivilisten durch arabisches Feuer sterben. Damit dürfte die Mission vor allem von nicht-arabischen Ländern getragen werden – „doch ohne UN-Mandat sind Mandat, Zusammensetzung und Befugnisse völlig unklar“, heißt es im Bericht.
Das Ergebnis: ein Pulverfass mit vier bewaffneten Kräften – Hamas-Kämpfer, palästinensische Truppen, internationale Friedenstruppen und die IDF – plus lokale Milizen wie den Islamischen Dschihad. „Kein Land wird seine Soldaten freiwillig in ein so gefährliches Vakuum schicken“, urteilt Foreign Affairs.
Die Rechnung ohne den Wirt
Langfristig hängt alles an einer politischen Lösung – und genau hier hakt es. Trumps Plan setzt auf eine „technokratische palästinensische Übergangsregierung“. Doch die existiert nicht. Niemand weiß, wer sie führen, legitimieren oder finanzieren soll. Ohne ein palästinensisches Mandat wäre eine solche Verwaltung schlicht „unhaltbar“, schreibt das Magazin.
Gleichzeitig fordert der Plan eine „Perspektive auf palästinensische Selbstbestimmung“. Doch Premier Netanyahu hat diese Aussicht seit Jahren kategorisch abgelehnt. Saudi-Arabien dagegen erwartet das Gegenteil: Das Königreich lobte die Waffenruhe, betonte aber, dass sie „praktische Schritte zur Verwirklichung einer gerechten Zwei-Staaten-Lösung“ einleiten müsse – mit Ostjerusalem als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates.
Ein Friedensplan am seidenen Faden
Ramallah, Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde, hat während des Kriegs einige administrative Aufgaben in Gaza fortgeführt – etwa Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Diese Strukturen könnten nun ausgebaut werden. Ein schrittweiser Übergang, leise, pragmatisch, ohne große Worte – vielleicht die einzige Chance, Vertrauen aufzubauen.
Doch der Weg dorthin ist steinig. Der Wiederaufbau allein wird laut UN über 53 Milliarden Dollar kosten. Und jede Seite trägt ihre eigenen Wunden und Demütigungen.
„Selbst ein teilweiser Erfolg wäre humanitär gesehen von enormer Bedeutung“, resümiert Foreign Affairs. Doch damit das gelingt, brauche es „realistische Erwartungen, diplomatische Geduld und den Willen, Rückschläge zu akzeptieren“.
Mit anderen Worten: Trump hat das Spiel eröffnet. Jetzt beginnt erst die eigentliche Partie.
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