Unzugelassene Medikamente: Lauterbach will Arzneimittel, von denen keiner weiß, was sie bringen
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- Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) möchte, dass deutsche Long-Covid-Patienten Medikamente erhalten, die bei uns nicht für die Behandlung dieser Krankheit zugelassen sind.
- Die Kosten dafür sollen von den Krankenkassen übernommen werden.
- Es gibt scharfe Kritik an den Plänen.
Lauterbach will Medikamente gegen Long Covid verschreiben lassen, von denen niemand weiß, was sie bringen. Am Dienstag beriet sich Bundesgesundheitsminister Lauterbach am runden Tisch mit verschiedenen Experten zu dem Thema.
Einen Tag später dann die Ankündigung auf Twitter: „Viele Arzneimittel und Therapien zeigen Wirkung, sind aber bei uns nicht zugelassen. Mit Experten macht @bfarm_de (Bundesinstitut für Arzneimittel u. Medizinprodukte) eine Liste, so dass diese Medikamente eingesetzt und erstatten werden können.“
(Anmerkung: das ist ein Originalzitat, Lauterbach meint sicherlich: erstattet)
Heißt im Klartext: Bei uns nicht für die Long-Covid-Behandlung zugelassene Medikamente, von denen niemand weiß, welche Nebenwirkungen sie haben, sollen Patienten verabreicht werden – und die Kosten werden übernommen.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach referierte am Dienstag am runden Tisch zur Erkrankung Long Covid.
„Gipfel der Hirnrissigkeit“
Neurologie-Professor Christoph Kleinschnitz vom Universitätsklinikum Essen war selbst schon als Experte für Neurologie beim BfarM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) tätig und findet gegenüber NIUS klare Worte zu dieser Ankündigung: „Die Idee, Medikamente Off Label in die Leute reinzuhauen, von denen man überhaupt nicht weiß ob sie wirken und welche Nebenwirkungen sie haben, ist meines Erachtens der Gipfel der Hirnrissigkeit.“

Neurologie-Professor Christoph Kleinschnitz vom Universitätsklinikum Essen
Weder, ob das Medikament sicher sei, noch, ob es überhaupt wirke, sei klar. „Und so etwas soll zu Lasten der Allgemeinheit erstattet werden?“
Welche Arzneimittel Lauterbach konkret im Blick hat, ist bislang nicht klar. Eine Anfrage vom Mittwochvormittag ließ das Gesundheitsministerium bis Mittwochabend unbeantwortet.
Neurologe Kleinschnitz prangert vor allem die ungerechte Behandlung verschiedener Krankheiten an: „Viele Kranke müssen hart um Behandlungen kämpfen. Patienten mit Multipler Sklerose und Parkinson zum Beispiel, oder solche mit chronischen Erkrankungen.“ Kleinschnitz selbst wird häufig als Gutachter in solchen Fällen hinzugezogen. „Ich habe dutzende Rechtsstreitigkeiten über Kleinigkeiten einer besseren Versorgung erlebt, die sich jahrelang vor den Sozialgerichten hinziehen. Aber hier fallen plötzlich alle Hemmungen.“
Off-Label-Anwendung nicht unüblich – aber nur bei lebensbedrohlichen Krankheiten
Eine Off-Label-Anwendung von Medikamenten, wie Lauterbach sie nun vorgeschlagen hat, ist im medizinischen Alltag nicht unüblich. Sie besteht im Kern darin, dass Medikamente genutzt werden, die eigentlich für eine andere Krankheit zugelassen sind – es handelt sich also um eine zulassungsüberschreitende Anwendung. Allerdings gelten hierfür strenge Voraussetzungen: Es muss sich um lebensbedrohliche Krankheiten handeln, oder um solche, die die Lebenserwartung stark einschränken.
Bedeutet: Das Risiko, Nebenwirkungen durch eine Off-Label-Anwendung zu erleiden, wird in schweren Krankheitsfällen einem möglichen Nutzen untergeordnet.
Eine Frage der Verhältnismäßigkeit, die man sich also dringend stellen sollte: Ist das Risiko unabwägbarer Nebenwirkungen auch bei Long Covid gerechtfertigt?
Sollte die von Lauterbach angekündigte Arbeitsgruppe nun tatsächlich entscheiden, dass alle Patienten, bei denen Long Covid diagnostiziert wurden, solche Behandlungen und Medikamente bezahlt bekommen, kommen auf die Krankenkassen – und damit auf die Beitragszahler – immense Kosten zu. Und das bei völlig unklarer Wirksamkeit.
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