Vor allem auf Straßen und Plätzen: Gewaltkriminalität im ersten Halbjahr 2023 gestiegen
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BKA-Chef Münch spricht mit Blick auf steigende Zahlen bei Gewaltdelikten von einer „besorgniserregenden” Entwicklung. Experten diskutierten in Wiesbaden über Wege, Wellen von Gewalt zu brechen.
Im ersten Halbjahr 2023 ist die Gewaltkriminalität in Deutschland deutlich angestiegen. Nach vorläufigen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) kletterten die Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 17 Prozent nach oben, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, am Donnerstag bei einer Fachtagung in Wiesbaden sagte. Der Zuwachs sei vor allem auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu verzeichnen - weniger im privaten Wohnraum.

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), nannte den Anstieg bei den Gewaltdelikten „besorgniserregend, weil wir nicht wissen, wo es hingeht”.
In diese Kriminalstatistik fließen alle Delikte ein, die der Polizei bekannt werden. Die Zählung erfolgt, wenn der Fall an die Strafverfolgungsbehörden abgegeben wird. Bei der BKA-Herbsttagung diskutieren Sicherheitsexperten bis Freitag über die Frage „Ursachen und Dynamiken von Gewalt - wie brechen wir die Welle?”. Wichtiges Thema war auch der Kampf gegen Antisemitismus, etwa im Zusammenhang mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober.
Corona und hohe Zuwanderungsraten als mögliche Gründe
Münch nannte den Anstieg bei den Gewaltdelikten „besorgniserregend, weil wir nicht wissen, wo es hingeht”. In wirtschaftlich schwächeren Regionen seien die Fall- und Tatverdächtigenzahlen höher. Weiterer Aspekt seien die sozialen Belastungen von Kindern und Jugendlichen als Folge der Corona-Maßnahmen. Diese könnten sich auf die Anfälligkeit für Straftaten auswirken.
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Als dritten Punkt nannte Münch die aktuell hohen Zuwanderungsraten, wodurch sowohl die Bevölkerungszahl insgesamt ansteige als auch der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung. Es sei davon auszugehen, dass viele Migranten mehrere Risikofaktoren aufweisen, die Gewaltkriminalität wahrscheinlicher machen. „Dazu gehören die Lebenssituation in den Erstaufnahmeeinrichtungen sowie wirtschaftliche Unsicherheiten und Gewalterfahrungen.”
Stärkerer Anstieg bei Ausländern als bei Deutschen
Bei den Gewalttaten sei im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar ein stärkerer Anstieg bei Ausländern als bei Deutschen zu verzeichnen, teilte das BKA mit. Im Verhältnis zur deutlich gestiegenen Anzahl nichtdeutscher Menschen an der Gesamtbevölkerung falle der relative Anstieg deutscher und nichtdeutscher Tatverdächtiger jedoch ähnlich aus.

Polizisten kontrollieren Dealer
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betonte, Kriminalität könne nicht allein mit Strafrecht erfolgreich bekämpft werden. „Wenn wir das Problem an der Wurzel packen wollen”, dann müsse auch auf gesellschaftspolitischen Ursachen geschaut werden.
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Nach den Worten von Münch hat sich die Zahl der Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Diese Zunahme zeige „die Zuspitzung politischer und gesellschaftlicher Spannungen - teilweise bin hin zu einer versuchten Delegitimierung des Staates und seines Gewaltmonopols”.

Extremismusforscher und Psychologe Ahmad Mansour.
Der Extremismusforscher Ahmad Mansour sieht mit Blick auf antisemitische Propaganda in Deutschland ein zunehmendes Radikalisierungspotenzial etwa bei Rechtsextremen und muslimischen Jugendlichen.
Auf deutschen Straßen kommt es immer wieder zu Ausschreitungen, so wie in Berlin, wo sich Mitte Oktober zahlreiche Demonstranten solidarisch mit dem Terror-Regime der Hamas in Gaza zeigten:
Die Hamas betreibe einen Krieg an mehreren Fronten - „und eine dieser Fronten ist in Europa und die Fähigkeit, hier die Leute auf der Straße zu mobilisieren”, erläuterte er. Während die Hamas die Menschen unter anderem mithilfe stark emotionalisierter Bilder und auch Fake News in sozialen Medien erreiche, gebe es bei der „digitalen Sozialarbeit” in Deutschland einen enormen Nachholbedarf.
Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober sind in Deutschland in diesem Zusammenhang nach den Worten von Münch mehr als 3700 Straftaten registriert worden.
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