Regierungsflieger statt Lufthansa: Warum fliegen eigentlich so wenige deutsche Minister Linie?
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Mit dem eigenen Jumbo als Dienstreise auf die Fitschi-Inseln! Wer träumte nicht von solch einem Lebensstil! Dumm nur, dass ausgerechnet Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zu Beginn ihrer Amtszeit erklärt hatte, im Job mehr Bahn fahren und Linie fliegen zu wollen. Der doppelte Flug-Fluch von Abu Dhabi wirft nun auch ein unschönes Licht auf die hehren Klimaschutz-Ziele der Ministerin. Jedenfalls ist Baerbocks anfängliche Flugscham schnell verflogen.
Doch warum fliegt die Ministerin eigentlich entgegen ihrer Ankündigung nicht viel öfter mit Linienmaschinen anderer Airlines, deren Klimabilanz voll besetzt auf jeden Fall günstiger wäre als der mit nur wenigen Mitarbeitern und Presseleuten gefüllte Airbus A340 der Flugbereitschaft?

Alt und teuer: Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung wird von der gesamten Regierung genutzt.
Auch Baerbock hat offenbar schnell erkannt, dass neben der reinen Bequemlichkeit eines eigenen Schlaf- und Badezimmers mit Dusche im vorderen Teil der Maschine auch etliche praktische Gründe für den Dienstflieger sprechen. Da ist zum einen die ständige Erreichbarkeit auf geschützten Satelliten-Leitungen, die jederzeit volle Arbeitsfähigkeit und Absprachen mit dem Kanzler oder anderen Außenministern ermöglichen.
In den Konferenzräumen der Regierungsmaschinen lassen sich bequem Hintergrund-Briefings für mitreisende Wirtschaftsdelegationen oder die Presse abhalten, was in Linienmaschinen nicht möglich wäre. Die eigene Kabine ermöglicht zudem, lange Nachtflüge über weitere Strecken ausgeruht und ohne sichtbare Spuren am Outfit zu absolvieren und gleich nach der Landung das Besuchsprogramm zu beginnen.

Vor allem zum Posieren gut: Die millionenteure Innenausstattung der Regierungsflieger.
Der gravierendste Vorteil ist aber die eingespielte Logistik, die mit den Regierungsmaschinen verbunden ist: Gepäckmeister kümmern sich vor dem Start und nach der Landung um die Koffer und Taschen, schleusen sie durch die auch für Diplomatengepäck vorgeschriebenen Sicherheits- und Drogenkontrollen und bringen sie danach aufs Hotelzimmer. Minister und Delegation fahren direkt mit der Wagenkolonne vor den Gangways vor und steigen ein. Auch die Pass- und Visa-Angelegenheiten werden unauffällig von Mitarbeitern erledigt.
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Vor allem bei Reisen mit mehreren Stationen können die Regierungsflieger zu jeder Zeit starten und landen, wenn es für das Reiseprogramm günstig ist – ohne Rücksicht auf Flugpläne oder Anschlussflüge. Und man kann natürlich direkt von Haustür (Berlin) zu Haustür (zum Beispiel Abu Dhabi) fliegen. Hat man mittags ein Gespräch in Paris, kann man das abendliche Festmahl in Madrid oder Warschau absolvieren und danach unmittelbar wieder nach Berlin fliegen. Mit Linienflügen wäre das sehr viel komplizierter, man müsste das Gepäck mitschleppen und der größte Teil der Delegation müsste zudem durch die regulären Kontrollen am Flughafen. Für Politiker selbst gibt es extra Regeln, die das Vorfahren direkt am Flugzeug auch für Linienflüge erlauben.

Komfortsitze für die Hauptstadt-Journalisten haben ihren Preis.
Mit anderen Worten: Können könnte sie schon, die Außenministerin, wenn sie es denn wirklich wollte. Es ist aber in der Tat sehr viel praktischer mit der Flugbereitschaft unterwegs zu sein. Eine Reise, wie die nun abgebrochene, nach Australien (Canberra und Sydney), Neuseeland und Fidschi wäre mit internationalen Linien- und Anschlussflügen allerdings innerhalb von knapp einer Woche kaum zu schaffen. Auch Zeitersparnis ist also ein durchaus relevantes Argument für die Regierungsmaschinen, weil bei vielen Langstrecken-Reisen die Nacht zur An- und die folgende zur Rückreise genutzt wird.
Vorausgesetzt natürlich, der Flieger fliegt. Sonst wird die Reise nicht nur lang, sondern komplett sinnlos.
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Ralf Schuler
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