Was läuft da zwischen Schröder und der Wagenknecht-Partei?
Was läuft da zwischen Schröder und der Wagenknecht-Partei?
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Es ist die politische Versöhnung des Jahres: Alt-Kanzler Gerhard Schröder und Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine (beide 79) sollen sich nach einem Bericht des Stern im Mai zu einem mehr als fünf Stunden dauernden Gespräch in Lafontaines Haus im Saarland getroffen haben.
Die beiden hatten sich im Frühjahr 1999, kurz nach der gemeinsam gewonnenen Bundestagswahl 1998, im Streit um den Kurs der SPD überworfen. Lafontaine war im Zorn als Bundesfinanzminister und SPD-Chef zurückgetreten. 24 Jahre und einige Ehefrauen später nun der Friedensschluss kurz vor Lafontaines 80. Geburtstag. Freunde, Feinde, Freunde: alles nur die Sentimentalität alter Männer? Oder steckt doch mehr dahinter, wenn sich zwei politische Dinos plötzlich wieder um den Hals fallen?
„Sentimentalität ist auf jeden Fall der Hauptantrieb für die Versöhnung“, sagt ein enger Vertrauter, der beide kennt, zu NIUS. „Schröder war und ist Sozialdemokrat und wird definitiv nicht in eine neue Wagenknecht-Partei eintreten.“ Trotzdem gehe es selbstverständlich unpolitisch zu, wenn sich zwei „hoch begabte politische Alphatiere“ treffen. Beide hätten sich bei dem Treffen im Mai, bei dem auch Lafontaines Ehefrau Sahra Wagenknecht und Schröder-Gattin So-yeon Schröder-Kim anwesend waren, immer wieder auch zu Gesprächen unter vier Augen zurückgezogen, heißt es. „Dabei ging es auch um aktuelle Fragen.“

Vor dem großen Krach: 1997 wurde Lafontaine als SPD-Chef wiedergewählt
Fakt ist aber auch, dass beide eine große Nähe zu Russland haben und die Ukraine-Politik der Bundesregierung kritisieren. Beide kritisieren ihre Parteien dafür, sich mehr und mehr von den einfachen Menschen zu entfernen, unbegrenzter Migration das Wort reden und einen weltfremden, links-akademischen Politikansatz etwa bei Gender- und Transpolitik zu pflegen. Schröder sollte wegen seiner Putin-Nähe aus der SPD geworfen werden, Lafontaine hat die Linke bereits verlassen. Beide stammen aus kleinen Verhältnissen und schätzen einen gehobenen Lebensstil mit gutem Wein, teuren Zigarren (Schröder) und großzügigen Immobilien.
Der Schröder-Lafontaine Pakt: gegen Mittelmaß und Kleingeist
Vor allem aber eint Schröder und Lafontaine die Verachtung für politisches Mittelmaß. Gemeinsam bekämpften sie ehedem ihren damaligen SPD-Parteifreund Rudolf Scharping, und auch Lafontaine kann intern deftig über Kleingeister und Ideologen in der Linkspartei herziehen. Und natürlich sind beide auch ausgeprägte Machtmenschen mit einem Hang zu Trotz und Starrsinn.
Doch auch politisch birgt die Versöhnung der Alt-Genossen durchaus einigen Sprengstoff. Sie ist zunächst ein Hinweis darauf, dass Lafontaine und Wagenknecht für ihr Projekt einer neuen Partei Rat einholen, auch von einem Instinkt-Politiker wie Schröder.

August 1997: Schröder mit Ex-Frau Doris Schröder-Köpf und Lafontaine mit Ex-Frau Christa Müller
Wagenknecht macht im kleinen Kreis keinen Hehl daraus, dass es ihr vor allem darum geht, innerhalb kurzer Zeit mit ihrer Partei reale politische Gestaltungsmacht auszuüben. Beispielsweise soll auf jeden Fall verhindert werden, dass die neue Partei, analog zu AfD und Linker, mit einem „Brandmauer-Bann“ belegt wird und damit Bündnisse der anderen Parteien auf Dauer zementieren würde, um sie von der Macht fernzuhalten.
Besondere Anstrengungen dürften für den Start der neuen Partei auch der Geldbeschaffung gelten, weil die staatliche Wahlkampfkostenerstattung etwa bei der Europawahl 2024 auch davon abhängt, wieviel Eigenkapital eine Partei hat. Hier könnte Schröder womöglich sehr hilfreich sein. Nicht umsonst trägt er schließlich den Spitznamen „Genosse der Bosse“.
Und schließlich dürfte auch menschlich eine gewisse Nähe zwischen den beiden Männern bestehen, die beide einen trockenen, zuweilen auch derbern Humor schätzen. Und: „Oskar ist einfach ein liberaler Geist und sehr angenehmer Typ“, sagt Berlins früherer Finanzsenator Thilo Sarrazin zu NIUS, der selbst lange Zeit Genosse von „Lafo“ und Schröder war.
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Ralf Schuler
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