Weimer forderte „Kulturkampf“ um das Hermannsdenkmal: Windräder werden die Statue nun um 163 Meter überragen
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Noch im letzten Jahr erklärte Wolfram Weimer, um Orte wie das Hermannsdenkmal müsse die politische Mitte „Kulturkämpfe führen“. Nun werden im Teutoburger Wald neben der Kolossalstatue des siegreichen Arminius, auch bekannt als Hermann der Cherusker, sieben Windkraftanlagen gebaut. Sie überragen die Statue um bis zu 163 Meter. Dazu äußerte sich Weimer bisher allerdings nicht.
Es war mal wieder so ein überschäumender Moment Wolfram Weimers. Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Hermannsdenkmals im vergangenen Jahr sprach der Kulturstaatsminister von der „Faszination des Hermann-Mythos“ und der „Liebe zur Freiheit“ als „Hermanns Vermächtnis“.
Arminius sei als „großer Nationalheld“ für ihn so etwas wie ein „Robin Hood der Deutschen“, legte Weimer einen Monat später bei ntv noch einmal nach. Und deshalb dürfe die AfD „sich den jetzt nicht holen“. Denn dann wäre er nämlich „weg“ und gehöre „nicht mehr der politischen Mitte“. Wir müssen „diese Kulturkämpfe führen“, so Weimer.
Hermann der Cherusker mit Regenbogenfahne
Nur eine Woche nach Weimers Fernsehauftritt präsentierte der Landesverband Lippe die Cherusker-Statue auf Instagram, wie sie eine Regenbogenfahne in der Hand hält. Sieben weitere Monate später beginnen nun Rodungsarbeiten im Teutoburger Wald. Sieben Windkraftanlagen sollen fünf Kilometer entfernt des Denkmals gebaut werden.

Das Hermannsdenkmal erinnert an den Sieg der Germanen über die Römer im Teutoburger Wald.
Die Windräder erreichen mit ihren Flügeln eine Höhe von bis zu 246,6 Metern. Das Hermannsdenkmal ist dagegen gerade einmal 53,5 Meter hoch. Auf dem Grotenburg liegt dessen Sockel 386 Meter über dem Meeresspiegel. Die Gauseköte – Bauplatz der sieben Windräder – ist 345 Meter hoch.
Weil die dem Denkmal nächstgelegene Anlage sogar auf 356,5 Metern über dem Meeresspiegel steht, werden die Riesenwindräder die Arminius-Figur um bis zu 163 Meter überragen. Alles halb so wild, erklärt die Pressestelle der für den Bau verantwortlichen WestfalenWIND gegenüber NIUS am Telefon. Man könnte vom Hermannsdenkmal aus die Windräder zwar sehen, mehr aber auch nicht. 5,5 Kilometer wäre das nächste Windrad ja entfernt. Und auch der Denkmalschutz habe letztlich zugestimmt.
Mittlerweile haben auf der Gauseköte die Rodungsarbeiten begonnen:
AfD erklärt, Windräder überragen Denkmal „fast um das Fünffache“
Anders argumentiert die AfD. Allein die Höhe der Windräder überrage die des Hermannsdenkmals „fast um das Fünffache“. Der geplante Windpark bedrohe „nicht nur das Hermannsdenkmal, sondern auch die umliegende Naturlandschaft“, so die AfD-Bundestagsabgeordneten und Kulturpolitiker Götz Frömming und Matthias Helferich.
Ob solcher Protest etwas bringt, ist fraglich. Über vier Jahre zog sich bereits ein nun beendeter Rechtsstreit um das Bauvorhaben zwischen WestfalenWIND und dem Eigentümer des Geländes – Stephan Prinz zur Lippe – auf der einen und dem Kreis Lippe auf der anderen Seite. Der Kreis hätte das Projekt eigentlich gerne nicht genehmigt, erklärte am Ende aber, in Anbetracht drohender Schadensersatzansprüche „in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags“ bliebe ihm keine Wahl.

Die AfD-Abgeordneten Matthias Helferich und Götz Frömming fordern einen Baustopp.
Für die AfD bietet der Bau die Möglichkeit, sich einmal mehr über Wolfram Weimers Großspurigkeit auszulassen. „Vollmundig“ habe Weimer „vor der Vereinnahmung des Hermannsdenkmals durch die AfD“ gewarnt, so Frömming und Helferich. Für den Erhalt der Kulturlandschaft würde er sich aber überhaupt nicht einsetzen. Sie fordern einen Baustopp.
Wolfram Weimer äußerte sich bisher nicht zum Bau der Windkraftanlagen im Teutoburger Wald. NIUS fragte beim Kulturstaatsminister an, wie er den Bau bewerte und ob er denke, dass er die Erhabenheit des Herrmannsdenkmals gefährde. Weimer ließ ausrichten, dass er für eine Antwort noch etwas Zeit benötige.
Mehr NIUS: Der Windrad-Wahn im Sauerland geht weiter: „Alles, was im Weg ist, wird beseitigt“
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