Wie Christdemokraten gegen christliche Feiertage mobil machen
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Man könnte auch weniger schlafen. Es ist durchaus bemerkenswert, dass derzeit ausgerechnet von Unionspolitikern eine Debatte über die Streichung von christlichen Feiertagen mit kreativen Vorschlägen bedient und befeuert wird. So brachte Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei „Caren Miosga“ (ARD) den Pfingstmontag als verzichtbar ins Gespräch, was allerdings lediglich seine ganz persönliche Meinung sei.
CDU-Mittelstandschefin und Wirtschaftsstaatssekretärin Gitta Connemann (selbst evangelisch) wiederum nannte im Podcast von Table Briefings den Reformationstag: „Können wir uns bestimmte Dinge noch erlauben, die Leistungsfähigkeit kosten? Da schaue ich mir etwa den Reformationstag an, bei dem auch bei uns im evangelisch geprägten Niedersachsen die Kirchen leer sind.“

Protestantin, CDU-Mittelstandschefin und Wirtschaftsstaatssekretärin: Gitta Connemann
Es lebe die Nützlichkeitsbetrachtung
Man könnte es durchaus als Zeichen der Entchristlichung interpretieren, wenn Vertreter einer Partei mit dem C im Namen die eigenen Feiertage verzichtbar finden, und man muss sich nicht wundern, wenn Muslime eine solche Wurstigkeit im Umgang mit den eigenen Wurzeln und Traditionen befremdlich bis dekadent finden. Ganz offensichtlich ist einerseits völlig in Vergessenheit geraten, welch blutige Kämpfe sich die Konfessionen einst leisteten und dass einige theologische Gräben bis heute nicht verschwunden sind. Andererseits verrät es auch eine eigentümliche (allerdings durchaus protestantische) Nützlichkeitsbetrachtung, wenn man in einem konfessionellen Feiertag nichts anderes mehr sieht als eine Art Freistellung zum Gottesdienst.
Der rationale (wirtschaftspolitische) Kern beträgt 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP): Ein Feiertag reduziert das BIP nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) um bis zu 8,6 Milliarden Euro oder rund 0,4 Prozent der Jahresarbeitszeit. Die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch viel komplizierter und hängen von Branchen und Auslastung ab, weshalb die Streichung von Feiertagen umstritten ist.
Da der Reformationstag lediglich in sechs Bundesländern offizieller Feiertag ist (in Baden-Württemberg ist er schulfrei, aber meist ohnehin in den Herbstferien), wäre die volkswirtschaftliche Wirkung gering. Wenn man bedenkt, dass für die Einführung der Pflegeversicherung 1995 (unter einer CDU-geführten Regierung) bereits der Buß- und Bettag zur Kompensation gestrichen wurde, leistet die Union hier einen erstaunlichen Beitrag zum Schleifen der christlichen Prägungen Deutschlands.

Der Reformationstag fällt zeitlich mit Halloween zusammen – vielleicht ist letzterer Feiertag manchen Christdemokraten näher.
Am siebten Tag sollst du ruhen
Ganz offensichtlich blicken die Protestanten inzwischen eher gleichgültig als stolz auf die Reformation und die Abnabelung vom „Papismus“, während der Katholik Merz in Gestalt des Pfingstfestes tatsächlich die Aussendung des Heiligen Geistes als Geburtsstunde der christlichen Gemeinden mit der inzwischen verbreiteten Verständnislosigkeit gegenübersteht, wie dies in weiten Teilen des Landes ohnehin der Fall ist.
Unabhängig vom theologischen Gehalt einzelner Feiertage ist die Strukturierung der Zeit in Tage der Arbeit und Tage der Erholung, wie sie in der Schöpfungsgeschichte angelegt ist und im Alten Testament geboten wird, eine der größten Kulturleistungen der Menschheit. „Sechs Tage sollst du deine Arbeiten verrichten. Aber am siebten Tag sollst du ruhen, damit dein Rind und dein Esel ausruhen und der Sohn deiner Magd und der Fremde Atem schöpfen.“ (2. Mose 20,8) Das Schleifen dieser Kulturleistung, die durch gesonderte Feiertage unterstrichen wird, die voranschreitende Flexibilisierung der Arbeits- und Ladenöffnungszeiten, zugunsten volkswirtschaftlicher Nützlichkeit und der Auffüllung von Sozialkassen, war lange Zeit auch ein Kernthema der Gewerkschaften („Samstags gehört Vati mir!“). Inzwischen gibt es nur noch laue Gegenwehr.
Hinzu kommt: Solange Bundesländer wie Berlin (Frauentag, 8. März) oder Thüringen (Kindertag, 20. September) noch fröhlich neue Feiertage einführen, um Wähler milde zu stimmen, kann die Not nicht wirklich groß sein. Bevor wir an die christlichen Traditionen gehen, können gern solche weltlichen Sumpfblüten abgeschafft werden.
Man könnte auch weniger schlafen.
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Ralf Schuler
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