Wirtschaftsexperte Stefan Kooths: „Deutschland steigt seit Jahren ab“
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Fachkräftemangel und Stellenabbau, Abwanderung von Unternehmen, Rezession und Inflation, steigende Arbeitslosigkeit mitten im Sommer. Muss man sich Sorgen machen um den Wirtschaftsstandort Deutschland?
Ja, sagt Prof. Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel und Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft. „Deutschland steigt schon seit einigen Jahren ab“, sagt Kooths bei „Schuler! Fragen, was ist“, „wenn wir die verschiedenen Rankings betrachten. Man kann jedes einzelne Ranking auch kritisch betrachten. Wenn in der Summe letztendlich alle einschlägigen Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit des Standortes nach unten weisen, und man dort nach unten durchgereicht wird seit einigen Jahren, ist das alarmierend. Es ist aber eben auch kein Befund, der nur für die aktuelle Bundesregierung gilt, sondern das gilt auch schon für die Bundesregierung davor. Da stimmt etwas am Standort nicht, und früher oder später macht sich das in einer solchen gesamtwirtschaftlichen Lethargie bemerkbar, dass dann konjunkturell auch nichts mehr anspringen kann.“
Hier geht’s zum ganzen Interview mit Prof. Stefan Kooths:
„Das ist dann schon ein echtes Warnsignal“
Die Meldung, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft ist, sei für sich genommen noch kein Problem, so Kooths. „Wenn es nur um ein einzelnes Quartal ginge, wäre das natürlich jetzt keine große Nachricht, sondern das Besorgniserregende ist ja, dass wir etwa seit zwei Jahren in einer solchen Stagnationsphase sind, wo wir mehr oder weniger um die Nulllinie herum pendeln, was die Zuwachsraten angeht. Und wenn wir uns die Produktivitätsentwicklung anschauen, da sind wir heute immer noch auf dem Niveau von 2019.“

Wirtschaftsexperte Stefan Kooths im Gespräch mit Ralf Schuler
Im Klartext: „Wir haben fünf Jahre hinter uns, ohne dass die Arbeitsproduktivität dabei zugelegt hat, und das ist dann schon ein echtes Warnsignal.“
Die einzelnen Meldungen über Unternehmensschließungen oder -abwanderungen müsse man sicher differenziert betrachten, sagt Stefan Kooths, der die Prognoseabteilung am Institut für Weltwirtschaft leitet. „Aber in der Ballung ist das natürlich schon ein Hinweis darauf, dass der Standort erhebliche Probleme hat. Das sehen wir auch daran, dass die Direktinvestitionen nach Deutschland, also die nach Deutschland hineinkommen, von anderen Unternehmen deutlich zurückgegangen sind.“
Auch daraus, wer die Verantwortung für diese Entwicklung trägt, macht Kooths keinen Hehl: „Das, was wir dort erleben, ist ja keine Naturgewalt, die über den Standort Deutschland gekommen wäre, sondern das ist das Ergebnis der Wirtschaftspolitik, und die kann man auch ändern. Allerdings nutzen wir die Hinweise derzeit noch zu wenig, denn wir bewegen uns immer noch auf sehr, sehr hohem Niveau. Wir gehören weiterhin zu den hoch entwickelten Ländern der Welt, aber das ist nichts, worauf man sich ausruhen darf, sondern man muss dann schon diese Signale ernst nehmen.“
„Ich rate, sich von allem fernzuhalten, wo der Staat zu sehr mitmischt“
Auf die Frage, ob er persönlich noch in Deutschland investieren würde, ist Kooths zurückhaltend: „Ganz grundsätzlich würde ich raten, sich von allem fernzuhalten, wo der Staat zu sehr mitmischt, sei es über Beteiligungen, sei es über Subventionen oder sonstige Protektion. Damit kann man eher nicht reich werden. Und ansonsten gilt eben für alle, die Kinder haben, in die Köpfe der nächsten Generation zu investieren. Dort hat man immer noch die höchste Rendite.“

Staatsfern zu investieren ist angesichts der Transformationspolitik der Bundesregierung inzwischen ziemlich schwierig geworden, räumt der Wirtschaftsexperte ein und bleibt bei seiner Warnung: „Finger weg von vielen Titeln in Deutschland zumindest überall dort, wo die Geschäftsmodelle darauf angelegt sind, dass sie nur funktionieren können, wenn der Staat beispielsweise bestimmte Subventionen aufrechterhält. Das wird er sich nicht auf Dauer so leisten können, weil sich das politisch nicht durchsetzen lässt. Und solche Geschäftsmodelle sind dann eben auf Sand gebaut, weil sie gegen die Marktkräfte spielen und nicht mit den Marktkräften.“
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Ralf Schuler
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