Freie-Bauern-Chef Alfons Wolff: „Jeder Taschendieb wird im Recht besser behandelt als die Landwirtschaft“
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Alfons Wolff schlägt Alarm: Der Präsident der Freien Bauern sieht die deutsche Landwirtschaft unter Generalverdacht. Bei „Schuler! Fragen, was ist?“ spricht der Landwirt über Satellitenüberwachung, Ohrmarken, Saatgut-Lizenzen, immer neue Kontrollen – und über eine Bürokratie, die Bauern zunehmend die Kraft raubt.
Wolffs drastisches Urteil: „Jeder Taschendieb wird im Recht besser behandelt als die Landwirtschaft.“ Gemeint ist die aus seiner Sicht umgekehrte Beweislast, unter der Bauern heute arbeiten müssten. Wenn Behörden, Satellitenbilder oder Kontrollstellen Unregelmäßigkeiten meldeten, müsse der Landwirt sich rechtfertigen – selbst dann, wenn praktisch nichts passiert sei.
Das ganze Interview sehen Sie hier:
„Beschäftigung von bürokratischen Apparaten ohne jeden Sinn“
Im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler beschreibt Wolff ein System, das aus seiner Sicht längst aus dem Ruder gelaufen ist. Flächen würden per Satellit überwacht. Wege, Schatten, Trampelpfade oder kleinere Abweichungen könnten Förderprobleme auslösen. Verliere ein Rind Ohrmarken, werde daraus schnell ein Verdachtsfall. Und das Tier wird unverwertbar.
Wolff hält viele dieser Vorgaben für sinnlos. „Es ist eigentlich eine riesige Beschäftigung von bürokratischen Apparaten ohne jeden Sinn“, sagt er. Veterinärämter, Kontrollstellen und Behörden würden immer neue Prüfungen durchführen, während für die eigentliche Arbeit auf dem Hof Zeit und Kraft verloren gingen.

Für den Familienunternehmer sind Krankschreibungen ab Tag 1 übrigens kein Thema.
Der Landwirt müsse ständig in eine Abwehrhaltung gehen. Wolff berichtet aus eigener Erfahrung: „Ich habe in einem Jahr über zehn Prüfungen hinter mir.“ Das belaste, nehme Mut und lenke von der eigentlichen Landbewirtschaftung ab.
„Landwirtschaft wird preisgegeben“
Neben der Bürokratie kritisiert Wolff den internationalen Wettbewerbsdruck. Deutsche Bauern produzierten unter hohen Standards, müssten aber mit Importware konkurrieren, die unter deutlich schlechteren Bedingungen hergestellt werde. Besonders die Ukraine nennt Wolff als Beispiel. Wenn ein Land selbst sage, es brauche noch Jahre, um sich europäischen Standards anzunähern, aber sofortigen Marktzugang wolle, dann bedeute das aus seiner Sicht: „Billig produzierte Nahrungsmittel zu anderen Standards auf unserem Markt.“

Alfons Wolff empfing Ralf Schuler auf seinem Bauernhof in Sachsen-Anhalt.
Das sei eine Wettbewerbsverzerrung, die deutsche Bauern nicht aushalten könnten. „Wir haben schon oft genug angemerkt, dass diese Wettbewerbsverzerrung nicht in Ordnung ist und letztlich auch den Verbraucher betrügt. Er geht davon aus, dass deutsche Standards auch für die Nahrungsmittel gelten, die von außen kommen und hier verarbeitet werden.“
„Dem Landwirt wird die Tierhaltung madig gemacht“
Auch der Rückgang der Tierhaltung in Deutschland bereitet Wolff Sorgen. Schweine- und Rinderbestände schrumpfen seit Jahren. Für ihn liegt das nicht nur an Preisen, sondern auch an Auflagen und am gesellschaftlichen Bild der Tierhaltung. „Dem Landwirt wird die Tierhaltung madiggemacht“, sagt Wolff. Organisationen wie PETA oder Animal Rebellion zeichneten ein Bild, in dem Bauern als Ausbeuter von Tieren erschienen. Dabei würden Tiere in Deutschland unter besonders strengen Bedingungen gehalten.

Für Wolff war das Interview eine kurze Verschnaufpause. Die Weizen-Ernte läuft in diesen Tagen auf Hochtouren.
Wolff hält es für widersprüchlich, wenn Tierhaltung in Deutschland verdrängt werde, während tierische Produkte dann aus Ländern kämen, in denen Standards schlechter oder weniger kontrollierbar seien. „Wenn die Legebatterien jetzt in der Ukraine stehen oder in anderen Ländern, dann ist es plötzlich egal“, kritisiert er.
Auch über die EU-Agrarpolitik spricht Wolff kritisch. Die Förderpolitik sei ursprünglich als Ausgleich gedacht gewesen, um europäische Bauern an den Weltmarkt heranzuführen. Inzwischen sei daraus ein Steuerungsinstrument geworden.
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