Die wahre Verspätungs-Statistik: Nur 14 Prozent aller DB-Fernzüge waren im Jahr 2024 pünktlich!
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Philippe FischerNeben Verspätungen hat die Deutsche Bahn ein weiteres großes Problem: Die Zahl der Ausfälle ist seit Corona auf einem Allzeithoch. Alleine im Jahr 2025 sind täglich 480 Züge im Fernverkehr komplett oder teil-ausgefallen.
Problem: Ausfälle und Teil-Ausfälle fließen nicht in die offizielle Verspätungsstatistik ein. Heißt übersetzt für die Statistik: Kein Zug = pünktlicher Zug. NIUS rechnet aus: Nur jeder siebte IC oder ICE fährt in Deutschland planmäßig!
Und das sind die Zahlen für das Jahr 2024:
- Die Deutsche Bahn bot insgesamt 554.070 Verbindungen im Fernverkehr an.
- 207.776 Verbindungen erreichten ihr Ziel mit mehr als sechs Minuten Verspätung. Mit fünf Minuten Verspätung gilt ein Zug offiziell als pünktlich.
- 254.040 Verbindungen verzeichneten einen Teil-Ausfall.
- 14.235 Verbindungen fielen vollständig aus.
Heißt in Summe: 476.051 Bahnen, das entspricht 85,92 Prozent, erreichten verspätet oder mit Teil-Ausfällen ihr Ziel. Nur 14 Prozent aller Züge waren pünktlich.

Nur jeder siebte Zug war im Jahr 2024 pünktlich. Auch 2025 sieht es nicht besser aus. Bahnchefin Evelyn Palla und Verkehrsminister Patrick Schnieder haben einiges zu tun.
Ausfälle wirken sich nicht auf die Statistik aus
Dass von planmäßig 3,44 Millionen Haltepunkten mehr als eine Viertelmillion nicht angefahren wurden, berücksichtigt die Verspätungsstatistik ohnehin nicht. Im Verkehrsministerium gibt man sich auf Nachfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Sichert geständig. Das Verkehrsministerium schreibt:
„Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) fließen ausgefallene Züge sowie der bei Teilausfällen entfallene Teil einer Zugfahrt der DB Fernverkehr AG – wie bei anderen europäischen Bahnen (ÖBB u.a.) – nicht in die betriebliche Verspätungs- bzw. Pünktlichkeitsstatistik ein.“
Besonders dreist: „Im Fernverkehr fallen nur ein bis drei Prozent aller Züge aus. D.h. die Einbeziehung der wenigen ausfallenden Züge würde für die Gesamtpünktlichkeit keine wesentliche statistische Abweichung bedeuten“, rechtfertigt das Verkehrsministerium schriftlich sein Vorgehen. Eine glatte Lüge.
„Infrastrukturelles Versagen“
Martin Sichert stellte die Fragen an das Verkehrsministerium, weil er persönlich viel mit der Bahn zwischen Parlament und seinem Wahlkreis unterwegs ist. Die Zahlen, welche außerhalb der Verspätungsstatistik laufen, kommentiert der AfD-Politiker: „Seit 2021 liegen die Teilausfälle der Züge im Fernverkehr jedes Jahr im sechsstelligen Bereich. Die Ausfälle tauchen auch nicht in irgendwelchen Pünktlichkeitsstatistiken auf, sie kommen on top. Dieses infrastrukturelle Versagen schadet dem Ansehen Deutschlands massiv.“

Der Abgeordnete Martin Sichert (AfD)
Die Zahlen würden einer Kapitulation gleichen und „haben mit moderner, zuverlässiger Mobilität nichts mehr zu tun. Das Gehalt der DB-Vorstände muss an die Zuverlässigkeit der Bahn gekoppelt werden; es kann nicht sein, dass im Elfenbeinturm der Vorstände Geld keine Rolle spielt, während gleichzeitig Millionen Bahnreisende Tag für Tag Chaos erleben.“
Palla wegen Verspätungen bei Bauprojekten unter Druck
Für Bahnchefin Palla gleicht ihr Konzern damit einer Großbaustelle. Erst am Mittwoch haben sich fünf Bundesländer in einem Brief an die DB-Chefin über das Vorgehen bei der Verzögerung der Streckensanierung Berlin–Hamburg beschwert und ein Ultimatum für einen neuen Zeitplan gesetzt. Die Regierungschefs aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein kritisieren, dass die Bahn über eine Verlängerung der Bauarbeiten entschieden habe, ohne die Länder vorher umfassend zu informieren und ohne abgestimmten, verlässlichen Zeitplan.
„Wir erwarten eine Klärung und Ihre Antwort zu einem konkreten Maßnahmen- und Zeitplan bis zum 2. März 2026“, heißt es in dem Brief an Bahn-Chefin Evelyn Palla. Zuvor hatte die Bild berichtet. Hinzu kommen stundenlange IT-Ausfälle, welche den DB-Konzern aktuell plagen.

Evelyn Palla hat als Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG ein brüchiges Erbe übernommen.
Deutsche Bahn hat 426 Teil-Ausfälle pro Tag!
Allein in den vergangenen zwei Jahren fielen fast 20.000 Züge der Deutschen Bahn aus. Hinzu kommen 400.000 Teil-Ausfälle. Seit dem Jahr 2021 sind insgesamt rund eine Million Fernverkehrsverbindungen zum Teil ausgefallen.

Die Zahl der Ausfälle gilt pro Tag. So sind im Jahr 2025 in Summe 175.200 Züge (teil-)ausgefallen.
Beispiel: Im Jahr 2024 bot die Bahn täglich 1518 IC- und ICE-Verbindungen. Mehr als die Hälfte der Angebote war von einem Ausfall betroffen!
Zum Verständnis: Die DB wertet eine Fahrt als Teil-Ausfall, wenn der Zug etwa auf der Strecke von München nach Hamburg vorzeitig in Berlin endet. Ein Halt-Ausfall ist, wenn etwa wegen einer Weichenstörung der Bahnhof Nürnberg nicht angefahren werden kann, die Reise aber grundsätzlich zwischen München und Hamburg stattfindet.
Verspätungsstatistik erfasst keine Ausfälle
Zugausfälle werden von der Bahn nicht in der betrieblichen Pünktlichkeitsstatistik berücksichtigt. Sie erfasst die Haltepunkte der Züge, die diese mit einer Verspätung von mindestens sechs Minuten erreichen. Im vergangenen Monat waren demnach lediglich knapp 60 Prozent der Fernzüge pünktlich unterwegs. Ausgefallene Züge gehen nicht in diese Quote ein, bei Teil-Ausfällen nur die Strecke, die der Zug bereits zurückgelegt hat.

Kein seltener Anblick
Fallen verspätete Züge bewusst aus, um die Statistik zu schönen?
Bei hohen Verspätungen im Fernverkehr stoppt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben in Einzelfällen den Zug an einem Bahnhof und bittet Fahrgäste, auf andere Verbindungen umzusteigen. Damit solle aber nicht verhindert werden, dass die betroffenen Züge in die Verspätungsstatistik eingehen, behauptet der Staatskonzern. „Die DB schönt keine Statistiken“, schreibt das Unternehmen.
Der Spiegel berichtete im Herbst 2025 über zwei Fälle, bei denen die Züge mit einer beziehungsweise zwei Stunden Verspätung unterwegs waren. In beiden Fällen wurden die Züge schließlich gestoppt; die Fahrgäste mussten mit anderen Verbindungen an ihr Ziel kommen. Das Magazin zitierte in diesem Zusammenhang aus einem internen System-Chat der DB, in dem es demnach zur Begründung des Zugausfalls hieß: „Zug fällt zur Verbesserung der Statistik ab Köln aus.“
Ein Blick in die Schweiz zeigt: Es geht auch anders
Die Schweizer Bahnen (SBB) haben für 2025 einen Rekord aufgestellt: Im vergangenen Jahr erreichten 94,1 Prozent der Personenzüge ihr Ziel pünktlich. Im Jahr davor waren es 93,2 Prozent gewesen. Der pünktlichste Tag in der Geschichte der SBB war der 28. Dezember: An diesem Sonntag kamen 98,6 Prozent der Züge in der Schweiz pünktlich an.

Im Jahr 2025 waren die Schweizer Bahnen so pünktlich wie nie.
Von solchen Werten können Bahnnutzer in Deutschland nur träumen. Während in der Schweiz Fern- und Regionalverkehr praktisch gleich pünktlich ist, klafft bei der Deutschen Bahn (DB) eine Lücke. Nur 60,1 Prozent der Fernzüge waren im vergangenen Jahr pünktlich, bei den Regionalzügen waren es 88,7 Prozent. Für den gesamten Personenverkehr errechnet die DB daraus eine Pünktlichkeit von 88,0 Prozent.
Die Deutsche Bahn erlaubt sich zudem mehr Spielraum als die Schweizer bei der Definition von Pünktlichkeit. Bei der SBB tauchen die Züge schon ab drei Minuten in der Verspätungsliste auf.
Über die DB-Situation ärgern sich auch die Schweizer. „Besonders aus Deutschland kommen Züge mit Verspätungen in der Schweiz an, was sich auf die Pünktlichkeit hierzulande auswirkt“, schreibt der Konzern offiziell auf seiner Webseite. „Um dem entgegenzuwirken, wendet die SBB die Züge, wenn nötig, an der Grenze und setzt innerhalb der Schweiz Ersatzzüge ein.“
Auch bei NIUS: Radikale Stellenkürzung: Bahn-Chefin Palla will Hälfte der Topmanagement-Jobs streichen
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