Überall ist von Konjunkturwende die Rede: Chef-Ökonom der Commerzbank widerspricht!
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Philippe Fischer„Industrie boomt!“, titelte die Bild-Zeitung am Donnerstag unter Verweis auf gestiegene Auftragszahlen in der Industrie. Sogar der Kanzler gerät ins Schwärmen. Doch der Chef-Ökonom der Commerzbank widerspricht.
Sogar in Abu Dhabi hat der Bundeskanzler die positive Botschaft verbreitet: Deutschlands Wirtschaft habe angeblich die Talsohle durchschritten und sei auf dem besten Weg zu mehr Wachstum. Schauen Sie hier:
Während der anstrengenden Auslandsreise durch den Nahen Osten nahm sich der Bundeskanzler sogar die Zeit, um die gute Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst X zu verbreiten:

Industrie bekommt mehr Aufträge
Hintergrund der Euphorie sind aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden. Im Dezember erhielten die Industrieunternehmen nicht nur den vierten Monat in Folge mehr Aufträge, sondern sie wuchsen auch überraschend stark. Die Zahl der Bestellungen stieg gemessen am Vormonat um 7,8 Prozent. Was dabei nicht berichtet wurde, ist der Rückgang in der Produktion: Im Vergleich zum Vorjahresmonat Dezember 2024 sank die Industrieproduktion im Dezember 2025 kalenderbereinigt um 0,2 Prozent.
Produktion weiter auf „niedrigem Niveau“
Der Chef-Ökonom der Commerzbank, Jörg Krämer, kommentierte die Euphorie bei X: „Tatsachen: Die Konjunktur-Optimisten sind heute Morgen auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt worden. Die deutsche Industrieproduktion fiel im Dez. um 1,9 %. Sie bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau seitwärts. Rüstungs-Aufträge alleine machen noch keinen Aufschwung.“

Jörg Krämer teilt die Euphorie nicht.
IHK: „Weitere Reformschritte der Regierung sind unerlässlich“
Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge ist die Produktion 2025 das vierte Jahr in Folge gesunken, vor allem die Autobranche baut Jobs ab. Wenn überhaupt, dann dürfte die Erholung minimal ausfallen: Nach einem Mini-Plus von 0,2 Prozent im vergangenen Jahr soll die Wirtschaft 2026 nach Prognose der Bundesregierung und führender Ökonomen um ein Prozent zulegen, was hauptsächlich mit mehr Arbeitstagen im Jahr 2026 zu begründen ist.
Ebenfalls zurückhaltend gibt sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das Auftragsplus im Dezember dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Industrie unter großen strukturellen Problemen leide, heißt es dort. „Weitere Reformschritte der Regierung sind hier unerlässlich.“
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