Keine Ersparnis an der Zapfsäule: Öl-Schock absorbiert den Tankrabatt
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Der Ölpreis schoss über das lange 1.-Mai-Wochenende mit 126 US-Dollar pro Barrel auf ein Rekordhoch – ein Preissprung von sieben Prozent. Stichproben zeigen: Damit ist der von der schwarz-roten Bundesregierung eingeführte Tankrabatt an vielen Orten vollständig verpufft. Und der hohe Ölpreis birgt Risiken für die Weltwirtschaft, sagen Experten.
Logistik, Mobilität, Vertrieb – am Ölpreis hängt fast jede Branche. Heißt: Wenn Tanken und Heizen teuer sind, steigen auch die Kosten für alle Waren. Dabei galt ein hoher Ölpreis von rund 100 US-Dollar pro Barrel bisher als verkraftbar. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent mit Lieferung zum Juni kostete vergangene Woche 126,41 US-Dollar. Der aktuelle Preissprung wird von den Öl-Unternehmen an die Zapfsäule weitergegeben und frisst somit den Tankrabatt von bis zu 16 Cent brutto vielerorts auf.

NIUS macht den Tankpreis-Check
Darmstadt: In Darmstadt lag der Preis für einen Liter Diesel am 22. April bei durchschnittlich 2,07 Euro. Am 4. Mai 2026 bewegt sich der Preis für einen Liter Diesel im Bereich 2,10 Euro bis 2,18 Euro. Bei Super E5 ist der Preisverlauf ähnlich: Während der Liter Benzin am 19. April noch 2,05 Euro durchschnittlich kostete, liegt der Preis heute bei etwa 2,11 Euro.
Zwickau: In Sachsen lag der Liter Diesel am 22. April bei 2,12 Euro. Am 3. Mai, drei Tage nach Einführung des Tankrabatts, lag der Preis bei 2,15 Euro. Der Liter Super-Benzin kostet Ende April rund 2,11 Euro. Heute kann man dank Tankrabatt für circa 4 Cent weniger pro Liter tanken.
Flensburg: Am 22. April kostete der Dieselliter durchschnittlich 2,09 Euro. Bei diesem Preisniveau liegt der Liter Diesel auch heute, trotz Tankrabatt. Fünf Cent sparen die Kunden bei Super-Benzin. Dort ist der Preis seit Einführung des Tankrabatts von 2,03 Euro auf 1,98 Euro gesunken.
Preis in Deutschland kurz vor Tankrabatt angezogen
Auffällig: Der Durchschnittspreis für Super und Diesel ist in den sieben Tagen vor Einführung des Tankrabatts deutschlandweit merklich angezogen. Seit dem 22. April hat sich der Preis (Diesel 2,11 Euro, Super 2,09 Euro) bis zum 30. April nach oben entwickelt (Diesel 2,20, Super 2,16 Euro). Der Preisfall am 1. Mai 2026 – zur Einführung des Tankrabatts – fiel nicht so üppig aus wie erwartet: Bei Diesel sank der Preis um 14 Cent auf 2,06 Euro; Super kostete 12 Cent weniger (2,04).
Stagflation als Konsequenz des Ölpreises
Bleibt der Ölpreis auf diesem hohen Niveau, erhöht sich das Risiko in Richtung einer Stagflation, schreibt die Consorsbank in einer aktuellen Marktanalyse. Bei einer Stagflation steigen die Preise, während die Arbeitslosigkeit zunimmt, da Unternehmen weniger investieren und weniger produzieren.

Die Blockade der Straße von Hormus setzt die gesamte Weltwirtschaft unter Druck. In der US-Stadt Portland kostet die Gallone Super mehr als fünf US-Dollar.
In der Folge würde das kaum vorhandene Wachstum von 0,5 Prozent weiter sinken. „Was der Markt bislang nicht berücksichtigt hat, ist eine spürbare Abwärtsrevision der Wachstums- und Inflationsschätzungen. [...] In solchen Phasen kam es historisch häufig zu Rücksetzern am Aktienmarkt von 15 bis 20 Prozent“, sagt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank.
Ab 150 US-Dollar ist Rezession kaum vermeidbar
Stanzl warnt: „Steigt der Ölpreis deutlich über 150 Dollar, rückt eine Rezession in den Bereich des Wahrscheinlichen. Zinserhöhungen wären dann kaum noch ein Thema; vielmehr würde eine Nachfrageschwäche den Ölpreis selbst wieder unter Druck bringen. Für die Märkte ist damit nicht nur das Niveau entscheidend, sondern vor allem die Dauer eines solchen Preisschocks.“
Handlungsdruck für Donald Trump
Die Märkte schauen somit gespannt auf den US-Präsidenten, der in den vergangenen Tagen kaum Fortschritte in seiner Iran-Offensive verzeichnen konnte – weder militärisch, noch am Verhandlungstisch. Auf seiner Plattform Truth Social zeigt sich Donald Trump weiter unbeirrt und hält den Druck gegen den Iran aufrecht.
Frist im US-Gesetz setzt Operation gegen den Iran unter Druck
Auch innerhalb der USA schaut man immer kritischer auf den Iran-Einsatz. Ein Gesetz, welches 1973 infolge des Vietnamkriegs verabschiedet wurde, schreibt vor, dass eine Kampfhandlung innerhalb von 60 Tagen beendet sein muss. Damit bleibt der US-Präsident als Oberbefehlshaber der Truppen, benötigt jedoch für längere Einsätze die Zustimmung des Kongresses. Diese Frist läuft in den kommenden Tagen aus.
Laut einem Bericht des US-Portals Axios soll US-Präsident Donald Trump sich aktuell über neue militärische Optionen gegen den Iran bei seinen Militärstrategen informieren.

Die Operation ist auch eine Belastung für das Militär. Die USS Gerald Ford ist bereits seit 300 Tagen auf See.
„Auf das Vorkrisen-Niveau werde man jedoch nicht zurückkehren“
Die für den weltweiten Gas- und Ölhandel wichtige Straße von Hormus bleibt weiter blockiert, und es gibt derzeit keine Aussicht auf eine Öffnung. Eine Lösung des Iran-Konflikts würde den Märkten helfen, sagt Stanzl. Kommt es „zu einer Wiederaufnahme der Öltransporte durch die Straße von Hormus, dürfte die erste Marktreaktion positiv ausfallen“. Auf das Vorkrisen-Niveau werde man jedoch nicht zurückkehren, glaubt der Experte. „Kurzfristige Belastungen für Konjunktur und Unternehmensgewinne wären zwar sichtbar, doch die Aktienmärkte neigen dazu, über ein solches Tal hinwegzusehen – ähnlich wie während der Pandemie.“
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