„Kopftuchmädchen” macht Comedy: Wie ernst meint Anissa Loucif ihre Späße?
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Sie trägt Kopftuch und macht Witze darüber, sie hat zusammen mit ihrem Mann einen eigenen Comedyclub, ihre Videos gehen regelmäßig viral. Anissa Loucif ist in Deutschland geboren, hat fünf Geschwister, eine zum Islam konvertierte Mutter und einen Vater mit algerischen Wurzeln.
Mit ihren Witzen („Als Anästhesistin verdiene ich mein Geld damit, den Menschen Drogen zu geben, so wie die meisten Nordafrikaner in Deutschland“) geht die 34-Jährige gerade durch die Decke. Loucif trat schon für Carolin Kebekus auf, die nie weit weg ist, wenn etwas nach Weltverbesserung klingt. Die Frage ist: Wie ernst meint sie das alles?

Der Vater Ingenieur, die Mutter Ärztin, sie selbst Anästhesistin: Anissa Loucif macht jetzt Comedy.
Der Elefant im Raum
In Outfits, die wenig Haut zeigen und mit langem, offenem Kopftuch, spricht Loucif über Vorurteile gegenüber Muslimen und bringt das Biomarkt-Publikum damit ins Schwitzen: Lachen, oder nicht?
Bis vor wenigen Jahren hat sie als Narkose-Ärztin an der Berliner Charité gearbeitet. Jetzt macht die Düsseldorferin nur noch Comedy, spottet zum Beispiel über den muslimischen Bachelor („Die Show hört im Viertelfinale auf, er hat alle vier Finalistinnen geheiratet“). Auch Witze über kriminelle Cousins kommen gut an – hier die Anästhesistin, dort die Dealer: „Ich hab mein Geld damit verdient, den Leuten Drogen zu geben. Meine Cousins machen dasselbe, aber ich habe sechs Jahre dafür studiert und halb so viel verdient wie sie.“
Eine Comedienne mit Kopftuch ist noch immer eine Ausnahme und funktioniert (bisher) nur, weil genau über diesen Elefanten im Raum gelacht wird. Loucifs Auftritte sorgen fast immer für heftige Reaktionen in den Kommentarspalten – und zwar von beiden Seiten: Konservative Deutsche, aber auch Islamisten und TikTok-Imame fühlen sich provoziert.
Loucif ist mit einem zum Islam konvertierten Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder, Comedy ist ihr zweiter Job. Das ist den einen zu muslimisch, den anderen zu weltlich. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung fragt sie: „Warum haben wir Frauen mit Kopftuch so ein gefährliches Image in Deutschland?“ Die Frage ist nur dann nicht naiv, wenn man in letzter Zeit keine Nachrichten verfolgt hat. Dann sähe man unter Umständen, dass nicht alle Muslime immer nur versöhnliche Witze reißen und nicht alle Frauen mit Kopftuch selbstbewusst auf Bühnen stehen. Und für Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer ist das Kopftuch ohnehin tabu.
Auch AfD-Chefin Alice Weidel schimpfte 2018 in einer Rede über „Kopftuchmädchen“. Genau so heißt jetzt auch das Buch von Anissa Loucif, das im Herbst erscheinen soll.

Seit einem Jahr hat sie einen eigenen Comedy Club: Anissa Loucif
Spiel mit Klischees oder Werbung für den Islam?
Ist das nun eine Brücke der Verständigung zwischen sich und den Kritikern oder schlicht Werbung für muslimisches Leben? Und wie wahrscheinlich ist es, sich in einer streng religiösen Familie mit Gebeten, Ramadan, Party- und Partnerverbot für ein komplett westliches Leben zu entscheiden?
Dabei ist Loucif nicht die Erste, die diese Art von Comedy macht: Comedians wie Kaya Yanar spielen schon lange mit dem Migrationsklischee, Özcan Cosar nimmt sich und seine Herkunft auf die Schippe, Tutty Tran nutzt seine Wurzeln, um Vietnamesen nachzuahmen, und das Stand-up-Ensemble Rebell Comedy ist schon fast ein Jahrzehnt mit Kulturbashing erfolgreich.
Aber eine Frau mit Kopftuch lässt viele ratlos zurück. Wohin soll man jemanden verorten, mit dessen Lebensweise man wenig bis gar nichts gemeinsam hat? Lachen ist ein guter Anfang: Hin und wieder haut Loucif einen raus, zum Beispiel, wenn sie sagt, sie habe für die Suche nach einem arabischen Vornamen für ihren Sohn jetzt eine App installiert: Uber.

Anissa Loucif (34) hat mit ihrem Beruf als Ärztin aufgehört, um Comedienne zu werden.
Irgendwann ist die Kopftuchnummer wohl auserzählt, dann wird sich die Düsseldorferin ein neues Thema suchen müssen.
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Melanie Grün
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