Wie die Linken sich bei X davonmachten – und jetzt bei Bluesky eingeholt werden
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Die Vielfalt der Meinungen war ihnen zu groß, der Ton zu rau; nun flüchten die Linken in Scharen von der Plattform X. Jedenfalls verkünden sie ihren Abgang lauthals. Zuflucht finden sie bei Bluesky, wo sie jetzt Gesellschaft bekommen, die ihnen gar nicht passt. Und eine veritable Verschwörungstheorie beginnt zu zirkulieren.
Ausgerechnet zu Beginn der „Woche der Meinungsfreiheit“ machten sich SPD, Grüne und Linke auf X vom Hof. „X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken“, hieß es in den meist wortgleichen Erklärungen der drei Parteien und Bundestagsfraktionen. Politische Debatten lebten vom Austausch, während X zunehmend Desinformation fördere. „Deswegen haben wir uns über Parteigrenzen hinweg entschlossen, unseren Account nicht mehr zu bespielen“, hieß es unter dem Hashtag #WirVerlassenX.
Dabei ist es die Meinungsfreiheit, die die neue linke Volksfront nicht erträgt. Debatte und Austausch mit politischen Gegnern fanden nicht statt, lieber beklagte man sich über die „Verrohung“ des Diskurses. Widerspruch und selbst spöttische Memes versuchten sie als „Hass und Hetze“ niederzubügeln. Dass die Zeit der Löschungen, Sperrungen, Shadowbans und Reichweitenbeschränkungen seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk vorbei ist, damit konnten sich jene nicht abfinden, die ihre Diskurshoheit verloren hatten.
Twitter zensierte in den Corona-Jahren auf Druck von oben
Man erinnere sich: Die Meinungsfreiheit war vom alten Twitter-Management insbesondere in der Corona-Zeit massiv beschnitten worden. Es orientierte sich streng an den Vorgaben von CDC (Centers for Disease Control and Prevention) und WHO. Inhalte, die diesen widersprachen – etwa zu Lockdowns, Fallzahlen, natürlicher Immunität, Impfnebenwirkungen, Labor-Theorie oder der Great Barrington Declaration –, wurden systematisch als „irreführend“ oder als „Falschinformation“ markiert, gedrosselt oder gelöscht.

Früher Opfer von Twitter, heute Direktor der Nationalen Gesundheitsinstitute in den USA: Jay Bhattacharya.
Wissenschaftler und Ärzte, die nicht „auf Linie“ waren, wurden diskreditiert und reichweitenbeschränkt. Sogar Jay Bhattacharya, Professor für Medizin und Ökonomie an der Stanford University, landete auf einer internen „Trends Blacklist“, die virale Tweets für Nutzer unsichtbar machte. Wahre, aber „unbequeme“ Inhalte – etwa zu Krankenhausbelegungen, Fallzahlen, Impfnebenwirkungen oder Durchbruchinfektionen – wurden unterdrückt. „Visibility Filtering“, Labelings und Algorithmus-Drosselung reduzierten die Sichtbarkeit von Accounts, die „COVID-Falschinformationen“ verbreiteten – auch bei Experten.
Es gab sogar systematische Einflussnahme durch das FBI, das Accounts und Inhalte als „Misinfo“ flaggte, darunter auch satirische oder harmlose Posts. Vor Musk war Twitter eben kein freier Marktplatz der Ideen, sondern ein Instrument, das Narrative kontrollierte – besonders in der sensiblen Corona-Zeit.
Tut weh: Die Fake News der Etablierten fliegen auf
2022 erwarb Musk Twitter für 44 Milliarden Dollar und änderte diese Politik grundlegend. Was ihm vom linken politischen Spektrum vorgeworfen wird, ist allerdings falsch, schließlich ging er nicht mit denselben Mitteln gegen linke User vor wie vorher das alte Management gegen konservative. Er beendete nur die einseitige Praxis und ließ nicht mehr zensieren. Die Linken mussten es also aushalten, dass kritische Stimmen von rechts nicht mehr zensiert wurden, sondern gleichberechtigt auf der in X umbenannten Plattform sichtbar waren.

Bizarr: Die SPD hält X für „rechtsextrem“.
Der Safe Space, den sie aus dem öffentlichen Rundfunk gewohnt sind, wo unbequeme Oppositionspolitiker einfach nicht zu Wort kommen, und den sie in ähnlicher Form auch von Twitter kannten, war nun keiner mehr. ARD, ZDF und Deutschlandfunk müssen ohnmächtig mitansehen, wie ihre politische Einseitigkeit, ihre Manipulationen und ihre Propaganda von X-Nutzern genüsslich öffentlich entlarvt werden. Kritiker halten alles in Wort und Bild fest, eine Gegenöffentlichkeit, mit der sie nie klarkamen.
Leute, die jedes Wort von Alice Weidel in Echtzeit von „Faktencheckern“ widerlegt sehen möchten, jammern nun herum, weil die „Community Notes“ ihre eigenen Fake News offenlegen. Offensichtliche Lügen werden im Handumdrehen von Lesern widerlegt. Beispiel: Der Spiegel meldete vor Tagen: „In Iran ist erstmals nach den Massendemos im Herbst 2022 wieder ein Todesurteil vollstreckt worden.“ Eine bizarre Falschmeldung, weil seit 2025 weit mehr als 1.000 Menschen hingerichtet wurden, die von den Schergen des Regimes auf der Straße Hingemetzelten nicht einmal mitgezählt. Die Richtigstellung hängt direkt an dem Post, dem Spiegel bleibt dann nichts anderes übrig, als den Beitrag zu löschen oder eine Korrektur vorzunehmen (Letzteres geschah dann).

Schlecht für den „Spiegel“: Leser haben Kontext hinzugefügt.
Keine Komfortzone der linksautoritären Gesinnungsbademeister mehr
Sich als Hüter der alleinigen Wahrheit aufzuspielen und unliebsame Meinungen als „Desinformation“ zu verunglimpfen, funktioniert also nicht mehr, was das Leben für die linksautoritären Gesinnungsbademeister ungemütlich gemacht hat. Nun machen sie sich heulsusig vom Acker – oder tun zumindest so: Die Accounts sind nicht gelöscht worden, sondern lediglich inaktiv.
Das kleinkarierte Sichverkrümeln von einer für jeden Politiker und Journalisten unentbehrlichen Nachrichtenquelle ist übrigens eine deutsche Spezialität, die man sich in anderen Ländern nicht einfallen lassen würde. Eingedenk des Spruchs „Wenn du die Hitze nicht aushältst, geh’ raus aus der Küche“ haben wir es also mit empfindsamen Seelen zu tun, die bereits andere Ansichten als die eigenen nicht auszuhalten vermögen.
Das linke Klagen über den schlimmen Tech-Milliardär Elon Musk und über angebliche Manipulation zugunsten „rechter und rechtsradikaler Accounts“ mittels vermeintlich intransparenter Algorithmen entbehrt ebenfalls jeder Grundlage. Im Gegenteil hat X als einziges der sozialen Netzwerke die Mechanismen offengelegt; sie sind öffentlich einsehbar. Wer sich für andere Meinungen interessiert oder „Feindbeobachtung“ betreibt, bekommt übrigens auch als Konservativer ungefragt jede Menge „progressiven“ Content in seiner Timeline angezeigt.
Blocken, bis der Arzt kommt
Wohin ziehen nun die Mühseligen und Beleidigten, weil ihnen bei X so arg zugesetzt wurde? An Orte, an denen sie sich sicher wähnen und zu den Bekehrten predigen können. Zurzeit ist das Bluesky, wo es bisher entsprechend langweilig zuging. Ein wenig mehr Vielfalt könnte dem sozialen Netzwerk guttun, deshalb eröffnete NIUS einen Account dort, was umgehend eine kollektive Hysterie auslöste.

Typische Reaktion eines Bluesky-Nutzers
„Die Hassblogger von NIUS haben eine Riesenhorde Bots und auch etliche biologische Terrorposter mitgebracht“, schwurbelte etwa Mario Sixtus, Publizist, Drehbuchautor, Filmemacher und Journalist, und rief zur Nutzung einer Funktion von Bluesky auf, mittels derer man zum Beispiel „alle NIUS-Follower“ blocken könne. Mittels Blocklisten ist es möglich, automatisiert große Gruppen von Bluesky-Benutzern komplett unsichtbar zu machen, ohne dass die Nutzer etwas davon bemerken.
Davon machten die NIUS-Hasser sofort und begeistert Gebrauch, ohne dass auch nur ein provokativer Beitrag auf dem Account erschienen wäre. Die bloße Anwesenheit reicht, um das Bedürfnis der Cancel-Kulturfetischisten zu wecken, unter allen Umständen unter sich zu bleiben und nicht mit der Vielfalt der Meinungen konfrontiert zu werden, die sie schon bei X nicht aushielten.
Die dextrophobe Bluesky-Community fürchtet den Großangriff der Rechten
NIUS steht mittlerweile auf über 200 Blocklisten. Diese tragen Namen wie: „Gesindel“, „Springer & Co“, „Rechter Müll“, „Rechtes Gesocks“, „Hetzer“, „Güllegrube“, „AfD, Schwurbel, Trolle & Co“, „faschisten, #fuckcdu und sonstige Krypto-Nazis“, „Right trolling, fake lefts MAGA Putin Hamas and Mullah support“, „Querdenker, Putintrolle, Rechtsausleger und Hufeisen“ und so weiter.
Wer CDUler für „Krypto-Nazis“ hält und ignoriert, dass NIUS kein gutes Wort für Putin, Hamas oder Mullahs übrig hat, ist, wenig überraschend, auch für Verschwörungstheorien empfänglich. So – wir erinnern an den Sixtus-Post – macht sich jetzt im Paralleluniversum der Linken die Idee breit, eine Armee von miteinander vernetzten Portalen und Personen habe sich aufgemacht, um Bluesky zu überrollen und zu übernehmen. So wie sich Katrin Göring-Eckardt beim Joggen vor aus den Büschen auftauchenden Nazis fürchtet, wittert die dextrophobe Bluesky-Community den Großangriff der Rechten.

Schwurbel-Grafik von einem imaginierten „rechten Netzwerk“.
„Dass NIUS und mehrere Mitarbeitende ausgerechnet jetzt bei Bluesky auftauchen, ist darum ziemlich aufschlussreich. Ihr Geschäftsmodell funktioniert nicht nur in der eigenen Filterblase. Es braucht Reibung, Gegenrede, Empörung und die Konfrontation mit demokratischen Kräften“, schreibt das Edelweiß-Netzwerk, eine Vorfeldorganisation der Grünen. „Weil diese Kräfte der Plattform X den Rücken kehren, kommen sie hinterher. So einfach, so erwartbar.“
Fuchs im Hühnerstall
Der Fuchs ist also im Hühnerstall angekommen, entsprechend aufgescheucht reagieren die Insassen. Daran haben nun jene Spaß, die sich einen Account bei Bluesky zulegen, um ein bisschen Leben in die Sülze zu bringen. „Was geht ab Genossen“, fragt ein gut gelaunter Welt-Herausgeber Ulf Poschardt, und auch bei NIUS freut man sich schon auf die „blauhaarigen Freunde bei Bluesky“, wie Chefredakteur Julian Reichelt vermeldete.

NIUS bringt Leben in die träge Bluesky-Sülze.
Aber, liebe linke Vielfaltspinsel, wenn ihr jetzt auch bei Bluesky um den ungestörten Austausch über die eigenen Narrative fürchtet, könnt ihr bald umziehen! Am 9. Mai geht W an den Start, eine Plattform ganz nach dem Geschmack von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dort kann nicht jeder einfach mal so seine Meinung zum Besten geben und damit den Bundeskanzler verärgern, nein, man meldet sich brav mit Personalausweis und biometrischem Datenabgleich an. Und das Beste: Hinter W steckt der Unternehmer und PR-Profi Ingmar Rentzhog, Entdecker von Greta Thunberg und Gründer der Plattform „We Don't Have Time“, einem sozialen Netzwerk, das sich auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit konzentriert. Dort ist also garantiert, dass die Plattform nicht „im Chaos versinkt“ und nur zulässt, was da oben niemanden aufschreckt. Nur dass euch der Tod durch Langeweile droht. Your choice!
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Claudio Casula
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