Aus der Kurve auf die Kanzel: Wie das Fußball-Magazin „11 Freunde“ immer linker wurde
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In einem Vierteljahrhundert hat sich das Magazin für Fußballkultur von einer leicht anarchischen und sehr unterhaltsamen Special-Interest-Publikation zu einem langweiligen Mainstream-Objekt entwickelt, das den Leser penetrant mit dem kompletten Portfolio des linken Aktivismus nudelt: Klima, LGBTQ, Antikapitalismus, gegen Rechts. Gähn!
Am Anfang war es eigentlich ein schönes Projekt: Im Jahr 2000 gründeten Philipp Köster und Reinaldo Coddou H. 11 Freunde – Magazin für Fußballkultur. Wer bis dahin nur den staubtrockenen Kicker kannte, freute sich über die frische Brise: weg von den reinen Ergebnissen, Tabellen und öden Trainingslager-Reportagen der etablierten Sportpresse, hin zu Kultur, Anekdoten, Fan-Geschichten, Nostalgie und einem liebevollen, humorvollen Blick auf das Spiel. Was man da las, war intellektuell, ohne elitär zu sein, subkulturell und doch zugänglich.
Frühe Ausgaben rochen nach Bier, Rasen und Kurvenromantik. Man las über obskure Amateurvereine, verrückte Fankulturen und die pure Freude am runden Leder. Und es ging sehr kurzweilig zu. Insbesondere der Live-Ticker online machte Spaß. Wer ein Spiel sah und parallel den witzigen Live-Ticker genoss, holte das Maximum aus dem Fußballgucken heraus.
Gegen Rassismus auf den Rängen? Gut!
Wenn 11 Freunde mal politisch wurde, was schon damals vorkam, ging es gegen die Kommerzialisierung des Fußballsports oder gegen rechte Hooligans, die etwa farbige Spieler rassistisch beleidigten, indem sie auf den Rängen mit Affenlauten provozierten. Gegen solche Proleten darf, ja sollte man anschreiben, insofern: alles gut.

Auf stramm linkem Kurs: Chefredakteur Philipp Köster
Der Shift war schleichend, aber unaufhaltsam. In den 2010er Jahren begann es mit mehr Gesellschaftsthemen, verstärkt durch die Übernahme durch Gruner + Jahr und später, 2003, die Spiegel-Gruppe – Häuser, die bekanntlich nicht gerade für konservative Zurückhaltung stehen. Plötzlich gab es regelmäßig Beiträge zur „Nachhaltigkeit“ im Fußball: Gut 60 Prozent der Emissionen an Spieltagen entstehen durch die An- und Abreise – 11 Freunde prüft regelmäßig die Nachhaltigkeit der Fankonzepte. Kritisiert wird das Schweigen vieler Bundesligisten zur CO2-Bilanz: „Das große Schweigen“ beleuchtet die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf den Spielbetrieb (Extremwetter und Spielausfälle und so weiter). Gefeiert wurde auch der Ex-Arsenal- und Milan-Star Mathieu Flamini, der sich für den Klimaschutz engagiert – „so wie Greta Thunberg“.
11 Freunde kooperierte nun mit der Kampagne #17Ziele. Die gemeinsame Initiative der Vereinten Nationen und des Magazins nutzte den Fußball als Hebel für mehr ökologische und soziale Verantwortung. Mit Aktionen wie dem „Trick 17“-Wettbewerb wurden Vereine aufgerufen, eigene Nachhaltigkeitsideen – von kunststofffreien Trikots über Solarstrom bis hin zu sozialer Bildung – einzureichen. Plötzlich sollten Fragen wie diese auf den Nägeln brennen: Wie funktionieren umweltfreundliche Vorreiter wie die Forest Green Rovers? Vor welchen Problemen stehen Klubs durch Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen? Und wie wichtig ist Geschlechtergleichheit im Sport?
Umerziehung der toxisch männlichen Fanszene
Dann die Identitätspolitik. 2021 startete 11 Freunde eine große LGBTQ+-Kampagne: Cover mit Spielern, die sich solidarisch erklären, über 800 Profis unterstützen angeblich queere Anliegen. Queer-Ligen in England werden als „knallhart und knallbunt“ gefeiert. One-Love-Armbinden, Regenbogen im Stadion – alles wurde zelebriert.
Zum typischen Fußballfreunde-Milieu passte das eher nicht. Fußball lebt von Tribalismus, von regionaler Identität, von Männlichkeit, von roher Leidenschaft – genau das, was die progressive Linke verachtet. Die Fans wollen Flucht, Gemeinschaft, Drama – kein weiteres schlechtes Gewissen wegen CO2 oder Geschlechter. Gefragt werden sie nicht, dazu sind die Aktivisten zu entschlossen, das Milieu umzumodeln.
Das Ziel: mehr Diversität, weniger „Toxizität“, mehr Moral. Ultras, die traditionell links-antikapitalistisch sind, werden hofiert, solange sie die richtige Richtung haben. Rechte Fans hingegen werden als Problem markiert. Der Fußball wird zum Spielfeld der kulturellen Hegemonie: Wer die Narrative im Stadion kontrolliert, gewinnt langfristig die Gesellschaft. Schließlich eignet sich der moderne Fußball – global, kommerziell, emotional aufgeladen – perfekt als Vehikel für politische Anliegen. Er erreicht Massen, die sonst nie eine taz lesen würden. Emotionale Bindung an Vereine und Nationalteams wird genutzt, um „Haltungen“ einzufordern.
Überall Faschisten: die Welt des Genossen Köster
Chefredakteur Philipp Köster, der übrigens SPD-Mitglied ist, findet das gut und richtig so. Der Sportjournalist meint, dass Fußball per se politisch ist, weil er als Massenphänomen tief in den Alltag der Menschen eingreift. Dem MDR sagte er einmal, der Fußball habe eine Vorbildwirkung und müsse Position beziehen. Es kam nicht überraschend, dass Köster den Verzicht des Deutschen Fußball-Bundes auf politische Aussagen bei der anstehenden WM kritisierte. Dem MDR sagte er, der Fußball habe eine Vorbildwirkung und müsse Position beziehen, Vereine und Verbände dürften sich nicht aus gesellschaftlichen Debatten zurückziehen.
Um die politische Position des Genossen Köster zu bestimmen, muss man nur einen Blick in seine Social-Media-Beiträge werfen. Dort wittert er überall Rassismus und Faschismus: bei der AfD, bei Donald Trump, und selbst Grünen-Chef Felix Banaszak attestiert Köster „erzreaktionäres Geschwafel“, wenn der einmal über das verwirkte Gastrecht krimineller Migranten spricht.
Wer die monatlich erscheinenden 11 Freunde-Hefte aufschlägt, dem begegnen inzwischen immer mehr Themen, die grüne Ortsvereine umtreiben: Rassismus und Diskriminierung im Fußball, Rechtsextremismus und politische Symbolik in Stadien, Homophobie und LGBTQ-Themen (für Schwule in der Bundesliga sei die Zeit des Coming-out gekommen), Migration und Integration, Kommerzialisierung des Profifußballs, Investorenmodelle und Fanproteste. Selbstverständlich wird auch die „gesellschaftliche Diversität“ propagiert.
Ganz schlimm: Trump und die USA
Auch der Stellenwert des Frauenfußballs wurde bei 11 Freunde in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Im Podcast-Angebot gibt es inzwischen sogar ein eigenes Format mit der ehemaligen Nationalspielerin Lina Magull. Die offizielle Podcastbeschreibung hebt „Eine Lina für sich“ als festen Bestandteil des Angebots hervor. Es geht natürlich um die Sichtbarkeit und Repräsentation von Frauen im Fußball.
Bei der nun anstehenden Fußballweltmeisterschaft spielen Frauen eher keine Rolle, daher bespielen die 11 Freunde im Sonderheft alle anderen Gemeinplätze ihres Milieus. Ein Teil beschäftigt sich mit den jeweils auf einer Seite abgebildeten 48 teilnehmenden Mannschaften. Auch finden sich ein paar gute Interviews und etwas Nostalgie, etwa im Artikel über das altehrwürdige Aztekenstadion.
Doch ziehen sich immer wieder die altbekannten Ressentiments durchs Heft: Donald Trump erscheint mal als „Warlord“, mal als „unberechenbarer Autokrat“, als Mann im Weißen Haus, vor dem FIFA-Präsident Gianni Infantino „buckelt“. Die USA sind ein „Land, das andere Länder mit Bomben angreift und Teile der eigenen Bevölkerung gewalttätig bekämpft“. Auch dass „die USA und Israel mit der Bombardierung Irans“ begannen, wird erwähnt, nicht aber der Grund dafür.
„Komplizen der Mullahs“
Gegeißelt werden ferner die „hemmungslose Kommerzialisierung“ des Fußballs und die WM als „Multimilliardenspektakel“, das „allerlei Firmen die Dollarnoten in die Augen“ treibe. Auch im Fadenkreuz: das Wallis in der Schweiz, wo sowohl Infantino als auch sein Vorgänger Sepp Blatter aufwuchsen, und Südafrikas Nationaltrainer Hugo Broos – wegen einer „rassistischen Bemerkung“ gegenüber einem seiner Spieler.
Bei der Betrachtung des iranischen Teams mag sich der Redakteur nicht entscheiden, ob die Spieler treu zum Regime stehen oder um ihr Leben fürchten. Die Lösung: „Die meisten seien einfach Fußballer, die für die Propaganda der Mullahs eingespannt würden.“ Weniger rücksichtsvoll geht man mit Infantino und der FIFA um: Sie kommen in einem Zitat als „Komplizen der Mullahs“ vor.

Top-Feindbilder der „11 Freunde“: Donald Trump und Gianni Infantino.
Wo viel Schatten ist, da muss auch Licht sein. Während die Vereinigten Staaten mit Vorsicht zu genießen sind („Fußball hat sich nie bei alten weißen Männern und rechten Hardlinern durchgesetzt“), leuchten das leidenschaftliche Mexiko und das gastfreundliche Kanada umso heller. Ein Artikel beschreibt sympathische, weil linke Ultras, die mit folgenden Utensilien ausgestattet sind: „Regenbogenfahnen, die Flagge der ukrainischen Streitkräfte und ein Banner der Initiative ‚Every Child Matters‘, die sich für die Aufarbeitung der Gräueltaten an indigenen Kindern im kanadischen Schulsystem einsetzt“.
Muslim-Bonus für Yamal
Zwar gibt es bis heute keinerlei Belege für Massenmorde, systematische Kindstötungen oder geheime Massengräber an der Kamloops Indian Residential School, wie 2021 behauptet, aber Haltung zählt mehr als harte Fakten. Hauptsache, bei den Guten!
Ein weiterer Protagonist, der im Heft gut wegkommt, ist Lamine Yamal, der erst 18-jährige Ausnahmespieler in Diensten des FC Barcelona. Yamal fiel vor Wochen bei der Meisterfeier auf dem offenen Meisterbus mit dem Schwenken einer Palästina-Flagge auf. Vorher hatte er für Aufsehen gesorgt, als er auf seiner Geburtstagsfeier Kleinwüchsige als Partyunterhalter gebucht hatte, die tanzen und Getränke servieren sollten.
Anderen wäre das als „menschenverachtend“ angekreidet worden. Aber über so etwas sieht man in der 11 Freunde-Redaktion gnädig hinweg, weil Yamal als Sohn eines marokkanischen Vaters und einer Mutter aus Äquatorialguinea zur Opferkategorie gehört. Er ist Muslim – und als solcher angeblich im islamophoben Spanien Hassobjekt rechter Hooligans. Würde man bei jedem „rassistisch“, „Rassismus“ und „Alltagsrassismus“ im Text einen Schnaps hinunterstürzen, wäre eine Alkoholvergiftung die unvermeidliche Folge.
Wahre Fans haben „Banner mit linken Symbolen“
Weil in der US-Suppe hauptsächlich Haare gesucht und gefunden wurden, muss ein Beitrag mit dem Titel „Stabile Kurvenlage“ die Ehre der Gastgeber retten. Die Retter: Migranten und Linke. „Lautstark protestieren sie gegen Trump, Polizeigewalt, die WM und das dröhnende Schweigen ihrer Vereine“, heißt es im Heft. Sie fahren alles auf, was die Herzen stramm linker Tugendwächter bei uns höher schlagen lässt:
Transparente wie „Smash ICE“ und „Stop the Raids“, Banner mit der Aufschrift „Fight Ignorance, not Immigrants“. Die „vitale und kritische Fankultur“ sei „solidarisch mit Migranten und Verfolgten“. „Soccer ist hier der Sport der Linken und der Einwanderer“, wird jemand zitiert, und das adelt den Fußball natürlich, im Gegensatz zum Basketball, der „ein Sport für Privilegierte“ sei, obwohl nur knapp jeder fünfte Spieler in der NBA weiß ist – noch so eine Aussage, die 11 Freunde lieber nicht hinterfragt.

Ein Hoch auf den „Sport der Linken und der Einwanderer“!
Utensilien wie Regenbogenfahnen, Totenkopfflaggen, „Banner mit linken Symbolen“ unterstreichen die korrekte Gesinnung der migrantischen und linken Fußballfans, während sich, wie wir bereits hörten, Fußball „nie bei alten weißen Männern und rechten Hardlinern“ durchgesetzt hat. Diese Erkenntnis wurde Ihnen präsentiert von 11 Freunde, dem Magazin für linke Durchdringung der Fußballkultur.
Fußball war schon immer politisch, werden nun manche einwenden. Und das war er wohl auch – durch Diktatoren, die ihn für Propaganda nutzten, oder durch Fans, die gegen Unterdrückung aufbegehrten. Aber das war organisch, nicht von oben verordnet durch Konzernmedien. 11 Freunde hätte ein aufsässiges gallisches Dorf gegen diese Vereinnahmung sein können, stattdessen marschiert die Redaktion mit. Schade um ein Magazin, das mal echt war.
Lesen Sie dazu auch: Regierung und DFB machen aus der Fußball-EM ein linkes Polit-Festival
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