Grünen-Chefin Brantner will neuen Liberalismus: „Frei sind wir nur im Wir“
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Auf einer Veranstaltung der Grünen am Wochenende erklärte Parteivorsitzende Franziska Brantner, dass man den Freiheitsbegriff neu definieren müsse: „Frei sind wir nur im Wir“.
Es wäre ein „Missverständnis, Freiheit als Besitz zu denken“, erklärte die Co-Vorsitzende der Grünen. Das „Bild“, also „Freiheit als Privatbesitz“, käme „vor allem aus Amerika“.
Das aber wäre „nie die europäische Idee von Freiheit“ gewesen, führt Brantner weiter aus. Sie zitiert die deutsche Philosophin Hannah Arendt, die „Freiheit als Tätigkeit“ beschreibe. Freiheit existiere demnach nur, „solange sie ausgeübt wird“ und „dort, wo Menschen gemeinsam handeln“.
Für Brantner sind wir in der jetzigen Gesellschaft deshalb vielfach unfrei: „Stattdessen sitzen wir alleine vor unseren Bildschirmen und nennen das Freiheit“, so Brantner. So jemand aber wäre nicht „frei“, sondern „allein“. Für sie gelte: „Frei sind wir nur im Wir“. Und: „Freiheit ist, was man tut, wenn man zusammen ist“.
Sehen Sie hier den Ausschnitt aus Franziska Brantners Rede:
Laut Arendt ist Freiheit der „Sinn von Politik“
Hannah Arendt, auf die Brantner sich in ihren Ausführungen bezieht, schrieb in ihrem Hauptwerk „Vita activa oder Vom tätigen Leben“: „Menschen sind frei […] solange sie handeln, weder vorher noch nachher; denn frei sein und Handeln ist ein und dasselbe.“
Ein solches Handeln gibt es laut Arendt vor allem in der Politik. Arendt beschreibt Freiheit auch als den Sinn von Politik. Den Sinn von Politik findet Arendt deshalb nicht in überprüfbaren Ergebnissen, sondern „im Vollzug“ von Politik, schlussfolgert beispielsweise die Bundeszentrale für politische Bildung. Dem kann man entgegenhalten, dass man eine solche Freiheit als „gemeinschaftliches Tun“ auch in Gefangenschaft erfahren könne. Oder politische Ergebnisse darüber an Bedeutung verlieren.
Bereits vor zwei Monaten verfasste Franziska Brantner einen Beitrag für die FAZ, in dem sie erklärte: „Der Neue Liberalismus“ wäre eine „Aufgabe der Grünen“. Auch hierin bezog sie sich auf Hannah Arendt und erklärte, dass Freiheit der „Sinn von Politik“ sei.
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