IPCC-Daten nachträglich manipuliert: Wie Temperaturen so verändert wurden, dass die Erderwärmung stärker erscheint
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Temperaturdaten werden vom NASA-Institut GISS regelmäßig nachträglich bearbeitet – nach Angaben der NASA, um Messfehler, Stationsverlagerungen oder methodische Probleme zu korrigieren. Kritiker wie der Geologe Friedrich-Karl Ewert halten diese sogenannten „Homogenisierungen“ jedoch für manipulativ, weil dabei Temperaturkurven teilweise in ihr Gegenteil verkehrt werden: aus Abkühlung wird Erwärmung. Auffällig ist dabei vor allem eines: In der Mehrheit der von Ewert untersuchten Fälle verstärkten die nachträglichen Änderungen den Erwärmungstrend.
Der Weltklimarat IPCC befasst sich mit der Erderwärmung und der Frage, wie stark diese ist. Ist sie außergewöhnlich oder im Rahmen natürlicher Schwankungen zu erwarten? Um Antworten auf diese Fragen zu geben, werden überall auf der Welt in Wetterstationen Temperaturen gemessen – über beträchtliche Zeiträume hinweg. Viele dieser Messungen werden von der NASA organisiert, genauer vom NASA Goddard Institute for Space Studies (GISS). Diese NASA-GISS-Daten fließen in die IPCC-Berichte ein, um die Erderwärmung darzustellen. Die Daten sind auf einer Website öffentlich zugänglich.
Der Geologe Prof. Friedrich-Karl Ewert befasste sich ausgiebig mit diesen Temperaturangaben. Und er stellte etwas Merkwürdiges fest: Daten wurden im Nachhinein verändert. Aufgefallen war ihm das, weil er sich bereits im Jahr 2010 mit diesen Datensätzen befasst und sie heruntergeladen hatte. Als er 2012 erneut in die NASA-Datenbanken hineinschaute, fiel ihm auf, dass Daten für viele Wetterstationen verändert worden waren. Auffällig dabei: In der Mehrheit wurden sie so verändert, dass die Erderwärmung stärker erschien.

Prof. Friedrich-Karl Ewert (2024 verstorben) vertrat die Position: „Menschliche Aktivitäten verursachen nicht in entscheidender Weise den Klimawandel“
Aus Abkühlung wird Erwärmung
Das Thema ist prinzipiell nicht neu. Für den BR-Faktenfuchs ist klar: Es handelt sich bei der Kritik an den Datenveränderungen um „Lügen“ der „Klimawandelleugner-Szene“. Auch Ewert wird von der Faktencheckerin als „Klimawandelleugner“ diskreditiert, obwohl dieser freilich nie bestritten hat, dass sich das Klima wandelt. Ebensowenig bestreitet Ewert, dass die NASA diese Bearbeitungen methodisch transparent macht – wie der BR fälschlicherweise behauptet. Unerwähnt bleibt dort auch, dass Temperaturkurven teilweise in ihr Gegenteil verkehrt werden.
Schauen wir uns die Sache also genauer an. Prof. Friedrich-Karl Ewert zeigt die Veränderungen in einem Vortrag für den Zusammenschluss EIKE, der sich kritisch mit Klimawissenschaft und -politik beschäftigt, besonders detailliert anhand dreier Wetterstationen an drei verschiedenen Orten: der Hauptstadt Islands Reykjavík, Palma de Mallorca sowie Darwin, einer Stadt in Australien. Nach der Datenbearbeitung zeigten diese Stationen ganz andere Grundtendenzen als zuvor.
1. Beispiel: Reykjavík
Wir sehen zwei Diagramme, die Temperaturverläufe von 1900 bis 2010 zeigen. Das obere zeigt die Angaben, wie sie im Jahr 2010 in der Datenbank eingepflegt waren. Im unteren ist die Temperaturkurve mit Stand 2012 zu sehen. Die Temperaturkurve besteht aus einem „Auf und Ab“. Mal wurden höhere, mal niedrigere Jahresmitteltemperaturen gemessen.

Die Diagramme sind Ewerts Vortrag entnommen.
Aus dieser schwankenden Kurve errechnet man die sogenannte Gradiente: den gemittelten, durchschnittlichen Verlauf der Temperaturkurve über den gesamten Zeitraum hinweg, dargestellt in Form einer Geraden. Sie zeigt an, ob sich Reykjavík unterm Strich erwärmt oder abgekühlt hat – oder ob die Temperatur gleich geblieben ist.
Nach den Daten von 2010 sehen wir den letzteren Fall: Die Stadt hat sich mit 0,0001 C°/a (Grad pro Jahr) praktisch nicht erwärmt. 2012 fällt die Tendenz anders aus. Mit 0,0043 C°/a wird nun eine leichte Erwärmung ausgewiesen.
Was wurde verändert? Ewert macht in diesem Beispiel auf zwei deutliche Unterschiede aufmerksam. Im veränderten Diagramm fällt die Temperaturabsenkung deutlich stärker aus. Zudem fehlt oben nun ein Teil der Temperaturkurve – Daten wurden also gelöscht.
2. Beispiel: Palma de Mallorca
Noch deutlich gröber fällt die Veränderung in Palma de Mallorca aus. Hier wurde eine sinkende, abkühlende Tendenz in eine steigende, erwärmende Tendenz verkehrt. Während sich – den Daten von 2010 zufolge – Palma de Mallorca zwischen 1880 und 2012 abgekühlt hatte, habe es sich nach der Datenveränderung erwärmt. Die Temperaturdifferenz beträgt rund 0,015 Grad pro Jahr.

Aus der NASA-Daten-„Homogenisierung“ erfolgte eine Umkehr der Grundtendenz.
Hier fehlen an bestimmten Stellen der Temperaturkurve nun Daten. Zudem sieht man mehrere Veränderungen. Deutlich sichtbar ist vor allem eine Erhöhung der Temperaturen rechts, zu Beginn der Nullerjahre.
3. Beispiel: Darwin
Hier fällt die Veränderung der Datenlage am deutlichsten ins Auge. Über die Hälfte der Temperaturkurve fehlt nun gänzlich.

Hier eliminierte die „Homogenisierung“ der NASA einen Großteil der Temperaturkurve.
So wurde erneut eine sinkende in eine steigende Tendenz verkehrt.
„Homogenisierung ist grundsätzlich Manipulation“
Nun stellt sich die Frage: Handelt es sich um Ausnahmen oder hat das System? Dazu verglich Ewert 119 Stationen, deren Daten er 2010 archiviert hatte, mit den entsprechenden Datensätzen von 2012. Welche Angaben wurden zu den Städten 2010 gemacht – und welche 2012? Dazu konzentrierte er sich auf die Werte zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Temperaturkurven.
Sein Ergebnis: Bei 19 Stationen hat eine Inversion von Abkühlung in Erwärmung stattgefunden. Bei fünf Stationen fand er eine ebensolche Verkehrung durch das Löschen von Daten. Bei 42 Stationen stellte er eine Erwärmung durch die Veränderung von Einzelwerten fest.
Was der Geologe ebenso feststellte: Bei vielen Stationen wurden die Temperaturkurven auch von Erwärmung in Abkühlung invertiert. In 64,71 Prozent der Fälle stellte er jedoch eine Veränderung in Richtung Erwärmung fest, in 32,77 Prozent eine Veränderung in Richtung Abkühlung. Das heißt: In der Mehrheit der Fälle – rund zwei Dritteln – wurden die Rohdaten so verändert, dass die Temperaturreihen wärmer erschienen. Bei etwa einem Drittel deuteten die Veränderungen hingegen auf eine stärkere Abkühlungstendenz hin.
Für Ewert ist klar: „Homogenisierung ist grundsätzlich Manipulation.“ Tendenzen dürften ihm zufolge „nicht durch Inversion in ihr Gegenteil verkehrt werden“. Ebenso wenig dürften „durch Löschen von Daten“ Tendenzen ins Gegenteil verkehrt werden – weder in Richtung Abkühlung noch in Richtung Erwärmung.
Einig in den Fakten, uneins in der Bewertung
Die „Faktenchecker“ vom Bayerischen Rundfunk setzen dieser Auffassung nicht etwa andere Fakten entgegen, sondern eine andere Meinung. Über die Tatsachen sind sich der Geologe Prof. Ewert und auch der Faktenfuchs weitgehend einig: Daten werden im Nachhinein in hohem Maße verändert. Nur in der Bewertung dieser nachträglichen Veränderungen unterscheiden sie sich.
Was grundsätzlich deutlich wird: Rohdaten sind mit hohen Unsicherheiten behaftet. Sie sind dies nach Auffassung der NASA so sehr, dass sie – für sich genommen – oft sogar irreführend wären. Um sie dahingehend zu korrigieren, werden ihre Grundtendenzen teilweise ins Gegenteil verkehrt. Diese Veränderungen folgen „nach anerkannten Methoden“, ist sich der Faktenfuchs sicher.
Erneut wird so sichtbar: Um die globale Erderwärmung auf die Kommastelle genau bestimmen zu können, werden letztlich unüberschaubar viele Rechenoperationen durchgeführt.
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