Grüne Männerfantasien: Nach 40 Jahren Feminismus wollen die Grünen sich bei den Männern anbiedern
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Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Auch außerhalb der Bibel. Da haben doch kürzlich ein paar Grüne ein Manifest über Männlichkeit verfasst. Darin schreiben sie: „Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit.“ Eigentlich unvorstellbar, oder? Bei den Grünen sind doch nicht nur die Frauen Feministinnen, sondern die Männer auch. Und die reden jetzt plötzlich von Männlichkeit – und noch dazu positiv? Kann das sein? Oder ist das ein kranker Scherz rechter YouTuber? Aber nein, hierbei handelt es sich nicht um einen Scherz konservativer Medien, sondern um die neue zartbittere grüne Wahrheit.
Was steht denn jetzt da drin, in diesem Manifest grüner Männlichkeit? Und überhaupt: Wer bei den Grünen verfasst denn ein solches Pamphlet, das für die Autoren ja fast schon lebensgefährlich ist?
Fangen wir mit dem „Wer“ an. Wer steckt hinter diesem Manifestchen, das gerade einmal drei Word-Seiten lang ist – also kürzer als dieser Artikel.
Grüne Frauen für Männlichkeit
Erste Überraschung: Es sind nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Weshalb am Ende auch schön politkorrekt „Unterzeichner:innen“ steht. Insgesamt haben 15 Grüne und „Grüninnen“ aus Deutschland, Österreich und sogar Südtirol ihre Namen unter dieses „Pasquill“ (wie Goethe so etwas genannt hätte) gesetzt, das schon heute die Grünen im ganzen Land und ihre vielen Freunde in den Medien in helle Aufregung versetzt.
Da sind große Namen darunter: Schwergewichte wie Franziska Brantner, die aktuelle Bundesvorsitzende der Grünen, ehemalige Schwergewichte wie Ricarda Lang, die frühere Bundesvorsitzende, Terry Reintke, Co-Vorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, Rasmus Andresen, Europaabgeordneter und einer der bekanntesten Grünen-Politiker der jüngeren Generation, Robin Wagener, Bundestagsabgeordneter und früherer Beauftragter der Bundesregierung für Osteuropa, und last but not least der Wiener Theo Löcker, ohne den in der Donaumetropole bekanntlich nichts läuft. Einer der Hauptverfasser soll Julian Joswig sein, ein grüner Bundestagsabgeordneter, der in seiner Jugend, wie die FAZ einfühlsam recherchiert hat, „pummelig und unglücklich“ war, im Fitnessstudio aber rank, schlank und glücklich wurde.

Grünen-Ikone Ricarda Lang
Alle diese grünen Menschen, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser, grüner und bunter machen wollen, treten plötzlich dafür ein, dass nicht nur Frauen, die LGBTQ-Mischpoke, Transpersonen jeder Couleur und natürlich Pup-Player (die mit den Hundemasken) die Welt verbessern sollten, sondern auch Männer. Richtige, echte Männer – kann man sich das vorstellen?
Und was genau steht jetzt in diesem Manifest der neuen grünen Männlichkeit? Es ist, wie immer bei den Grünen, ein etwas vages Geschwurbel geworden. Aber wollte man das bemüht biedere Geschreibsel auf einen Nenner bringen, dann lautete der so: Wir Grünen haben Männer immer so definiert, wie sie nicht sein sollen: nämlich gewalttätig, dominant und unterdrückend. Und weil wir das seit 40 Jahren tun, laufen uns jetzt die jungen Männer davon und engagieren sich politisch und sozial woanders – z. B. in der AfD. In der Manosphere also, einer Welt, in der Männer noch Männer sein dürfen und sich nicht andauernd erklären, entschuldigen und therapieren lassen müssen.
Damit wir jetzt nicht eine ganze Generation männlicher Wähler unter 40 an die AfD und die konservativen Reste von FDP, CDU und Freien Wählern verlieren, müssen wir wenigstens so tun, als würden wir „moderne“ Männer wieder als Männer akzeptieren – und nicht als die schlechteren Frauen. Mit „modernen Männern“ meinen wir: Männer, die ins Gym gehen und auf ihre Ernährung achten, die für ihre Familie sorgen und ihre Frauen beschützen. Diese Spezies Mann sollte ab sofort auch bei den Grünen wieder okay sein und sich angesprochen fühlen.
Das sind für Grüne natürlich furchtbar radikale Aussagen – und die anonymen Autoren wissen es. Deshalb rudern sie in den nächsten Sätzen sofort wieder zurück und repetieren das, was die Grünen seit ihrer Gründung über Männer, Väter und deren Rollen im Leben bis zum Erbrechen wiederholen: Wahre Männer wechseln Windeln und trocknen Tränen, vermeiden Konflikte und zeigen Emotionen und spielen brav den Hausmann, wenn die besser ausgebildete Frau arbeiten geht.
Sollten die Autoren dieses Manifests ernsthaft angenommen haben, sie könnten mit dieser Anbiederung an eine neue Generation junger Männer Herzen und Wählerstimmen zurückgewinnen, dann haben sie sich getäuscht. Und sollten sie außerdem gedacht haben, mit diesem weichgespülten Bekenntnis zur Männlichkeit kämen die feministische Parteibasis, die Medien und die grünen Stammwähler klar, dann haben sie sich ein zweites Mal getäuscht.
Männer sind schuld – schon lange
Denn: Die Grünen machen seit ihrer Gründung im Jahr 1980 Männer für alle Übel der Welt verantwortlich: Männer sind schuld an Kriegen, Kriminalität und Gewalt, ökologischen Katastrophen, Terrorismus, Profitgier, Gefühllosigkeit, Beziehungsunfähigkeit und sozialer Kälte. Männer, behaupten die Grünen seit Jahrzehnten, zerstören die Welt, die Frauen heilen sie. Männer und ihre Rollen gehören nach Ansicht der Grünen abgeschafft, verboten, reduziert, umdefiniert, dekonstruiert oder von Grund auf neu gedacht. Und weil die Grünen Männer so gar nicht mögen, stellen sie Queere und Transmenschen stets über die echten Männer, behaupten, dass es biologische Geschlechter in Wahrheit gar nicht gäbe, jeder Mensch sein Geschlecht frei wählen könne und Biologie und Genetik eine Illusion seien.

Bundeskongress der Grünen im Jahre 1982
Und exakt diese Grünen, die Männer seit über vierzig Jahren fertigmachen, abwerten und auf den Müllhaufen der Geschichte schmeißen, veröffentlichen nun ein Manifest über neue Männlichkeit? Das ist alles so dermaßen dumm, platt und plump, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt.
Aber wie so oft haben die Grünen die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Junge, gut ausgebildete und intelligente Männer, die stolz und aufrecht leben und im Leben etwas erreichen wollen, haben die Männerfeindlichkeit der Grünen seit Jahren satt. Die wissen längst: Die Grünen wollen eine feministische Außenpolitik (Frauenrechte), eine feministische Haushaltspolitik (Gender Budgeting), eine feministische Wirtschaftspolitik (Care-Arbeit), feministische Stadtplanung (Sicherheit), feministische Klimapolitik (Geschlechtergerechtigkeit) und feministische Gesundheitspolitik (Geschlechtermedizin) – und all das zum Nachteil und Schaden der Männer. Und das sollen die jungen Männer von heute jetzt plötzlich vergessen, vergeben und verwinden? Weil fünfzehn Grüne, denen die Felle davonschwimmen, mithilfe von KI drei Seiten Text zustande gebracht haben, die Männer in ein minimal besseres Licht rücken? Das ist nicht lächerlich – das ist kafkaesk.
Aber so wenig die erfolgreichen jungen Männer von heute Sympathien für die Grünen haben, so wenig werden die alten weißen Frauen vom feministischen Flügel der Grünen den Entwurf einer neuen Männlichkeit akzeptieren. Feminismus und Männerfeindlichkeit sind Teil der DNA der Grünen und bilden neben der Ablehnung von Kernenergie und Kapitalismus den kulturmarxistischen Gründungsmythos der Partei. Die Grünen können ohne Männerhass und die Kritik an all dem, wofür Männer und Männlichkeit stehen, weder existieren noch funktionieren. Für die Grünen ist der Hass auf Männer das, was der Antisemitismus für die nationalistischen europäischen Parteien der 1920er Jahre war: eine Projektionsfläche für die Aggressionen ihrer Mitglieder und Sympathisanten, auf die sich komfortabel so gut wie alles projizieren lässt.

Die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock prägte den Begriff „feministische Außenpolitik“
„Starke Männer übernehmen Verantwortung“
Den Ghostwritern des Manifests für eine moderne grüne Männlichkeit ist ganz offensichtlich nicht klar, welche Geister sie hier beschworen haben und dass sie diese fortan nie mehr loswerden. Das ist ein Text, der Karrieren zerstört, Laufbahnen beendet und Hoffnungen begräbt. „Starke Männer übernehmen Verantwortung“ ist eine Devise, die die alte und mächtige Garde der Grünen niemals akzeptieren wird. Diese Aussage ist für die Granden der Grünen ein Sakrileg, vergleichbar nur mit der These, Deutschland könne nun, da der Strom so teuer geworden sei, ja wieder zur Atomkraft zurückkehren.
Ein Vergleich zeigt das sofort: In einer zeitgeistigen Klima-Kirche wie der evangelischen kann man so links, feministisch und antikapitalistisch sein, wie man will, nur eines darf man nie sagen: nämlich Nietzsches alten Satz, dass Gott tot ist. Denn ohne Gott als ultimatives Rechtfertigungsvehikel bräche das ganze linke Lügengebäude, das sich evangelische Kirche nennt, schlagartig in sich zusammen.
So ist es auch bei den Grünen: Ihr Hass auf Kapitalismus, Kernkraft, Konzerne, Konsum, Männer, Militär, Mobilität, Wirtschaft und Wachstum ist die Magna Charta der Grünen – ihre eigentliche Gründungsurkunde, die sie niemals aufgeben können, ohne ihren Markenkern zu verlieren. Aus dieser Dornenkrone aus Hass, Zorn und Ablehnung kann kein Zacken herausgebrochen werden, ohne die ganze Partei zu gefährden.
Den vielen Medien, die mit den Grünen herzlich sympathisieren, war das von Anfang an viel klarer als den naiven Unterzeichnern des Männlichkeits-Papiers. Die Zeit weiß, dass das Manifest der Grünen zur modernen Männlichkeit „irritierend“ und „kopflos“ wirkt, die taz hält es für „unzeitgemäß“ und „verfehlt“, der Spiegel breitet genüsslich den innerparteilichen Streit der Grünen über das Thema aus, und die FAZ fragt zaghaft-ängstlich, ob grüne Männer „pumpen“ und ins Fitnessstudio gehen dürfen.
Jetzt rächt sich eine alte Wahrheit: Die Grünen waren immer eine Partei des Hasses und der Verbote. Die Grünen und ihre Sympathisanten hatten und haben weder Ideale noch positive Botschaften, geschweige denn Werte anzubieten. Sie wissen immer nur, was sie ablehnen und deshalb verbieten wollen. Und sonst nichts. Wer seit einem halben Jahrhundert Männer verteufelt, kann sie jetzt nicht plötzlich gut finden. Nicht einmal ansatzweise.
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