Statt auf Regierungsarbeit setzt Wadephul auf Instagram-Inszenierung
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Emanuela Sutter„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der eitelste Minister im ganzen Land?“ Diese Auszeichnung würde wohl an Außenminister Johann Wadephul (CDU) gehen. Der Höhepunkt seiner Selbstverliebtheit: Wadephul verlangt, dass an Bürowänden deutscher Auslandsvertretungen – also Botschaften und Generalkonsulen – ab sofort nicht nur ein Portraitbild von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier prangt, sondern auch ein Foto von ihm. Es darf aber nicht irgendwie aufgehängt sein – der interne Brief mit der Benachrichtigung enthält neben dem gewünschten Foto eine detaillierte Anweisung, in welchem Format und Bilderrahmen es von den Wänden erstrahlen soll. Die Kosten für das selbstverliebte Vorhaben könnten zwischen 10.000 und 30.000 Euro liegen. Das schätzt TV-Moderatorin Jule Gölsdorf in der Welt-Talkshow „Meinungsfreiheit“.
Wadephul auf Baerbocks Spuren
Die Forderung sorgte bei einigen Botschaften für Irritation, wie Table.Briefings berichtet. Denn in der Bundesrepublik hat das Aufhängen eines Portraits des Außenministers keine Tradition – anders als in einigen anderen europäischen Ländern.
Auch in den sozialen Medien präsentiert sich der 62-Jährige nicht gerade bescheiden. In einer Instagram-Story zum Antritt seiner China-Reise inszeniert sich Wadephul als Macher. „Erinnert ihr euch noch an die Schlagzeilen im Oktober?“, fragt der Minister in einer Story-Slide vom Montag.

Außenminister Wadephul sagte seine ursprünglich für Oktober geplante China-Reise damals im letzten Moment ab.
Zu sehen sind diverse Zeitungstitel, die darüber informierten, dass Wadephul seinen für Oktober geplanten China-Aufenthalt kurzfristig verschob. Auf der nächsten Slide kommt „Baerbock 2.0“ zum Vorschein: Hemdsärmelig, mit vom Winde verwehten Haaren, schreitet der Außenminister die Treppen zum Flieger hoch. Darunter liest man: „Jetzt hole ich die Reise nach China nach. Die Agenda ist prall gefüllt mit politischen Gesprächen und Wirtschaftsterminen.“

Auf Instagram und TikTok inszeniert sich Wadephul als hemdsärmeliger Macher.
Personenkult im Außenministerium hat Tradition
Kein Wort wird darüber verloren, warum die ursprünglich für Oktober geplante Reise platzte: Außer dem chinesischen Außenminister Wang Yi hatte sich kein Gesprächspartner für Wadephul Zeit genommen – oder wollte sie sich nicht nehmen. Deutschlands Chef-Diplomat prangerte nämlich sowohl Chinas Umgang mit Taiwan als auch dessen Haltung zu Russland an. Das stieß in Peking säuerlich auf. Moral, die über Pragmatismus und Diplomatie steht: Dieser Politikstil ist wohlbekannt von Wadephuls Vorgängerin Annalena Baerbock.
Personenkult hat im Außenministerium scheinbar Tradition. Schon die grüne Ampel-Ministerin posierte liebend gerne auf Flugzeugtreppen – ganz zu schweigen von der „Gossip Girl“-Inszenierung ihres New Yorker Lebens als Präsidentin der UN-Vollversammlung zwischen Bagels und High Heels.

Die ehemalige Außenministerin genießt sichtlich ihr neues Leben in New York als Präsidentin der UN-Vollversammlung. Mit Papp-Einwegbecher.
Schwierige Beziehungen zu China werden verschwiegen
Weitere Instagram-Story-Highlights aus Wadephuls China-Besuch: Händeschütteln mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi, Treffen mit deutschen Wirtschaftsvertretern, Beteuerung, sich in den Gesprächen für den Frieden in der Ukraine eingesetzt zu haben, Besuch der deutschen Tunnelvortriebsmaschinen-Firma „Herrenknecht“, Fahrt in einem selbstfahrenden Minibus. Die schwierigen Beziehungen zu China, die immer weniger werdenden europäischen Exporte, die Abhängigkeit der Europäer von Chinas Seltenen Erden werden verschwiegen.
Wadephul möchte Baerbock offensichtlich weder in der Politik des moralischen Zeigefingers, noch in der Instagram-Inszenierung nachstehen. In einem Video vom 19. November zeigt er sich jugendfest: Auf seiner Reise in den westlichen Balkan bezeichnet er Dua Lipa als „absolut eine meiner Lieblingsinterpretinnen“. Dazu läuft im Hintergrund das Lied „Radical Optimism“ der britischen Sängerin mit Balkan-Wurzeln.

Auf TikTok erfährt das Staatsvolk: Wadephul ist Dua-Lipa-Fan.
Am Ende des Videos erzählt der Vater von drei Kindern, dass er mit seiner jüngsten Tochter auf ein Dua-Lipa-Konzert gehen wollte. Doch daraus wurde nichts. Wadephuls stotternde Erklärung: „… doch dann … weiß ich nicht … wurde ich Außenminister.“ Dabei lungert Deutschlands Außenminister betont locker-lässig ohne Sakko in einer Ecke seines Sitzes und starrt immer wieder auf sein Handy. Er wirkt nicht wie ein erwachsener Mann in einer staatstragenden Funktion, sondern wie ein Berufsjugendlicher.
Politiker möchten Food-Blogger sein
Wadephul ist – wie CSU-Chef Markus Söder – inzwischen offenbar auch als Food-Blogger unterwegs: Auf seinem TikTok-Kanal hat der Außenminister eine bisher fünfteilige Food-Serie mit dem Titel „Wadefood – Snack Corner“. In diesen Videos gibt sich der Minister als Verkoster traditioneller Speisen, in deren Genuss er während seiner Auslandsreisen kommt.

Der Außenminister probiert sich nun auch als Food-Blogger: Auf seinem TikTok-Kanal hat er eine bisher fünfteilige Food-Serie mit dem Titel „Wadefood – Snack Corner“.
Der Politiker als Selbstdarsteller in den sozialen Medien: Es ist ein Phänomen, das sich quer durch die gesamte Parteienlandschaft zieht. Politiker jeglicher Couleur scheinen auf Inszenierung anstatt auf Gestaltung zu setzen, auf Schein anstatt auf Sein, auf Worte beziehungsweise Bilder anstatt auf Taten. Die Eitelkeit macht auch vor CDU-Politikern nicht Halt.
Banale Insta-Inszenierung hilft nur kurzfristig
Weil gerade Jugendliche immer mehr Zeit in den sozialen Medien verbringen – laut einer repräsentativen Umfrage der Universität Bochum sind es bei jungen Menschen rund vier Stunden pro Tag – denken Politiker wohl, auch sie müssten auf Instagram und Co. überrepräsentiert sein. Vielleicht hilft die oberflächliche und banale Inszenierung kurzfristig, um Sympathie bei den potenziellen Wählern auszulösen. Doch langfristig lassen sich Menschen von schönen Bildern bei gleichzeitiger Nichtstuerei nicht einlullen. Die Videos könnten aber auch genau den gegenteiligen Effekt, nämlich Antipathie, auslösen: Der Eindruck könnte entstehen, Politiker würden lediglich um den Globus jetten, wichtige Personen treffen, nette Orte besuchen und gute Mahlzeiten zu sich nehmen – und das alles auf Kosten des Steuerzahlers.
Verzweifelt gesucht: Politiker im Typus Konrad Adenauers
In Zeiten von Wadephuls und Baerbocks denkt man wehmütig an (Außen-)Minister im Typus Konrad Adenauers zurück. Er war nicht nur erster Bundeskanzler der Bundesrepublik, sondern von 1951 bis 1955 zugleich erster Bundesminister des Auswärtigen. Adenauer vollbrachte unter anderem die Aussöhnung der jahrzehntelangen Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, vollzog die Westbindung an die USA und setzte sich für eine Versöhnung mit Israel ein. Er legte die Grundpfeiler für ein Politikverständnis, das heute Status quo in der deutschen Gesellschaft ist.
Anneliese Poppinga, die langjährige Sekretärin von Adenauer, sagte in einem Vortrag über den Bundeskanzler: „Er kam mir vor wie ein Dalai Lama.“ Er strahlte „Ruhe“ und „Gelassenheit“ aus, sowie eine „Distanziertheit“. In persönlichen Anliegen sei er sehr bescheiden gewesen, meinte die Mitarbeiterin. Eine Prise mehr Bescheidenheit würde man sich von den Politikern, die die Geschicke der Bundesrepublik im Jahr 2025 lenken, auch wünschen. Und: Mehr Taten als Bilder.
Lesen Sie auch: Wadephul wird zum Wackel-Fool: Die Trümmerbilanz des Außenministers
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