Die Vielfalt der Sperranlagen – NIUS erklärt alle Poller und wie sie funktionieren
Ein Beitrag von
Philippe FischerEs weihnachtet in Deutschland und von der neuen Realität profitieren vor allem Beton- und Stahlbauunternehmen aus ganz Deutschland. NIUS hat sich die Vielfalt der Poller angeschaut und stellt zehn ausgewählte Modelle vor.
Auf unseren Weihnachtsmärkten haben Glühweinbuden, Schmalzgebäck und Bratapfel in den vergangenen Jahren einen ungeliebten, aber standfesten Begleiter dazubekommen: den Beton-Poller. Neben Tannenbaum-Romantik haben die Sicherheitsbehörden eine Gefahr vor Anschlägen zur selbstverständlichen Routine auf Weihnachtsmärkten gemacht. Barrikaden, Schranken und Merkel-Lego sind von keinem Glühwein-Event in den Innenstädten mehr wegzudenken.

Der Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz
Wer auf Weihnachtsmärkten Hochkonjunktur hat, ist nicht nur der Glühweinverkäufer, sondern auch der Beton- oder Stahlbauunternehmer. Wir erinnern uns: Am 20. Dezember 2024 raste der Terrorist Taleb al-Abdulmohsen mit einem BMW X3 SUV über den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Er tötete mit seinem Auto-Anschlag sechs Menschen und verletzte mehr als 300 weitere.
Um die unterschwellige Gefahr eines Auto- oder LKW-Anschlags zu minimieren, schießt die Zahl der Anbieter von sogenannten Fahrzeugsperren durch die Decke. Die Poller-Industrie blüht.
Hörmann Oktablock
Der Volkswagen Golf unter den Fahrzeugsperren ist der Hörmann Oktablock TR. Seine patentierte Bauform macht ihn im Vergleich zu anderen Lösungen besonders leicht. 450 Kilogramm bringt die Fahrzeugsperre auf die Waage. Dafür ist der Oktablock zertifiziert (TR Polizei – Schutzklasse SK1B) und bringt einen LKW mit 7,5 Tonnen Gewicht bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 55 km/h nach 34,8 Metern zum Stillstand.

Wichtiges Prüfmerkmal: Nach spätestens 50 Metern muss Schluss sein und das Fahrzeug darf nach dem Aufprall nicht mehr fahrbereit sein. Durch die Zacken in der Bodenplatte erreicht der Oktablock dieses Ziel mit Bravour, wie Sie im Video sehen können:
Die Grundplatte hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern und der Poller selbst ist etwa 1,25 Meter hoch. Passend dazu bietet der Hersteller Hörmann aus NRW mit dem OktaMover einen Hubwagen an, der das Versetzen des Oktablock ermöglicht. Vorteil für die Betreiber: Es muss kein Gabelstapler und entsprechend geschultes Personal eingesetzt werden. Der OktaMover kann auch von Laien gesteuert werden. Etwa in Augsburg, wo zur Durchfahrt der Straßenbahnen die Fahrzeugsperren bis zu 64 Mal pro Stunde umgesetzt werden müssen.

Der OktaMover im Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Augsburg
Mobiler Road Blocker M30
Der Roadblocker M30 ist eine versenkbare Fahrzeugsperre. Vorteil: Mit wenigen Handgriffen ist so eine Überfahrt mit dem PKW oder Kleintransporter möglich. Außerdem ist das M30-System modular aufgebaut und kann entsprechend auf die Wunschbreite erweitert werden. Rad-, Rollstuhl- und Kinderwagenfahrer können die Barriere problemlos passieren. Mit einem Gewicht von 1,3 Tonnen ist der Roadblocker M30 aber logistikintensiv.

Der Road Blocker M30 ist versenkbar und ermöglicht so die Einfahrt für Kraftfahrzeuge.
Mobile Zufahrtssperre Armis Go
Die Schweizer „Consel Group“ hat sich auf den Schutz von Zufahrten und Grundstücken spezialisiert, bietet seit Sommer 2025 auch zertifizierte mobile Fahrzeugsperren an. Das System „Armis Go“ hat laut Hersteller eine „Best-in-Class Performance bei Eindringtiefe von nur 12,3 Metern“. Bedeutet: Im Crashtest eines 7,5-Tonnen-LKW rutschte die Sperre nur 12,3 Meter.

Entsprechend eindrucksvoll sind die Crashtest-Videos von Armis Go. Beweglich sind die Module allerdings nur mit einem Hubwagen oder Gabelstapler. Satte 750 Kilogramm bringt ein Armis Go auf die Waage.
Armis One von Consel
Als Konkurrenzprodukt zum M30 von Hörmann bietet die Consel-Gruppe den Armis One an. Diese Lösung ist wieder versenkbar und bietet so im Lieferverkehr problemlos Zugang für PKW und Kleintransporter.

Die versenkbare Zufahrtssperre Armis One
Im Vergleich zur Hörmann-Produktpalette stoppen die Armis-Systeme potenzielle Gefahren schneller und effizienter (sogenannte „Eindringtiefe“). Sie schaffen es eindrucksvoll – per „Katapulteffekt“ –, die wirkende Kraft eines LKW nach oben umzuleiten.
BlockMaxx-Sperre von Maschinenbau Tenwinkel
Die Firma Tenwinkel aus Vreden (NRW) hat sich eigentlich auf Prüf- und Traktorengewichte spezialisiert. Auf Anfragen von Kommunen und Behörden nach klassischen Betonsperren reagierte man mit einem eigenen Produkt, dem sogenannten „BlockMaxx“. Dieser ist mit 3,7 Tonnen besonders schwer und besteht aus zwei Komponenten, welche mit einer Kette verbunden sind. Ein entsprechender Durchbruch, selbst mit einem LKW, ist gemäß Testvideo unmöglich:
LKW-Sperren müssen außergewöhnlichen Belastungen standhalten. Ein einfacher „Block“ aus Beton leitet die Kraft nicht ausreichend um und kann im schlimmsten Fall zu einem gefährlichen Geschoss werden. Eine zertifizierte Sperrwirkung bietet der BlockMaxx.

Metallspikes ergänzen die zweiteilige Stahlbeton-Komponente, welche untereinander mit einer Kette verbunden ist.
Der klassische LKW
Das Werkzeug des Angreifers kann auch das Werkzeug des Verteidigers sein. In den USA haben die Polizeibehörden, etwa in New York, sogar eigene Kies-Kipper, um kritische Infrastruktur oder Veranstaltungen zu schützen.

LKW des New York City Police Department sind schützend vor dem Trump-Tower positioniert.
Auch in Deutschland werden bei Großveranstaltungen LKW als Schutz genutzt. Diese verhindern ein Durchkommen großer Fahrzeuge.

Helau! Zum Karneval in Braunschweig nutzte man etwa große LKW als Durchfahrtssperren.
SafetyClaw von Volkmann
Die „SafetyClaw“ ist ein stabilisierter Metallrahmen zum Schutz gegen anrasende PKW. Die Stahlkonstruktion wiegt 1,3 Tonnen und ist wegen der rechteckigen Bauweise gut kaschierbar, etwa mit Werbebannern. Hersteller ist die deutsche Firma Volkmann Strassen- und Verkehrstechnik aus Montabaur.
Pitagone F18
Die belgische Firma Pitagone hat mit ihren mobilen Fahrzeugsperren eine weltweite Marktführerschaft. Durch einen intelligenten Faltmechanismus sind diese besonders kompakt. Allein 528 Stück hat die Polizei Berlin davon in ihrem Bestand.

Die Fahrzeugsperren von Pitagone kommen in diesem Jahr zum Beispiel auf dem Münchener Weihnachtsmarkt zum Einsatz.
Der Aufbau ist werkzeuglos und ohne schweres Gerät möglich. Ein besonderer Transportbehälter auf Paletten-Maß erlaubt die gestapelte Lagerung, was Lagerflächen einspart. Größter Pluspunkt ist das geringe Gewicht. Ein zertifiziertes System (Eindringtiefe 34m bei 12 Tonnen LKW) wiegt nur 308 Kilogramm.

Mit 38kg pro Element ist es besonders leicht.
Mit Rollen ausgestattet, kann eine Pitagone also besonders gut an Einfahrten eingesetzt werden.
Der Klassiker: Merkel-Lego
Für den klassischen Betonwürfel haben sich am Markt verschiedene Namen etabliert. Das Betonwerk Pieper vertreibt etwa den „Tobi-Rasterstein“ (gemeint ist stapelbares Merkel-Lego). Eigentlich sind diese Steine konzipiert, um Boxen zur Lagerung von losen Schüttgütern wie Sand, Kies, Kartoffeln, Getreide usw. herzustellen.

Sogenanntes „Merkel-Lego“ kommt in diesem Jahr in Magdeburg zum Einsatz.
Auf dem Berliner Breitscheidplatz kommt der „Niemeier Safetyblock“ zum Einsatz. Die Firma hat sich auf Baustellen und Eventbedarf spezialisiert. Der Betonwürfel läuft zweckgemäß in der Kategorie „Ballastierung“ und wird im Gewicht 1200 Kilogramm und 2400 Kilogramm vorgehalten.

Die Stahlbeton-Blöcke wurden eigentlich für die Lagerung von Schüttgut konzipiert.
Einige Straßenmeistereien werden bei Betonmangel kreativ und nutzen Betonschutzwände, die eigentlich zur Trennung der Fahrspuren auf Autobahnbaustellen zum Einsatz kommen.

Normale Betonsperren sind nicht für LKW-Kontakt ausgelegt, könnten im schlimmsten Fall zum gefährlichen Geschoss werden.

Sogar mit Werbung drauf: Das Beton- und Kieswerk Schoer aus Lübeck bietet ebenfalls Merkel-Lego an.
Husson H-Stop
Dieses französische Fabrikat ist mit 179 Kilogramm besonders leicht und durch die luftgefüllten Reifen besonders mobil. Tatsächlich ist das Produkt aber nur zum Blockieren von PKW und kleinen LKW bis 3,5 Tonnen konzipiert.

Erinnert nicht nur optisch an einen Einkaufswagen: Den H-Stopp kann man wie Einkaufswagen zusammenschieben – das spart Lagerfläche.
Durch die kompakte Bauweise eignet sich der H-Stop besonders für Notausgänge, wo Menschen und Rettungskräfte schnell rein- und rausgehen müssen.

„Bunte Vielfalt“ offenbaren die Sperren in Hamburg Niendorf
Fazit: Made in Germany ist keine Pflicht!
Die Angebotspalette an Fahrzeugsperren hat sich zügig der explodierten Nachfrage angepasst. Behörden zahlen für den Schutz ihrer Veranstaltungen ein Vermögen. In Buxtehude wurde für den Weihnachtsmarkt etwa eine Viertelmillion Euro investiert. In Wolfsburg kündigte man Investitionen in Höhe von 1,2 Millionen Euro für Fahrzeugsperren an. Die kleine Stadt Hattingen im Ruhrgebiet (55.000 Einwohner) investierte kürzlich 200.000 Euro in 36 Fahrzeugsperren.
Dabei hat sich im Stadtbild vor allem der Oktablock von Hörmann etabliert. Aber auch die Pitagone ist etwas, worauf ein moderner Weihnachtsmarkt im Jahr 2025 (leider) nicht mehr verzichten kann.
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