Bespuckt und geschlagen: Freibad-Mitarbeiter schreiben Brandbrief
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An kaum einem Ort in Deutschland lässt sich die Veränderung der Gesellschaft so gut erkennen wie in unseren Freibädern. Waren sie bis vor ein paar Jahren noch Oasen der Erholung mit Pommes Rot-Weiß, Köpper vom Beckenrand und Nickerchen auf der Liegewiese, sind sie heute Sinnbild der Verrohung unserer Jugend – und damit ein furchteinflößender Blick in die Zukunft des Landes.
Es vergeht keine Woche, in der Medien nicht darüber berichten, wie sich in deutschen Freibädern Szenen der Gewalt abspielen. Dabei sind es sehr häufig junge Männer mit Migrationshintergrund, die ihre Impulse nicht unter Kontrolle haben.
Erst am vergangenen Wochenende ist ein Berliner Freibad wegen Tumulten aggressiver Besucher wieder frühzeitig geschlossen und geräumt worden. Am Sonntagabend gegen 17.45 Uhr kapitulierte der Sicherheitsdienst des Columbiabads in Neukölln vor einer Gruppe Besuchern und ließ das Bad räumen, teilte die Polizei mit. Trotz mehrfacher Aufforderungen durch Lautsprecher hatten die Jugendlichen und jungen Männer das Wasser nicht verlassen, grölten, schubsten, pöbelten und sprangen immer wieder hinein, wie Augenzeugen berichten. Erst als die Beamten anrücken, hatte der Spuk ein Ende.
Doch nicht nur in Berlin knallt es immer wieder am Beckenrand und im Schwimmbecken. Im Laufe des Sommers kam es bereits zu zahlreichen Vorfällen, bei denen die Polizei in Freibädern eingreifen musste. Von Rudelbildung auf der Rutsche über Gruppen-Schlägereien bis hin zu handfester sexueller Belästigung war nach wenigen Sommerwochen schon alles dabei.
NIUS führt mit „Freibadistan“ eine Chronologie ein, die dokumentiert, was sich im Sommer 2023 in deutschen Schwimm- und Freibädern ereignet.
- 12. Juli, Berlin Die Mitarbeiter des Columbiabads in Neukölln haben einen dringenden Appell an die Leitung der Bäder-Betriebe gerichtet. Sie sind an einem Punkt angelangt, an dem sie die aktuellen Arbeitsbedingungen nicht länger ertragen können.
Sie machen auf die Drohung eines Besuchers aufmerksam. Der drohte demnach, dass hier „silvesterähnliche Zustände herrschen“ werden. Und: „Sie haben es verdient, geschlagen zu werden.“
- 13. Juli, Lauter-Bernsbach: Ein 15-jähriger Junge zog beim Fallen ins Wasser einen anderen Jugendlichen mit, dies führte zu einer Massenschlägerei mit acht Verletzten. Die Situation eskalierte, als mehrere junge Leute begannen, mit Stöcken und Flaschen aufeinander einzuschlagen.
- 9. Juli, Berlin: Ein 14-jähriges Mädchen fühlte sich durch einen 20-Jährigen belästigt, nachdem dieser sie ansprach. Ihr 17-jähriger Bruder eilte direkt mit ein paar anderen Männern herbei und schlug mit diesen direkt auf den Mann und seinen 18-jährigen Begleiter ein.
- 9. Juli, Hamm: Bei einem Polizeieinsatz biss ein 39-jähriger Mann einem Beamten in den Finger, während er sich gegen seine Entfernung von einem öffentlichen Ort und das Anlegen von Handschellen wehrte. Nach dem Vorfall wurden Anschuldigungen gegen die Polizei erhoben, darunter Provokation, körperliche Gewalt und rassistische Beleidigungen, was dazu führte, dass nun auch Ermittlungen gegen die beteiligten Beamten eingeleitet wurden.
- 9. Juli, Berlin: Der Sicherheitsdienst des Columbiabades in Neukölln kapituliert vor Randalierern, lässt das Bad von der Polizei räumen.
- 9. Juli, Sondershausen: Nachdem zwei Jugendliche verbal aneinandergeraten und es zu Handgreiflichkeiten kommt, muss die Polizei schlichten.
- 7. Juli, St. Ingbert: Die Polizei muss in St. Ingebert im Saarland eingreifen eingreifen, nachdem ein Mann Gäste aggressiv beleidigt und Frauen mit Essensresten bewirft.
- 25. Juni, Berlin: Bei einer Auseinandersetzung zwischen Sicherheitsmitarbeitern und Badegästen kommt es zu einer Schlägerei. Zuvor sollen die Badegäste Besucher sexuell belästigt haben.
- 22. Juni, Berlin: Eine Statistik wird publik, aus der hervorgeht, dass im Sommerbad Pankow innerhalb der letzten 5 Jahre 211 Hausverbote ergangen sind – ein Rekordwert. Auch in anderen Berliner Bädern sind die Zahlen (fast) dreistellig.

Freibad in Berlin-Kreuzberg - 22. Juni, Gladbeck: Das Freibad in Gladbeck beschließt nach mehreren Zwischenfällen mehr Sicherheitspersonal bereitzustellen.
- 22. Juni, Ludwigshafen: Am Willersinnweiher belästigen und bepöbeln 5 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren Besucher an. Als das Freibadpersonal sie des Bades verweisen will, weigern sie sich zu gehen. Die Polizei rückt an.
- 21. Juni, Berlin: Etwa 40 Jugendliche „besetzen“ die Rutsche des Columbiabads, daraufhin muss das Freibad vorzeitig schließen.
- 21. Juni, Hanau: Nach einem schwerwiegenden Zwischenfall im Heinrich-Fischer-Bad in Hanau, bei dem es zu gefährlicher Körperverletzung und Raub kommt, nimmt die Polizei Ermittlungen auf.
- 20. Juni, Berlin: Ein Teil einer Gruppe, welche zuvor ein Hausverbot für das Columbiabad bekommen hat, kommt zurück und geht auf Sicherheitskräfte los. Elf Personen wurden durch Reizgas und Knüppel verletzt.
- 20. Juni, Kandel: Die Badeaufsicht des Schwimmbads Kandel verständigt die Polizei, weil ein junger Mann eine Jugendliche unsittlich berührt.
- 19. Juni, Berlin: Nachdem sich zwei Gruppen von Jugendlichen mit Wasserpistolen bespritzen, eskaliert die Situation. Es kommt zu einer Massenschlägerei im Insulanerbad, bei der über 100 Personen beteiligt sind.
- 19. Juni, Stuttgart: Weil sie vier jugendliche Mädchen in einem Stuttgarter Freibad sexuell belästigt haben, werden zwei Männer festgenommen. Schon am Sonntag zuvor war es zu ähnlichen Vorfällen gekommen.
- 18. Juni, Meitingen: Nach mehreren „Vorfällen“ wird ein Sicherheitsdienst im Sunsplash Meitingen eingesetzt. Zuvor gab es immer wieder Ärger zwischen „Männern“, bis das Thema sogar zum Bürgermeister vorrückt.
- 18. Juni, Mannheim: Bei einer Auseinandersetzung zwischen etwa 40 Personen im Herzogenriedpark wird ein Mann durch einen Messerstich verwundert. Vier weitere werden durch Schläge verletzt.
- 14. Juni, Vohwinkel: Es wird bekannt, dass das Freibad Vohwinkel nach mehreren gewalttätigen Übergreiffen Security-Kräfte einsetzt, die gleichzeitig auch Rettungsschwimmer sind.
- 14. Juni, Bonn: Die Polizei muss an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ins Freibad ausrücken. Beim ersten Einsatz drückt eine 67-Jährige einen Zwölfjährigen für mehrere Sekunden unter Wasser. Auslöser: Als die Freundin der 67-Jährigen das Becken verließ, machte der Junge laut Polizeibericht einen abfälligen Kommentar über deren Figur. Einen Tag später müssen die Beamten anrücken, weil ein Besucher des Freibades einen Schlag ins Gesicht bekommen hat.
- 4. Juni, Berlin: Bei einem Streit zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen mit insgesamt 20 Personen im Sommerbad Pankow muss das Schwimmbadpersonal eingreifen. Es gibt mehrere Verletzte.
- 31. Mai, Enkenbach-Alsenborn: Eine Gruppe von Jugendlichen sorgt in einem Freibad in der Nähe von Kaiserslautern für Randale. Als eine junge Mutter die Teenager zurechtweist, lauern die Jugendlichen der Frau auf und schlagen auf sie ein, während ihre Kinder alles mitansehen.
- 28. Mai, Stuttgart: Sieben Mädchen und Frauen werden in einem Freibad in Stuttgart betascht. Ein 13-Jähriger und ein noch Unbekannter sollen die Frauen am Po angefasst haben. Der 13-Jährige wird abgeführt und später seiner Mutter übergeben. Wenig später nähern sich zwei Männer (22 und 23) im Becken einer 12-Jährigen. Einer der Männer soll das Mädchen im Intimbereich berührt haben. Der 23-jährige Syrer kommt in Untersuchungshaft.
- 27. Mai, Berlin: Ein großes Polizeiaufgebot musste am Wochenende eine Schlägerei im Sommerbad Insulaner schlichten.
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