Brigitte Bardot definierte Weiblichkeit neu: Warum Ihr Mythos bis heute weiterlebt
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Sara DouedariSchauspielerin, Sängerin, Sexsymbol: Brigitte Bardot war das Gesicht einer Epoche. Sie stand für Leichtigkeit und Sinnlichkeit, für Freiheit und einen Hauch Rebellion. Mit ihr schien sich auch Frankreich neu zu erfinden. Kaum eine Frau prägte die 50er- und 60er-Jahre so sehr wie sie. Vielleicht ist sie bis heute die bekannteste Französin der Welt.
Im Dezember vergangenen Jahres starb sie im Alter von 91 Jahren in Saint-Tropez. In Erinnerung bleibt nicht nur die strahlende Filmikone, sondern auch die leidenschaftliche Kämpferin für Tiere – und eine Persönlichkeit, die mit ihren politischen Aussagen immer wieder konfrontierte und polarisierte.
Ein Mädchen aus Paris
Brigitte Bardot wurde 1934 in Paris geboren und wuchs in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf. Als Kind träumte sie nicht vom Kino, sondern vom Tanz. Mehrmals pro Woche trainierte sie Ballett und wurde sogar am Pariser Konservatorium aufgenommen. Ihre Leidenschaft für den Tanz legte sie erst auf Eis, als sich eine vielversprechende Model- und Schauspielkarriere abzeichnete.
Mit 15 lief sie über ihren ersten Laufsteg. Kurz darauf erschien sie auf dem Cover der französischen Elle. Dort wurde der Regisseur Roger Vadim auf sie aufmerksam. Er erkannte ihr außergewöhnliches Charisma und ermutigte sie, sich der Schauspielerei zu widmen. Es war der Beginn eines Lebens, das bald weltweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte.

Als junge Filmdiva faszinierte Brigitte Bardot mit natürlicher Schönheit und unverwechselbarem Charisma.
Phänomen der 60er: freizügig, sinnlich, unangepasst
Zunächst spielte Bardot in leichten Komödien. Doch 1956 kam der Durchbruch: In Und immer lockt das Weib, inszeniert von Roger Vadim, verkörperte sie eine junge Frau, die ihre erotischen Reize selbstbewusst einsetzt und Männer um den Finger wickelt. Der Film sorgte international für Aufsehen. In den USA galt er als zu gewagt. Einige Kinobetreiber, die ihn trotzdem zeigten, wurden sogar festgenommen.
Bardot zeigte sich freizügig, sinnlich und unangepasst. Damit begann ihr Aufstieg zum größten europäischen Filmstar der 1960er Jahre. Ihr Stil wurde kopiert, ihre Haartracht zum Trend, ihr Schmollmund zum Markenzeichen. Mit Filmen wie Die Wahrheit, Die Verachtung und Viva Maria! festigte sie ihren Ruf als Ikone auf der Leinwand.
1973 folgte der überraschende Abschied: Nach mehr als 40 Filmen kehrte sie dem Kino mit nur 39 Jahren den Rücken – auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs.

Sie brach mit Konventionen und formte ein neues Frauenbild.
Symbolfigur und „Lokomotive der Frauengeschichte“
Auch privat stand Bardot im Rampenlicht. Nach der Ehe mit ihrem Entdecker Roger Vadim heiratete sie Jacques Charrier, mit dem sie einen Sohn bekam. Später folgte die Beziehung mit dem deutschen Unternehmer Gunter Sachs, schließlich mit Bernard d’Ormale. Ihre Liebschaften wurden von der Presse aufmerksam begleitet.
In den 60er- und 70er-Jahren nahm sie zudem zahlreiche Chansons und Popsongs auf, unter anderem mit Serge Gainsbourg und Sacha Distel. Als Fotomodell inspirierte sie Designer großer Modehäuser wie Dior, Balmain und Pierre Cardin. Ihr freier Lebensstil machte sie zur Symbolfigur einer Generation, die Konventionen hinter sich ließ.
1959 widmete ihr Simone de Beauvoir einen Essay und bezeichnete sie als „Lokomotive der Frauengeschichte“. Bardot verkörperte für viele die selbstbestimmte Frau der Nachkriegszeit.

Brigitte Bardot in jungen Jahren: undatiertes Archivfoto, veröffentlicht 2009 anlässlich der Ausstellung „Brigitte Bardot – les années insouciance“
Engagement und Kontroversen
Seit den 1970er-Jahren widmete sich Bardot konsequent dem Tierschutz. Sie gründete eine eigene Stiftung und setzte ihre Popularität ein, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Das Engagement für Tiere blieb ein zentrales Anliegen ihres Lebens.
Gleichzeitig geriet sie mit politischen Aussagen immer wieder in die Kritik. 2004 wurde sie wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. 2014 äußerte sie sich lobend über die französische Rechtspolitikerin Marine Le Pen und bezeichnete sie als „Jeanne d’Arc des 21. Jahrhunderts“. 2021 folgte eine weitere Geldstrafe, nachdem sie Jäger mit dem NS-belasteten Begriff „Untermenschen“ beschrieben hatte.

Sie engagierte sich jahrzehntelang leidenschaftlich für den Schutz von Tieren und kämpfte konsequent gegen Missstände.
Auch zu gesellschaftlichen Fragen äußerte sie sich pointiert und löste damit Debatten aus. Während der #MeToo-Debatte erklärte Bardot, viele Schauspielerinnen würden Produzenten „necken“, um eine Rolle zu bekommen, und sich später über Belästigung beklagen, „damit über sie gesprochen wird“. Auch zu Gender-Themen äußerte sie sich mehrfach kritisch. Sie sprach von einer „Übertreibung“ moderner Entwicklungen und machte die steigende Zahl von Geschlechtsumwandlungen mitverantwortlich für höhere Kosten im Gesundheitssystem. Zugleich betonte sie, selbstredend nicht homophob zu sein, da sie viele homosexuelle Freunde habe.

Brigitte Bardot trifft am 11. Mai 2006 in Paris den damaligen Landwirtschaftsminister Dominique Bussereau, um strengere Regelungen zum Schutz von Haustieren zu fordern.
Der Mythos Bardot lebt bis heute weiter
„Die schönste Frau des 20. Jahrhunderts“ – so bezeichnete sie die französische Zeitung Le Figaro in ihrem Nachruf. Bardot drehte 56 Filme, bevor sie sich 1973 im Alter von 39 Jahren aus dem Filmgeschäft zurückzog. Fortan widmete sie sich ganz dem Tierschutz und baute ihre eigene Stiftung auf, die bis heute besteht.
Le Figaro würdigte sie mit eindringlichen Worten: Wer könne behaupten, im 20. Jahrhundert habe es eine schönere Frau gegeben? Eine Frau von sinnlicher Ausstrahlung, mit aristokratischer Haltung, geformt durch den klassischen Tanz. Eine Erscheinung voller Anmut und Magnetismus, die Männer wie Frauen gleichermaßen faszinierte. Generationen eiferten ihr nach.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Bardot als „Legende des Jahrhunderts“. Auf der Plattform X schrieb er, sie habe Freiheit verkörpert – eine französische Existenz mit universeller Strahlkraft. Er erinnerte an ihre Filme, ihre Stimme, ihren Ruhm und ihr leidenschaftliches Engagement für Tiere.
Mit Brigitte Bardot verlor Frankreich eine prägende Figur des 20. Jahrhunderts – eine Frau, die Bewunderung auslöste, Debatten entfachte und bis zuletzt eine Ausnahmeerscheinung blieb.
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Sara Douedari
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