Tschüss Helikopter-Eltern – der neue Erziehungs-Trend heißt „Beta Moms“
Ein Beitrag von
Die Ära der Helikoptermütter neigt sich dem Ende zu: Mütter, die alle Klassenarbeitstermine und die Handynummer der Deutschlehrerin kennen, die die Doodle-Liste für den Adventsbazar erstellen, beim Chef ein Schulpraktikum für den Sohn besorgen und das beste Quinoa-Rezept für den Elternstammtisch haben, verschwinden bald in der Versenkung.
Zum einen, weil ihre Kinder groß werden. Zum anderen, weil jetzt ein neuer Trend aus den USA zu uns schwappt: Die Beta Moms. „Sie sind unordentlich, chaotisch und nicht auf Instagram“, schreibt der Guardian. Beta Moms sind keine perfekten, aber entspannte Mütter. Nein, damit sind nicht Mütter gemeint, die ihre Kinder bei 30 Grad im Auto einschließen, um sich mit Freundinnen zu betrinken. Es sind Mütter, die ihr eigenes Wohlbefinden nicht aus den Augen verlieren. Frauen, die den Kindern Liebe und Geborgenheit geben, sie aber mehr machen lassen.

„Beta Moms“ wollen nicht mehr jeden Aspekt des Familienlebens kontrollieren.
Von Tiger Moms zu Helikoptermüttern
Wieso jetzt plötzlich dieser Trend? Bezeichnenderweise kommt er laut Wall Street Journal aus den USA, wo viele Mütter seit den 1990er Jahren alles dafür tun, um ihre Kinder schon im Vorschulalter optimal zu fördern, sie zur Schule und zum Hockey zu kutschieren und mit ihnen Bewerbungen zu schreiben. 2011 schockte die chinesisch-amerikanische Juristin Amy Chua mit ihrem Bestseller über ehrgeizige Tigermütter, den „Tiger Moms“. Eine ganze Generation von Eltern versuchte daraufhin, dem Nachwuchs den perfekten Einstieg in eine Elite-Uni und einen gut bezahlten Bürojob zu ermöglichen.
Die sicheren Bürojobs gibt es in KI-Zeiten nicht mehr, und die nächste Generation will nicht mehr zwingend 70 Stunden die Woche arbeiten. Parenting als Tätigkeit kam aus der amerikanischen oberen Mittelschicht zu uns: Mütter, die sich oft leisten konnten, nicht zu arbeiten und stattdessen das Mikromanagement für jeden Aspekt des Kinderlebens übernahmen, waren gefühlt überall. Der Kinohit „Bad Moms“ thematisierte 2016 genau diese Kluft zwischen Familien-Managerinnen und Normalos.

Spaß statt Stress: Der neue Erziehungstrend aus den USA rät allen Müttern, einen Gang runterzuschalten.
Nicht erst seit alle über mentale Gesundheit sprechen, fragen sich die Übermütter: Was habe ich mir und meinem Kind da angetan? Laut Wall Street Journal hat sich die Zeit, die Eltern mit den Hausaufgaben ihrer Kinder verbringen, seit 1975 verfünffacht! Allein durch das Remote-Arbeiten in den letzten Jahren waren Mütter viel mehr daheim. „Ich bin im Call“ dürfte einer der am häufigsten geäußerten Sätze der Mittelschicht sein.
Das ist ein reines Luxusproblem. Zum einen, weil es die Alleinverdiener-Familie bei steigenden Lebenshaltungskosten immer schwerer hat, die Mittelschicht bröckelt. Zum anderen, weil eine alleinerziehende Supermarktkassiererin möglicherweise gar nicht die Wahl hat, ob sie ihr Kind um 15 Uhr zum Ballett fahren kann.

Lieber eine gute Zeit zusammen als ein gutes Instagram-Bild: Das ist das Motto des neuen (alten) Erziehungstrends.
Die perfekte Instagram-Mama verschwindet
Im Internet finden sich unter dem Hashtag #Betamom nicht die schicken, aufgeräumten Häuser mit der perfekten Geburtstags-Deko, sondern überhaupt überraschend wenig. Beta Moms sind nicht den ganzen Tag mit dem Aufrechterhalten der perfekten Fassade beschäftigt, sondern nutzen die Zeit lieber, um mit ihren Kindern zu spielen. Der Abwasch kann warten.
Na, fällt der Groschen? Genauso sind wir, die jetzt Ü-45-Jährigen, aufgewachsen. Die Eltern waren zuverlässig, aber nicht ständig in Reichweite. Sie waren Leitplanken für die Straße unserer Entwicklung und nicht der Bulldozer, der alle Hindernisse aus dem Weg gerammt hat. Das Wall Street Journal schreibt: „Sie haben uns ignoriert, aber auf gute Art und Weise.“ Waren mehrere Familien irgendwo zusammen, wäre kein Kind auf die Idee gekommen, die Erwachsenen ständig zu unterbrechen. Und was ist eigentlich mit den mittlerweile engagierteren Vätern? Die Beta Dads, also die nicht ganz so perfekten Papas, so schreibt das Wall Street Journal, waren schon immer da. Sie griffen ein, wenn’s Ärger gab, und machten ansonsten ihr Ding.
2026 lässt sich ohnehin nicht mehr voraussagen, was unsere Kinder eines Tages arbeiten. Alles, was wir jetzt tun können, ist, für ihre stabile, selbständige Persönlichkeit zu sorgen. Das klingt wie eine Entlastung (und hat nichts mit dem aktuellen Mütter-Geheule von Promis wie Carolin Kebekus zu tun). Und davon profitieren am Ende alle.
Haben Sie einen Hinweis zu diesem Thema? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
Mehr NIUS:
Antisemit der Woche: Dunja Hayali verbreitet Unwahrheiten über Israel und den US-Vertrag mit dem Iran
So konstruiert die Islam-Organisation „CLAIM“ mit Millionen Steuergeld „antimuslimischen Rassismus“
Herrenknecht-Gründer droht Gemeinde mit Abzug
Sicherheitsdienst verweist Fans im Deutschland-Trikot vom Public Viewing
Nach Karin Priens Aussage „Lehrkräfte dürfen nicht neutral sein”: Schulbericht gibt politische Handlungsanweisung
Integrationslehrerin Deriabina: „50 Prozent der Migranten haben keine Motivation“
Erste islamische Fakultät Europas in Münster gegründet
Vor einer Woche wurde es fertig: Unbekannte beschmieren Ludwig-II.-Denkmal
Mehr NIUS:
Sicherheitsdienst verweist Fans im Deutschland-Trikot vom Public Viewing
Nach Karin Priens Aussage „Lehrkräfte dürfen nicht neutral sein”: Schulbericht gibt politische Handlungsanweisung
Integrationslehrerin Deriabina: „50 Prozent der Migranten haben keine Motivation“
Erste islamische Fakultät Europas in Münster gegründet
Vor einer Woche wurde es fertig: Unbekannte beschmieren Ludwig-II.-Denkmal
Party-Patriotismus zur WM: „Deutschlandflaggen sind hier verboten“
Land Bayern plant Queer-Aufklärung mit Dschihad-Fans
Warum in Chemnitz so viel Crystal Meth im Abwasser ist
Melanie Grün
Artikel teilen
Kommentare