Regenbogenfamilien und Leihmutterschaft: Was bleibt vom Muttertag übrig?
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Es ist der wichtigste, schönste und manchmal härteste Job der Welt: Mutter. Mütter bekommen, tragen und begleiten ihre Kinder durchs ganze Leben. Sie beherrschen die Kunst, da zu sein und loszulassen, wenn es sein muss. Drei Viertel aller Babys sagen als erstes Wort „Mama“. Um diese Lebensleistungen zu würdigen, gab und gibt es den Muttertag. Doch genau der ist jetzt in Gefahr.
Denn Ideologen passt das Konzept nicht mehr in den bunten Kram: Väter, die frühmorgens beim Bäcker stehen, selbst gemalte Bilder, Herzchen-Pralinen – das alles wird immer mehr ins Negative gezerrt. Statt „Danke, Mama“ heißt es für Hobby-Empörte aus dem vermeintlich progressiven Lager: „Muttertag, nein danke!“

Für Millionen Mütter ist er wichtig, für wenige Aktivisten ist er ein rotes Tuch: der Muttertag.
Die irre Geschichte des Muttertags
Als Begründerin des heutigen Muttertags gilt die Amerikanerin Anna Marie Jarvis. Sie veranstaltete am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem Todestag ihrer Mutter, ein Memorial Mothers Day Meeting. (Fun Fact: Als alle Welt auf den Brauch aufsprang, kämpfte Jarvis wieder für die Abschaffung.) In Deutschland wurde der Muttertag zu Beginn der 1920er‑Jahre vom Verband Deutscher Blumengeschäfte etabliert und – unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Dann das finsterste Kapitel: Die Nationalsozialisten machten ihn zum öffentlichen Feiertag. Er wurde daraufhin als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ begangen. Nach und nach entwickelte sich das, was wir hier kennen und was uns jetzt viele verleiden wollen: Geht nicht, finden Menschen, die ein schwieriges Verhältnis zu ihren Müttern haben. Geht nicht, finden Regenbogenfamilien. Geht nicht, finden woke Ideologen, die darin ein Relikt der heteronormativen Familie sehen.
Im Kindergarten St. Josef in Oberösterreich wurde die Vorbereitung auf den Tag sogar ganz gestrichen, berichtet das Nachrichtenportal Heute. In einer Nachricht an die Eltern hieß es: „Auf das Einüben klassischer Gedichte oder Lieder speziell für den Mutter- oder Vatertag verzichten wir bewusst.“ Man sei sich darüber bewusst, dass Kinder heute in ganz unterschiedlichen Familienformen aufwachsen. Klassische Rollenbilder rund um Mutter- und Vatertag spiegelten diese Vielfalt nicht immer wider und seien daher „nicht mehr zeitgemäß für den Kindergartenalltag“.

Geschenke zum Muttertag – könnte das bald vorbei sein?
Der Mütter-Fehlbarkeits-Kult
Vielfalt, die keine Vielfalt mehr zulässt, wird zum Witz. In einer Zeit, in der Elternsein „Care-Arbeit“ genannt wird, in der immer mehr junge Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen, ist der Muttertag wieder ein Politikum. Aktivistinnen empören sich über die Rückständigkeit: Warum die Mutter denn bitte nicht auch an den anderen 364 Tagen entlastet werde, anstatt an einem Wochenende mit Blumen abgefrühstückt zu werden?
Guter Punkt! Aber wir können nicht warten, bis sich ganze Systeme ändern: Wir hätten gern jetzt schon einen Strauß (nicht von der Tanke, bitte!), eine Massage oder einen Tag frei. Denn Muttersein ist bei aller Liebe auch ein Job, den die meisten versuchen, so gut wie möglich zu machen. Neu ist das Medien-Dauerfeuer von Hollywoodstar Hayden Panettiere, die jetzt in Interviews gesteht, sie habe an postpartaler Depression gelitten und sei keine gute Mutter gewesen. Offenheit ist gut. Der Mutti-Fehlbarkeits-Kult von Carolin Kebekus aber wirkt befremdlich: Eine mutmaßliche Millionärin mit Einzelkind, Partner und Großeltern lamentiert sich durch ein Buch und zahlreiche Talkshows? Das riecht nicht sympathisch nach Nahbarkeit, sondern verdächtig nach Geschäftsmodell. Und Serienstar Neil Patrick Harris, dank einer Leihmutter Vater von Zwillingen, sagt: „Meine Kinder haben keine Mutter.“
Natürlich ist Muttersein bisweilen knüppelhart: wenn das Geld fehlt, wenn der Partner fehlt, wenn Gesundheit fehlt. Aber können wir diesen schönen Brauch bitte einfach als das genießen, was er ist: eine 24-Stunden-Würdigung der vermutlich prägendsten Frau in unserem Leben? Ein paar Stunden lang sollten wir Mamas tun können, worauf wir Lust haben: Cappuccino ans Bett, Brunch im Café, Spaziergang mit der ganzen Familie. Und wenn es nur ungestörtes Scrollen durch Instagram ist. Falls Sie dort über scheinbar verfrühte Muttertags-Wünsche englischer Stars stolpern: In Großbritannien wird der Muttertag am vierten Sonntag in der Fastenzeit gefeiert.
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