Nahost-Experte Prof. Daniel Schueftan über Trump-Plan: „Frieden im Nahen Osten klingt wunderbar, hat aber mit den Tatsachen überhaupt nichts zu tun“
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Nachdem im ägyptischen Scharm El-Scheich vorgestern die von US-Präsident Donald Trump eingefädelte Friedensvereinbarung zwischen Israel und der Hamas unterschrieben wurde, stellt sich nun die Frage: Welche Zukunft hat Gaza und die palästinensische Bevölkerung? Während sich viele europäische Politiker nun ein friedliches Nebeneinander beider Völker erträumen, sagt der Sicherheits- und Nahost-Experte Prof. Daniel Schueftan von der Universität in Haifa in Israel: „Mit diesen Radikalen kann man keinen Frieden schließen unter den heutigen Bedingungen.“
Im Interview mit NIUS spricht er darüber, warum die Hamas und andere radikale Gruppen in Gaza und der Region nach wie vor eine ernsthafte Bedrohung für Israel darstellen, wie die politische Kultur und Erziehung vor Ort Gewalt legitimieren, und welche Rolle Israel, die USA und die arabischen Staaten bei der Eindämmung dieser Kräfte spielen.
Sehen Sie hier das vollständige Video:
NIUS: Jetzt nach dem Friedensplan und der Freilassung der Hamas-Geiseln – was glauben Sie, wie geht es weiter? Wer übernimmt Verantwortung in der Region?
Daniel Schueftan: Also erst einmal: Das hat sehr wenig mit Frieden zu tun. Frieden im Nahen Osten klingt wunderbar, hat aber mit den aktuellen Tatsachen überhaupt nichts zu tun. Wir haben schon in den 70er-Jahren ein Abkommen mit Ägypten geschlossen, und seit dieser Zeit haben arabische Staaten Israel nicht mehr angegriffen. Wir hatten keinen großen Krieg mehr seit 1973. Aber wir haben Radikale ringsum Israel, hauptsächlich Palästinenser, aber auch andere. Sie werden unterstützt von einer regionalen Macht – vom Iran. Das Problem sind Hamas, Hisbollah, andere palästinensische Gruppen, die Huthi im Jemen und natürlich der Iran selbst. Auch das Regime von Assad in Syrien war ein Teil davon.

Im Jom-Kippur-Krieg mussten sich die Araber geschlagen geben. In diesem Beispiel sind es Ägypter.
Mit diesen Radikalen kann man keinen Frieden schließen unter den heutigen Bedingungen und ich glaube nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Solange so eine Gesellschaft existiert – unter den Palästinensern, hauptsächlich im Gazastreifen, im Libanon, im Jemen und im Iran –, solange das Regime im Iran noch da ist, werden wir weiter Konfrontationen haben.
„Frieden wird es dort nicht geben“
Es muss kein ewiger Krieg sein, aber Frieden wird es dort nicht geben. Denn was die Palästinenser wollen, ist, den jüdischen Staat abzuschaffen. Was Hamas und die Muslimbrüder im Gazastreifen wollen, ist, jeden Juden zu töten. Sie sagen das selbst. Das ist eine ganz andere politische Kultur. Im Gazastreifen sagen sie zum Beispiel: „Wir werden siegen, weil wir den Tod lieben. Die Juden werden verlieren, weil sie das Leben lieben.“
Ich glaube nicht, dass sich dort etwas grundlegend ändert. So etwas kann man nur verändern, wenn die Menschen selbst bereit sind, sich zu ändern. Solange sie sagen, „unsere Ehre hängt damit zusammen, Israel zu vernichten, und wir werden die Juden umbringen“, wird sich nichts ändern. Die Frage aus israelischer Sicht ist: Kann man verhindern, dass die Palästinenser im Gazastreifen wieder militärisch so stark werden, dass sie gegen Israel Krieg führen, wie sie es vor zwei Jahren getan haben? Ich glaube, das wird nicht möglich sein.
Nicht, weil die Türken, Katarer oder Franzosen es verhindern, sondern weil Israel das verhindern wird. Wenn die internationale Gemeinschaft etwas erreichen kann in Gaza, wunderbar. Wenn die Palästinenser selbst bereit sind, sich zu entwaffnen, würde mich das sehr überraschen. Israel hat immerhin Erfahrung, schon etwa 100 Jahre.
„Die Europäer kann man nicht ernst nehmen“
Das Wichtigste aus israelischer Sicht ist: Israel hat die amerikanische Legitimation. Wenn Hamas sich nicht entwaffnet und wieder versucht, eine Terrorarmee aufzubauen, wird Israel sie vernichten – mit amerikanischer Unterstützung. Die Europäer kann man nicht ernst nehmen. Ihre Fantasien von Friede, Freude, Eierkuchen wirken dort überhaupt nicht. Die einzige europäische Regierung, die Israel ernst nimmt, ist Deutschland, teilweise Italien. Frankreich und Großbritannien nicht.

Werden Israels wichtigste Verbündete bleiben: Donald Trump und seine USA.
NIUS: Die Hamas wurde in den vergangenen zwei Jahren massiv geschwächt. Trotzdem sahen wir jubelnde Hamas-Terroristen auf den Straßen. Einige Hamas-Führer kündigten bereits an, dass ein nächster Konflikt nur eine Frage der Zeit sei. Wie stark ist die Hamas denn überhaupt noch?
Daniel Schueftan: Viel schwächer als in der Vergangenheit. Ich schätze, sie hat 80 bis 90 Prozent ihrer früheren Kraft verloren. Wenn sie versuchen, sich wieder aufzubauen, wird Israel erneut aktiv werden, mit amerikanischer Unterstützung. Die Hamas kann in Gaza nicht abgeschafft werden; dort gibt es eine Gesellschaft, die sie gewählt hat. Das ist das, was man als den Fluch der arabischen Welt bezeichnen kann: das radikale Element der Muslimbrüder, das Ägypten, Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien, die Emirate, Bahrain und andere bedroht. Dieses mittelalterliche Wertesystem kann nicht erfolgreich mit der modernen Welt zusammenleben und hat die arabische Welt jahrzehntelang untergraben.
Wenn die Hamas im Gazastreifen erfolgreich wäre, würde das al-Sisi in Ägypten und König Abdullah in Jordanien bedrohen. Die Muslimbrüder sind sehr stark in Jordanien, unter Palästinensern und Jordaniern. Man kann sie nicht abschaffen, aber schwächen. Israel hat sie radikal geschwächt.
Europäische Politiker leben oft in ihrem eigenen „Lala“-Land
Wenn Europa Israel dann aufgrund der erzeugten Bilder kritisiert, kann es Schaden verursachen, aber: Die Europäer haben Israel immer gesagt „seid nett“. Nähmen die Israelis die Europäer ernst, existierten sie nicht mehr.
Europäische Politiker leben oft in ihrem eigenen „Lala“-Land. Ihre Aussagen haben keinen Effekt im Nahen Osten. Die einzige Sprache, die dort verstanden wird, ist die Sprache der Waffen – gegenüber den Radikalen.

Die Radikalen können nicht mit warmen Worten bekämpft werden, meint Schueftan.
Im Gegensatz dazu hat Israel einen sehr guten Dialog mit Ägypten, Jordanien, Marokko, den Emiraten und Bahrain. Die Mehrheit der arabischen Welt hat einen Dialog mit Israel und teilt dieselben Feinde: Iran, die Muslimbrüder und Missverständnisse aus den USA über den Nahen Osten. Die meisten arabischen Staaten verstehen, dass ein Krieg mit Israel katastrophal wäre und dass Israel ein starker Verbündeter ist. Nur ein kleiner Teil radikaler Kräfte sieht das anders. Syrien unter Assad war radikal, aber selbst dort erkennt der heutige Präsident, dass Zusammenarbeit mit Israel und den USA für eine Zukunftsperspektive notwendig ist.
NIUS: Wenn wir die radikalisierten Gesellschaften betrachten. Gibt es Hoffnung, dass diese Gesellschaft sich irgendwann deradikalisieren könnte?
Daniel Schueftan: Wenn so etwas passiert, werde ich es 50 Jahre vorher wissen. Solange Kinder in Gaza lernen, Juden zu töten, wird sich nichts ändern. Wir haben Videos, die zeigen, wie Kinder erzogen werden, Juden zu töten. Der Lehrplan in den Schulen im Gazastreifen und die Videos von Kindern belegen das. Diese Erziehung basiert auf Hadithen, die Gewalt gegen Juden legitimieren. Es wird 50 Jahre dauern, bevor solche Veränderungen politisch wirksam sind.
„Die Grundidee bleibt: Juden haben keine Legitimation“
Im Moment kann ich mir so etwas in Gaza nicht vorstellen. Wenn es passiert, schneller als erwartet, werde ich glücklich sein und es anerkennen. In der Westbank ist die Situation etwas weniger radikal, aber die Grundidee bleibt: Juden haben keine Legitimation, Terrorismus muss unterstützt werden und Familien von Terroristen müssen finanziert werden.
NIUS: Vielen Dank für das Gespräch!
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