Überlebender berichtet: „Muslimische Nachbarn sagten zu uns: ‚Ihr seid Christen, ihr seid nicht mehr wert als Müll’”
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RedaktionKiro Lindemann hat den Terror an Silvester 2011 nur um Sekunden verpasst: Vor einer koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten reißt ein Selbstmordattentäter 23 Menschen in den Tod, darunter Lindemanns Mutter, Schwester und Tante. Der damals 19-Jährige schildert im NIUS-Interview, wie er den Anschlag erlebte. Heute lebt der Familienvater und „Christfluencer“ in Deutschland und erzählt, wie Christen in seiner Heimat von Moslems diskriminiert werden.
Kiro Lindemann ist dem Terroranschlag vor der koptisch-orthodoxen al-Qiddissine-Kirche in Alexandria in Ägypten an Silvester 2011 nur knapp entkommen. Während er sich noch in der Kirche aufhielt, waren seine Mutter, Schwester und Tante gemeinsam mit etwa tausend anderen Messbesuchern schon vor der Kirche. Da explodierte die Bombe eines Selbstmordattentäters. 23 Menschen verloren an diesem Neujahrstag ihr Leben, darunter auch die drei Verwandten des damals 19-Jährigen.
Sehen Sie hier den 1. Teil des NIUS-Interviews, in dem Lindemann ausführlich über den Bombenanschlag erzählt:
„Ich habe die ganze Zeit nach meiner Familie gesucht. Es gibt ein Institut in Ägypten, wo alle Leute hinkommen, die in einem Unfall ums Leben gekommen sind. Ich war 19 Jahre alt und musste mit den Ärzten meine Mutter wortwörtlich zusammenbasteln: Das ist der Kopf, das ist das Bein. Nein, das ist nicht das Bein, das ist das andere Bein. Das ist der Arm. Und bis heute gibt es manche Gerüche, die ich gar nicht riechen kann, die mein Gehirn mit dem Anschlag verbindet. Alleine heute, wenn ein kleiner Ballon von den Kindern platzt, muss ich zutiefst zittern, weil der Knall von damals mir bis heute noch in den Knochen sitzt“, erzählt Lindemann.

Kiro Lindemann mit Tasche und Pass seiner Schwester. Sie kam bei dem Attentat vor der koptischen Kirche ums Leben. Sieben Tage nach ihrem Tod hätte ihre Hochzeit stattgefunden.
NIUS: Empfinden Sie immer noch Hass gegen die Attentäter oder auch vielleicht gegen Muslime als Gruppe?
Lindemann: Ich habe damals alle Muslimen gehasst. Ich habe mich selber gehasst. Ich habe das Leben gehasst. Ich wollte eigentlich nicht mehr leben. Ich wollte zu Mama gehen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum ich noch hier bin. Ich bin manchmal mit dem Motorrad gefahren mit so krasser Geschwindigkeit, dass ich mir den Tod gewünscht habe. Ich wollte mich selber nicht umbringen, aber ich wollte gerne sterben. Und jahrelang bin ich mit dieser Wut durch die Gegend gelaufen. Und ich habe Gott immer wieder angeklagt: „Warum? Warum? Warum? Man hat uns gesagt, du bist ein guter Gott. Wie kann ein guter Gott so ein Leid zulassen?“. Irgendwann habe ich Gott nicht gefragt, warum, sondern wozu? Wozu soll das Ganze? Und ab diesem Zeitpunkt hat Gott wirklich an meinem Herzen angefangen zu arbeiten.
„Diese Diskriminierung, diese Benachteiligungen, das war unsere Realität“
NIUS: Wie war es, als Minderheit unter Moslems zu leben? Konnten Sie die Religion frei ausüben, oder haben Sie und Ihre Familie eine Form von Diskriminierung oder Unterdrückung erlebt?
Lindemann: Als Kind an der Schule habe ich mein Leben total gehasst. Der Lehrer hat mich ohne Grund gehauen und hat gesagt: „Du bist ja Christ, Christen trinken Alkohol“. Aber ich war ein Kind! Kinder dürfen an sich kein Alkohol trinken. Wir wohnten in einem muslimischen Land. Da gibt es keinen Alkohol. Oder meine muslimischen Mitschüler, sie haben mir die ganze Zeit gesagt: „Kiro, du stinkst“. Ich gehe nach Hause und frage Mama: „Mama, stinke ich irgendwie?
Meine muslimischen Mitschüler sagen mir die ganze Zeit, dass ich stinke“. Mama erklärte, dass sie das zu mir sagen, weil ich Christ bist und Christen Schweinefleisch essen dürfen. Deswegen „stinke“ ich. Wir leben in einem muslimischen Land, da gibt es kein Schweinefleisch. Diese Diskriminierung, diese Benachteiligungen, das war unsere Realität. Unsere muslimischen Nachbarn haben uns ihren Müll vor unsere Haustür gebracht und gesagt: „Ihr seid Christen, ihr seid nicht mehr wert als dieser Müll“.

Ein Bild aus Tagen vor dem schrecklichen Anschlag: Kiro, neben ihm seine Mutter und Schwester. Davor eine Freundin. Die Schwester auf dem Foto überlebte das Attentat mit schweren Verletzungen. Kiro reiste mit ihr nach Deutschland, wo sie insgesamt 33 Operationen erhielt.
Schauen Sie hier den 2. Teil des Interviews, in dem Lindemann erzählt, wie seine Familie als christliche Minderheit in Ägypten von Moslems diskriminiert wurde. Hier erfahren Sie auch, was es mit seinem kleinen Kreuz-Tattoo auf sich hat und warum Lindemann vor über zehn Jahren nach Deutschland flüchtete:
Lindemann: Ich musste den Koran an der Schule im arabischen Unterricht auswendig lernen, wie alle Muslime.
„Ich konnte mich gar nicht mit dem Koran identifizieren“
NIUS: Obwohl Sie Christ sind?
Lindemann: Alle Christen mussten das lernen. Die Muslimen, auch die Christen, mussten die Verse aus dem Koran auswendig lernen, wo die Muslime dazu aufgefordert werden, die Ungläubigen umzubringen. (…) Dann habe ich mit Mama den Koran gelesen. Und dann habe ich die Bibel gelesen. Ich konnte mich gar nicht mit dem Koran identifizieren. Ich habe festgestellt: Auf jeden Fall ist die Bibel die Wahrheit. Wenn ich dieses Leid als Kind auf mich nehmen muss für die Wahrheit, dann sterbe ich halt.
„Die Ungläubigen, das sind wir Christen und Juden“
NIUS: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Lindemann: Ich habe mich in Ägypten politisch engagiert in dem Sinne, dass man sich für uns Christen einsetzen soll. Ich habe den Islam öffentlich kritisiert und habe gesagt, die Anschläge, die man gegen uns Christen ausübt, steht wortwörtlich im Koran. Der Koran befiehlt den Gläubigen, den muslimischen Gläubigen, den Ungläubigen umzubringen. Die Ungläubigen, das sind wir Christen und Juden. Es hat vielen Menschen gar nicht gefallen, dass ein christlicher Mann den Mund öffnet und diese Wahrheit so öffentlich sagt. Und ich habe mehrere Interviews im ägyptischen Fernsehen gegeben. Ich wurde mit dem Tod bedroht und ich hatte genau sieben Tage Zeit, entweder zum Islam zu konvertieren oder geköpft zu werden.

Nach dem Terroranschlag begann Lindemann, sich für die Christen in Ägypten einzusetzen. Im TV kritisierte er den Islam – und wurde dafür mit dem Tod bedroht.
Kiro Lindemann ist mittlerweile deutscher Staatsbürger. Er hat den Nachnamen seiner Frau angenommen – früher hieß er Khalil – und hat zwei Kinder.

Kiro Lindemann ist heute deutscher Staatsbürger. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder.
Im 3. Teil des Interviews sagt Lindemann, was er über islamische Migration nach Deutschland hält und warum er keine Angst hat, in den sozialen Medien den Islam zu kritisieren. Der Familienvater erzählt auch, warum er Deutschland liebt:
NIUS: Finden Sie, sollte es strengere Migrationsbestimmungen geben?
Lindemann: Ich würde mir vielleicht wirklich wünschen, dass diejenigen, die Interviews führen bei der Ausländerbehörde oder wenn man Asyl beantragt, dass sie wirklich zweimal hinschauen: Wenn ich diesen Menschen später auf der Straße begegne, wenn ich meine Kinder dabei habe, werde ich mich freuen oder werde ich Angst haben? Diese Frage sollten sie sich zweimal stellen und dann entscheiden. Als ich nach Deutschland kam, war mein Zimmernachbar ein Islamist. Nach zwei Wochen, Gott ist mein Zeuge, nach zwei Wochen hat er Aufenthalt bekommen und ich als Christ, der verfolgt wurde, mein Asylverfahren hat von 2014 bis 2021 gedauert.
NIUS: Sie haben ein Video gemacht, wo Sie infrage stellen, ob der Islam eine friedliche Religion ist. Haben Sie nicht Angst, den Islam öffentlich zu kritisieren?

In diesem Instagram-Video geht Lindemann der Frage nach, ob der Islam eine friedliche Religion ist.
Lindemann: Ich bekomme jede Menge Hasskommentare. Mir ist bewusst, dass vielleicht jemand auf die Idee kommt: „Ach, der Kiro nervt mit seinem Video und er macht viele Sachen, die uns nerven. Der muss auf stumm geschaltet werden“. Und dann werde ich umgebracht. (…) Ich werde sowieso sterben. Heute, morgen oder wenn ich 90 bin. Und mir ist nur wichtig, dass mein Dasein jemandem vielleicht geholfen hat, den Weg zur Wahrheit zu finden. Wenn ich einem einzigen Menschen geholfen habe, dann ist mein Dasein gut gewesen.
„Deutschland hat Europa immer geführt“
NIUS: Was würden Sie sich für Deutschland und die Kirchen hier wünschen?
Lindemann: Ich würde Deutschland wünschen, dass es die Freude, den Frieden an dem Herrn Jesus Christus wieder finden kann. Deutschland hat Europa immer geführt. Deutschland war und ist ein krasses Land. Deutschland hat Macht über fast das ganze Europa und ich wünsche mir, dass dieser Riese wieder aufwacht und dieser Riese wieder seinen Platz einnimmt.
Lesen Sie auch: Bombardierte Kirchen, zerstörte Häuser, Vertreibung: „Christsein im Sudan ist ein langer Weg des Leidens“
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