Lufthansa streicht Gratis-Handgepäck: Kein Kunde hat sich diese Änderung gewünscht!
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Die Lufthansa-Gruppe arbeitet in einem Umfeld, in dem es an Herausforderungen nicht mangelt. Ständig streiken Teile der eigenen Mannschaft, der Staat treibt Steuern und Abgaben für den Standort Deutschland in die Höhe, Preise für Kerosin kennen kein Limit. Und der Konkurrenzdruck durch Billiganbieter wie Easyjet und Ryanair ist groß.
Sparmaßnahmen beim Kranich sind deshalb nachvollziehbar und notwendig. Doch die Art und Weise, wie diese Maßnahmen kommuniziert und begründet werden, ist ebenso abenteuerlich wie kreativ. Streichungen von Leistungen werden immer wieder mit dem Feedback der Kunden begründet.
Die jüngste Ankündigung, ab Mai 2026 auch das große Handgepäckstück kostenpflichtig zu machen, reiht sich dabei ein in eine Folge von Ereignissen.
Streichung von Essen auf Wunsch des Kunden
So teilte der Lufthansa-Konzern im Herbst 2020 mit:
„Unser bisheriges Snackangebot in der Economy Class erfüllt häufig nicht die Erwartungen unserer Gäste. Das neue Angebot wurde auf Basis unserer Kundenfeedbacks entwickelt. Mit dem kostenpflichtigen, dafür qualitativ hochwertigen Angebot werden unsere Passagiere ganz individuell entscheiden können, was sie auf ihrer Reise essen und trinken wollen.“
So, so – da wurde also das Catering wegen Kundenfeedbacks gestrichen. Und nun gibt es kostenpflichtige Optionen, dafür aber qualitativ hochwertig. Danke. Die Limonade möchte der Kunde doch gerne bezahlen, denn jetzt ist die Cola ja deutlich besser als vorher.

Auf Kundenwunsch wurde das Catering bei der Lufthansa gekürzt oder gänzlich gestrichen. Es geht aber auch anders: So serviert „Aegean Airlines“ auf Europastrecken als Partner der Star Alliance noch eine Mahlzeit und bietet sogar Wein an.
Übrigens: Rund ein Jahr später folgte dann das ausgeklügelte Konzept „Tasting Heimat“, in dessen Folge auch den hochpreisig reisenden Gästen der Business Class ein Apfel statt des üblichen Desserts verabreicht wurde. Auf Langstrecke wurde schon 2019 optimiert: Bei Flügen mit einer Reisezeit von mehr als zehn Stunden gab es zuvor immer zwei warme Mahlzeiten. Inzwischen wird nur noch eine Mahlzeit serviert, vor Ankunft wird alternativlos ein kalter, vegetarischer Snack angeboten.
Strenge Sitzzuweisungen in der günstigsten Economy-Klasse
Im Sommer 2022 folgte die nächste Verbesserung. Diesmal konnte man sich nicht auf das Kundenfeedback berufen; man stellte einfach das System um und hinterließ eine Fußnote: Wer im günstigsten Economy-Light-Tarif auf der Kurzstrecke unterwegs ist, bekommt einen Sitzplatz zugewiesen. „Wenn Sie diesen Sitzplatz ändern möchten, wird ab 21.6.2022 eine Änderungsgebühr ab 25 EUR/35 CHF/35 USD erhoben.“

Wer mit dem günstigsten Ticket unterwegs ist, bekommt bei Lufthansa einen Platz zugewiesen.
Keine Gratis-Stornierung mehr, selbst bei teuren Tickets
Einen besonderen Wortwitz hat Lufthansa mit ihren sogenannten „Flex“-Tarifen geschaffen. Diese erlauben eine besonders hohe Flexibilität mit kostenloser Umbuchung. Auch eine Stornierung war bisher kostenlos möglich. Damit ist auf einigen Strecken (von und nach Asien-Pazifik, Südafrika, Mauritius und Seychellen) seit April 2026 Schluss. Als Kunde mit „Flex“-Ticket kostet die Stornierung dann je nach Ticket bis zu 1.500 Euro.
Vielflieger-Programm Miles & More nun dynamisch und umsatzbasiert
Rückschläge mussten – nach vermutlich zahlreich erfolgtem Kundenfeedback – auch die Vielflieger und Nutzer von „Miles & More“ in Kauf nehmen. Bereits 2017 kündigte der Konzern an, dass Prämienmeilen gekoppelt an die Kosten des Tickets vergeben werden. Im Frühjahr 2025 schaffte man die feste Preistabelle für Prämienflüge ab. Wer nun seine Meilen einlösen möchte, ist einem dynamischen System ausgeliefert. Preise variieren ständig und können ohne Ankündigung beliebig erhöht werden.
Reinigung der Flugzeuge nur noch punktuell
Seit März testet die Lufthansa nun die nächste Optimierung. Wie der Aerotelegraph unter Berufung auf ein internes Schreiben berichtet, werden in einem Pilotprojekt „nur noch auf Anfrage die Waschräume gereinigt und Abfall aus den Sitztaschen entfernt. Statt einer vollständigen Reinigung ist lediglich eine punktuelle ‚Spot-Cleaning‘-Kontrolle vorgesehen.“ Neben den wirtschaftlichen Effekten will man auch hier vor einer kompletten Einführung des Konzepts für die gesamte Flotte zunächst noch das „Kundenfeedback“ untersuchen.

Die Reinigung der Economy-Kabine soll künftig nur noch „punktuell“ erfolgen.
Die Lufthansa orientiert sich zunehmend an der Billigflieger-Konkurrenz. Der Aufpreis-Katalog wächst und wächst. Eine Flasche Wasser und ein Stück Schokolade zeichnen noch keine Premium-Airline aus.
Liebe Lufthansa, bitte zeigt mir doch den Kunden, der sich all diese „Verbesserungen“ tatsächlich so sehnlichst gewünscht hat. Ich war es nicht.
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Philippe Fischer
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