Wir leben immer länger – leider auch kränker
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Einer der bekanntesten Sprüche über das Alter stammt von einem unbekannten Dichter. Er lautet: „Gib den Jahren mehr Leben, statt nur dem Leben mehr Jahre.“ Dieser Aphorismus wird jetzt eingeholt von der Wissenschaft: Die Menschen werden immer älter – doch verbringen sie am Lebensende mehr Zeit bei schlechter Gesundheit. Das betrifft besonders wohlhabende Länder, wie Forscher nach Auswertung von Daten von 1990 bis 2023 in The Lancet Public Health schreiben.
Die Zahlen sind unerfreulich: 1990 verbrachten Menschen im Durchschnitt 8,8 Lebensjahre bei schlechter Gesundheit – das entsprach 13,6 Prozent ihrer Lebenszeit. 2023 waren es fast zwei Jahre mehr: 10,7 Jahre und damit 14,5 Jahre ihres Lebens. Die Krankheitskluft war besonders in Ländern mit hoher Lebenserwartung groß. In den USA betrug sie 14 Jahre, in Australien 13,9 und in Kanada 13,7 Jahre. In Afrika südlich der Sahara nur neun Jahre.
In Deutschland stieg die Lebenserwartung von 1990 bis 2023 von 75,6 auf 80,9 Jahre. Die Krankheitskluft legte von 10,1 Jahren auf 11,9 Jahre zu. Für Frauen betrug diese Lücke 2023 weltweit 12,1 Jahre, für Männer 9,3 Jahre. „Frauen leben fast überall länger als Männer, aber verbringen mehr dieser Jahre bei schlechter Gesundheit“, sagt Co-Autorin Catherine Bisignano.
Drei Faktoren für ein glückliches Alter
Wieviel gute Jahre haben wir denn nun? Und: Was sind gute Jahre im Alter? Natürlich die mit Abwesenheit von Krankheiten. Aber grundsätzlich zeigen gerontologische Daten eine allgemeine Lebenszufriedenheit um 70 herum, da Menschen in diesem Alter mit Stress umgehen und Konflikte ruhiger bewältigen können. Es gibt drei Faktoren für ein glückliches Leben im Alter, die Wissenschaftler ausgemacht haben: bis zuletzt eigene Entscheidungen treffen zu können (Selbstbestimmung); niemandem zur Last liegen und weiter in der eigenen Wohnung leben zu können.

Es gibt drei Faktoren für ein glückliches Leben im Alter: bis zuletzt eigene Entscheidungen treffen, niemandem zur Last fallen und weiter in der eigenen Wohnung leben zu können. Ein netter kleiner Enkel ist ganz bestimmt ein weiterer Faktor.
Als Mensch, der in die beschriebene Kategorie passt, kann ich sagen: Es ist eine Gnade, wenn man älter wird und es einem weiter gut geht. Und was den eingangs erwähnten Dichter betrifft: Gib den Jahren mehr Leben, statt nur dem Leben mehr Jahre – das sagt sich so leicht.
Immer vorausgesetzt, man ist so gesund, dass man das Leben noch genießen kann: Die Wünsche ändern sich mit den Jahren, glauben Sie es mir, liebe jugendlichen Leser. Das Leben besteht nicht nur aus der Summe der Dinge, die man erlebt hat. Und die Sehnsucht besteht nicht darin, was man versäumt oder angeblich versäumt hat. Ich war als Journalist in vielen Ländern auf vielen Kontinenten. In Australien aber zum Beispiel nicht.
Dann ist es halt so. Tut mir leid, liebe Australier: Das Glück kommt von innen, glaube ich. Und nicht von Kontinenten, die man nicht bereisen will.
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