Gefühl statt Verstand: Warum die CDU zu einer Satirepartei mutiert
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Die CDU lässt sich nur noch als Satireprojekt lesen, das den Niedergang der bürgerlichen Welt als Groteske aufführt.
In Mecklenburg-Vorpommern verspricht die Partei ihren Wählern „Politik in lecker“ und erhebt das Fischbrötchen zum Symbol der Mitte. In Sachsen-Anhalt ist Ministerpräsident Schulze „wütend“, hat aber „keine Zeit, zu filmen“. Kanzler Merz muss einen Ersatzminister für einen Ersatzminister suchen, der nachts um vier Muffensausen bekam, weil ein Torwart nicht Linksaußen spielen sollte, während der Minister sich schon mal freimütig verabschiedet. Sowas kann passieren, findet Merz‘ designierter Fraktionschef Thorsten Frei, auch ein Kanzler könne einfach „Pech“ haben.
Er hingegen freut sich auf seinen neuen Job, weil er dann nicht mehr „von morgens bis abends mit Akten“ zu tun habe. Merz‘ designierter Gesundheitsminister Linnemann wiederum erklärte noch vor einem Jahr, dass er als Gesundheitsminister nicht erfolgreich wäre, sagt aber jetzt, es komme eben manchmal „anders als man denkt“ und darum brauche er „ein bisschen Zeit“ um „hier und da noch tiefer einzusteigen“.

Für ihre neue Werbekampagne setzt die CDU in Mecklenburg-Vorpommern auf ein Fischbrötchen.
Wie kommt es, dass eine (einst) bürgerliche Partei die Sprache der plumpen Vertraulichkeit wählt? Welchen Bürgerlichen will man mit mit dem Versprechen einer „leckeren“ Politik locken? Es ist die Hilflosigkeit einer konservativen Partei, die sich so bedingungslos an das ihr fremde linke Lager gekettet hat, dass der zukünftige Verrat am Wähler längst eingepreist ist. Die verlorene Glaubwürdigkeit versucht die CDU nun durch ein Übermaß an Authentizität wettzumachen.
Schulze findet keine wirklichen Mehrheiten
Statt über Inhalte spricht die Partei über Gefühle, an deren Wahrhaftigkeit kein Zweifel zulässig ist: Schulze weiß, dass er zum Regieren keine wirklichen Mehrheiten finden und so sein Wahlprogramm ein leeres Versprechen bleiben wird, aber seine „Wut“ kann niemand hinterfragen, denn darüber weiß einzig er Bescheid.
Frei ist als Chef des Kanzleramts fulminant gescheitert, weil er die Volten des Kanzler weder koordinieren noch verkaufen konnte, doch an seiner Abscheu gegenüber Akten ist alles „echt“.

Das hier postete Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachen-Anhalt, auf Instagram.
CDU versinkt in Mecklenburg-Vorpommern in der Bedeutungslosigkeit
Die CDU versinkt in Mecklenburg-Vorpommern in der Bedeutungslosigkeit, aber dass ein Fischbrötchen lecker ist, kann nicht einmal ein ostdeutscher Wutbürger bestreiten. Ex-Fraktionschef Jens Spahn glaubte allen Ernstes, dass seine öffentlich zur Schau gestellten Gefühle für sein von einer Leihmutter zur Welt gebrachtes Kind über den Betrug am Bürger, dem er dasselbe Recht verwehrt, hinwegtäuschen könnten.

Kanzler Merz musste einen Ersatzminister für einen Ersatzminister suchen.
Das Authentische ist in seinem Wesen rein subjektiv und damit ausschließlich dem Urteil des Subjekts unterworfen. Indem die Mächtigen nur mehr mit Gefühlen argumentieren, versuchen sie, sich dem Urteil des Bürgers und damit des Souveräns zu entziehen.
Dieser Versuch muss natürlich scheitern. In ihrem Gemosere über Aktenberge, in ihrem plötzlich aufflammenden Jähzorn erscheinen die CDU-Spitzen wie Kinder, die keine Lust auf ihre Hausaufgaben haben. Wähler überzeugt man so nicht, man belustigt sie bestenfalls. Aber mit etwas Glück dient man sich erfolgreich einer Partei an, deren Chef das öffentliche Jammern zur einzigen Konstante erhoben hat.
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