Werden wir seit 30 Jahren immer dümmer?
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Es ist merkwürdig und erschreckend zugleich: Lange schnitten Menschen bei Intelligenztests von Generation zu Generation besser ab. Doch seit einiger Zeit kehrt sich dieser Trend um. Mehr noch: Es sieht so aus, als würden wir seit 30 Jahren immer dümmer werden.
Die Tests bei norwegischen Männern gelten als besonders zuverlässig
Grundlage dieses deprimierenden Ergebnisses sind die Daten von 580.000 norwegischen Männern, die zwischen 1967 und 1991 geboren wurden. Fast alle Männer mussten im Alter von 18 Jahren bei der militärischen Musterung einen kognitiven Test absolvieren. Die Forscher um den Ökonomen Bernt Bratsberg vom Ragnar Frisch Centre for Economic Research in Oslo haben ihre Studie im Fachmagazin PNAS veröffentlicht.
Bernt Bratsberg verknüpfte diese Ergebnisse mit Registrierdaten, etwa zu Bildung und zum Einkommen des Vaters. Musterungsdaten gelten als besonders zuverlässig, weil sie über Jahrzehnte flächendeckend und standardisiert erfasst worden sind.
Im Gesamtdurchschnitt stieg der IQ der norwegischen Männer zunächst an und ging in späteren Jahrgängen zurück. Diese Entwicklung lief nicht in allen sozialen Gruppen gleich. In den Gruppen mit höherem Familieneinkommen begannen die kognitiven Testwerte bereits in früheren Jahrgängen zu sinken. In den Gruppen mit niedrigerem Familieneinkommen passierte das erst später.
Welche Fähigkeiten werden heute gebraucht?
Warum sich der Trend in IQ-Tests gedreht hat, wird unter Wissenschaftlern heftig diskutiert. Einiges deutet darauf hin, dass Intelligenztests schlichtweg Fähigkeiten erfassen, die heute nicht mehr so stark gebraucht werden, wie die Süddeutsche Zeitung konstatiert. Denn die Tests bewerten nicht nur eine einzige Denkleistung, sondern bündeln sehr unterschiedliche: Wortschatz, räumliches Vorstellungsvermögen, Mustererkennung, mathematisches Denken oder konzentriertes Arbeiten unter Zeitdruck. Nicht alle davon werden in der Schule und im Alltag heute gleich stark trainiert wie noch vor 50 Jahren.
Der Wiener Intelligenzforscher Dr. Jakob Pietschnig sagt etwas Tröstliches: Vielleicht ist man gar nicht dümmer geworden, vielleicht erfasst der Test nur nicht die wahre Intelligenz.
Mein gesunder Menschenverstand findet: Dieser Professor sagt, was kein Test erfassen kann – wir sind so klug, wie wir uns fühlen. Oder?
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