Dick feiern, schlank leben: Die Doppel-(D)-Moral der Ricarda Lang
Ein Beitrag von
Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat 40 Kilo abgespeckt und strahlt perfekt frisiert und geschminkt in die Kameras. Es ist das spektakulärste Glow-up seit Adele, der britischen Sängerin, die nicht mehr wiederzuerkennen ist. Es ist das Comeback einer Frau, die viele abgeschrieben hatten.
Es sei ihr gegönnt. Jeder, der mal bewusst abgespeckt hat, weiß: Man will nie wieder zurück. Für viele ist die „neue“ Ricarda allerdings eine Mogelpackung nach dem Motto: Dick feiern, aber schlank leben. Oder, um es mit der Gen Z zu sagen, die der 32-Jährigen sicher nähersteht: Body Positivity predigen, aber Looksmaxxing betreiben.

Zum Spiegel sagte Ricarda Lang, sie habe nicht mit der Abnehmspritze gearbeitet: „Ich finde es vollkommen okay, wenn andere solche Mittel nutzen. Dafür muss sich niemand schämen. Ich selbst habe sie nicht genutzt“
Die Adele der Politik
Langs Spielwiese ist Instagram. Hier haben sich ihre Likes von den frühen, adipösen Tagen bis heute verhundertfacht. Das mag auch an ihrem Posting-Fleiß liegen – fast täglich haut die Ex-Parteichefin ein bis mehrere Bilder und Videos raus – 342.000 Follower freut’s. Nicht mal ihre Kritiker können sich leisten, ihr nicht zu folgen, denn die umtriebige Schwäbin sieht und hört gefühlt alles, hat zu allem eine Meinung, sei es Collien Fernandes oder Hitzewelle.
Doch gab es früher hässliche Witze über ihre Figur, sind es heute meist Komplimente. „Tolle Veränderung“, „Wie schön Du bist“, kommentieren User. Und wir alle werden Zeugen einer äußeren wie inneren Wandlung: Ricarda Lang wirkt selbstbewusster. Sie ist klug genug, um zu wissen, dass das auch auf ihre neue Optik zurückgeht. Die bittere Wahrheit kennt sie selbst: Innere Werte jucken auf Instagram keinen.

Rund und nicht unbedingt gesund: So sah die Grüne noch vor wenigen Jahren aus.
Medien in der Woke-Zwickmühle
Aber wie vereint man das mit einem Parteibild, das auch Frauen wie Renate Künast und Claudia Roth feiert? Der neue Glamour der Ricarda L. ist „normcore“, würde in jede Grazia und jede Glamour passen, muss also weltanschaulich irgendwie vernäht werden. Das versucht die Bunte, die unter der neuen Ägide der Burda-Millennials Elisabeth Burda Furtwängler und Jacob Burda spürbar woker wird. Ja, es gibt immer wieder Portraits von CDU-Politikern im Blatt, niemals jedoch von der AfD. Die mediale Brandmauer, sie steht stabil.
Wie also geht man damit um, dass eine Politikerin früher unansehnlich war und jetzt schön und schlank strahlt – und damit sehr sichtbar und sehr erfolgreich ist? Ganz einfach: Man macht ein Interview, in dem sich die Beschriebene selbst möglichst schmeichelhaft erklären kann. Eine kritische Pflichtfrage, um Widersachern den Wind aus den Segeln zu nehmen, eine Hochglanzfotostrecke im Berliner Hotel Adlon – und zack, fertig ist das Portrait, das jede PR-Abteilung abnicken würde.
Von der Wuchtbrumme zum wortgewaltigen Vamp: Was Ricarda Lang auch kann: zitierfähige Statements produzieren. Das Interview wirkt wie eine Ansammlung von Instagram-Kacheln:
„Ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen, wer ich bin.“ Das sagt Ricarda Lang im Gespräch mit Bunte-Redakteurin Nike Emich. Sie habe früher als Parteivorsitzende ständig das Gefühl gehabt, beweisen zu müssen, dass sie nicht zu jung, zu unerfahren, zu unernst sei, und sich auch entsprechend gekleidet. Gelernt hat sie aber offenbar vor allem eins: Die Regierung besteht aus grauen Männern und müden Frauen – das ist Politik. Politainment ist, wenn man aus sich selbst eine Marke macht, wenn man präsent ist, wenn man Gesprächsstoff liefert. So etwas lernen junge Vertriebsleute in jedem Wochenendworkshop im Dreisternehotel. Und Ricarda Lang weiß selbst: Eine vierseitige Fotostrecke mit der alten Ricarda hätte bei weitem nicht diese Wirkung.

Von Body Positivity zu einem Superbody: Ricarda Lang sieht jetzt gut aus. Na und?
Bin ich schön?
Ricarda Lang hat verstanden. Und sich etwas bei ihren glamourösen Kolleginnen abgeschaut: Sprechen nicht alle über die muskulösen Arme von Wirtschaftsministerin Reiche? Sind nicht die schicken Klamotten von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner immer wieder Thema? Bingo. Das kann ich auch, dachte sich wohl die Grüne mit Grips (oder ein findiges PR-Team). Zwei Jahre lang treibt Ricarda Lang Sport, läuft und stemmt Gewichte, stellt ihre Ernährung um und greift laut eigener Aussage NICHT auf die Abnehmspritze zurück, obwohl Kritiker das bezweifeln.
Und, tadaaa, heraus kommt eine Politikerin, der man ihre Partei gar nicht mehr ansieht: glamourös statt grün. „Ich habe mir die Deutungshoheit über mich selbst in den letzten zwei Jahren zurückerkämpft, inhaltlich, aber auch im Auftreten“, so Lang zur Bunte.
Man könne ihr ja vorwerfen, dass sie jetzt einem Schönheitsideal entsprechen wolle, gegen das sie immer gekämpft habe, so die Society-Bibel. Ricarda Lang ist erfahren genug, um zu wissen, dass sie mit der Antwort auf diese Frage alte Parteifreunde und neue Fans zufriedenstellen muss:
„Darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht. Aber natürlich kann ich meine Gesundheit und mein Wohlbefinden nicht davon abhängig machen, was andere von mir erwarten oder auf mich projizieren. Und mein Einsatz dafür, dass Frauen nicht auf ihren Körper reduziert werden sollen: Der geht zu 100 Prozent weiter.“
Kaufen wir zu 100 Prozent nicht! Lang, die gerade ihren Master in Jura nachholt, die geheiratet hat, ist längst auch die Frau für die äußeren Werte: Stolz zeigt sie ihre falschen Nägel mit Blumenapplikationen, sitzt im Fünfsterne-Hotel in High Heels vor einer Blumentapete (obwohl ihr Instagram verrät, dass sie auch gerne flache Sandalen trägt).
Machen wir’s kurz: Das Glow-up der Grünen ist geglückt. Jetzt müsste sie nur noch die ewige Verzagtheit ihrer Partei über den Haufen werfen – man könnte ja als oberflächlich gelten – und sagen: Ja, auch ich will schön sein, na und?
Haben Sie einen Hinweis zu diesem Thema? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
Mehr NIUS:
Werden wir seit 30 Jahren immer dümmer?
Wetten, dass … Bill und Tom ein Millionenpublikum verlieren, wenn sie weiter so viel über Politik reden?
Terror gegen Juden wird in Deutschland vorbereitet
Konzern knickt vor Katar ein: Bei VW gilt jetzt wohl: Baut nicht für Juden
Hollywoods sympathischster Schwurbler wird 65: Herzlichen Glückwunsch, Woody Harrelson!
An den Universitäten stirbt die Freiheit
Italo kommt: Sehnsucht nach Pünktlichkeit und Ledersesseln
Wer ist denn eigentlich noch schuldfähig?
Mehr NIUS:
Konzern knickt vor Katar ein: Bei VW gilt jetzt wohl: Baut nicht für Juden
Hollywoods sympathischster Schwurbler wird 65: Herzlichen Glückwunsch, Woody Harrelson!
An den Universitäten stirbt die Freiheit
Italo kommt: Sehnsucht nach Pünktlichkeit und Ledersesseln
Wer ist denn eigentlich noch schuldfähig?
Aus Liebe zu Deutschland: Freiheit statt Sozialismus!
ZDF-Reporter Oliver Schmidt basht Trump und Amerika: Dieser Polit-Kommentar beim WM-Finale war eine Frechheit
Wenn die deutsche Kuscheljustiz so weitermacht, verliert der Staat sein Gewaltmonopol
Melanie Grün
Artikel teilen
Kommentare