ZDF-Doku „Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“: Gewalt & Messerangriffen in Zügen und an Bahnhöfen widmet Dunja Hayali kaum 30 Sekunden
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In Zeiten dramatisch zunehmender Messerattacken auf Zugpassagiere und -personal erwartet man zum Thema Gefährlichkeit, dass diese Gewalttaten auch angesprochen werden. Doch Dunja Hayali denkt überhaupt nicht daran und handelt das Thema im Handumdrehen ab.
Die neueste Folge der ZDF-Reportagereihe „Am Puls mit Dunja Hayali“ heißt: „Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ Bei „gefährlich“ dürften die meisten Menschen an die Meldungen über die dramatisch angestiegenen Gewalttaten und Sexualverbrechen an Bahnhöfen und in Zügen und an die seit 2019 verdoppelten körperlichen Angriffe gegen Bahnpersonal denken. Fahrgäste wurden in den vergangenen Jahren mit Messern angegriffen, Kontrolleure von Schwarzfahrern attackiert, es gab Tote und Verletzte.
In der dritten Minute der Reportage zeigt Moderatorin Dunja Hayali milden Frust von Reisenden und sagt: „Ausbaden müssen das nicht nur die Bahnkunden. Erschreckenderweise steigt die Zahl der Übergriffe auf das Zugpersonal.“ Doch es werden keine Statistiken des „erschreckenden“ Problems gezeigt, das Thema Gewalt wird nicht ansatzweise angeschnitten. Stattdessen spricht Hayali mit einer Servicekraft im Bord-Bistro. Die berichtet, sie werde auch auf andere Probleme angesprochen, weil sie eine Uniform trage und die Leute nicht wüssten, wer für bestimmte Dinge zuständig sei. Das sei ja ungerecht, findet Hayali, wenn man für Probleme verantwortlich gemacht werde, die man nicht verursacht hat. Nach einer halben Minute ist das Thema Übergriffe auf das Zugpersonal durch.

Tödliche Messerattacke in Hamburg: Solche Fälle kamen in der ZDF-Doku nicht zur Sprache.
Thema verfehlt
Fortan bezieht sich die Frage, inwieweit Bahnfahren gefährlich sein kann, ausschließlich auf die veraltete Technik, die schon Unfälle verursacht hat wie das Bahnunglück bei Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern. Vor vier Jahren war ein Regionalzug entgleist, Hauptursache waren marode Bahnschwellen. So erfährt der Zuschauer einiges über „Betonkrebs“, über Gründe für Verspätungen und veraltete Stellwerke. Über ein jahrzehntealtes analoges Leitsystem, das man zwar für Milliarden Euro etwa auf der Strecke Berlin – Hamburg zehn Monate lang saniert, aber eben nicht modernisiert hat. Über Alt-Technik, die neu verbaut wird.
Über das ETCS (European Train Control System), das „vorbereitet“ ist (und vielleicht irgendwann in der Zukunft installiert werden könnte) und über mangelnde Kompetenz im Verkehrsministerium, weshalb man sich externe Unternehmensberater für 20 Millionen Euro ins Haus holen muss, die Ahnung von der Bahn haben, um einen Plan zur Digitalisierung zu entwerfen.
So bekommt der Zuschauer einen Eindruck von der Misere, doch was ihn wirklich bewegt, wenn er sich auf das Abenteuer Bahn einlässt, nämlich die Fragen „Was wird für meine Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen getan?“ und „Vor wem sollte ich mich in Acht nehmen?“, darauf geht Dunja Hayali in einer Dreiviertelstunde nicht ein. Die Gefährlichkeit, heutzutage den Zug zu nehmen, wird auf technische Mängel und zerbröselnde Schwellen unter den Gleisen reduziert. Einmal mehr haben Dunja Hayali und das ZDF das Thema verfehlt, weil es zu brisant ist. Von wegen „Am Puls“.
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Claudio Casula
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