Philosoph Precht sieht Ende der Brandmauer: „Ich glaube, dass die Notwendigkeit, mit der AfD zu reden, besteht“
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Richard David Precht spricht im Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“ mit Markus Feldenkirchen über die aktuelle Aussage des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, die Brandmauer sei obsolet.
Precht dazu: „Ich glaube, dass die Notwendigkeit, mit der AfD zu reden, besteht. Man wird nicht dauerhaft die Brandmauer aufrechterhalten können. Das wusste man schon in dem Moment, als man den Begriff der Brandmauer eingeführt hat, dass diese Brandmauer nur eine Mauer für wenige Jahre sein würde.“

Richard David Precht schrieb in seinem Bestseller „Angststillstand“ über das Schwinden der Meinungsfreiheit.
Angesichts der starken Umfrageergebnisse, vor allem im Osten des Landes, komme man gar nicht umhin, mit der AfD zu reden, so der Philosoph und Buchautor.
Precht weiter: „Und das Spannende wird ja sein: In dem Moment, wo sie in der Landespolitik tatsächlich in die Regierungsverantwortung kommt, wird man sehen, ob das, was einige befürchten, dass es hier eine völkische Wende geben wird, ob das jetzt eintritt, oder ob es nicht eintritt. Und das wiederum werden einige Leute in der Union als Lackmustest für die Frage betrachten: Was machen wir in drei Jahren?“
„Es ist eine Frage der Zeit, bis die Brandmauer fällt“
Falls bei der nächsten Bundestagswahl die AfD die stärkste Partei sei, wäre die CDU möglicherweise in der Situation, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Precht: „Und ich denke, dass diese Szenarien in den Köpfen sehr, sehr vieler CDU-Politiker sind, häufig off the record, natürlich nicht in der Talkshow erzählt und in der Öffentlichkeit. Und vielleicht gibt’s auch den einen oder anderen, der sagt: Dann lasst uns doch mal gucken, was auf Landesebene im Zweifelsfall passiert.“
Ergibt sich aus Gesprächen eventuell auch eine Koalition? Dazu sagt der Philosoph: „Man müsste ja, nachdem man geredet hat, überlegen: Können wir eine Koalition machen oder können wir keine Koalition machen? Und das käme ja sehr darauf an, auf welchen Forderungen die AfD bestehen würde. Wenn da tatsächlich völkische oder rassistische Elemente in einem solchen Koalitionsvertrag wären, dann kann man die als CDU nicht unterschreiben. Und dann kann man auch nicht koalieren.“
Unter Parteien, die nicht verboten und die demokratisch legitimiert sind, müsse grundsätzlich im Prinzip jede Koalition möglich sein, so Precht. Man müsse aber genau überprüfen, worauf man sich konkret einlasse. Er wolle keine Empfehlung geben, aber er vermute, dass der Zahn der Zeit sowieso in diese Richtung gehe. Es sei eine Frage der Zeit, bis die Brandmauer falle. Vergangenes Jahr veröffentlichte Precht den Bestseller „Angststillstand: Warum die Meinungsfreiheit schwindet“.
Im Podcast warnt er abermals davor, AfD-Wähler aus dem gesellschaftlichen Diskurs auszuschließen: „… dann kann man natürlich nicht hingehen und den Menschen nicht die Möglichkeit geben, das in irgendeiner Form zu sagen, ohne, dass sie sofort in der Sekunde ja an den Rand der Gesellschaft gestellt werden, also, das wird sich dauerhaft nicht aufrechterhalten lassen.“
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Melanie Grün
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