Nach ewigen Deportationslügen: Große Medien berichten jetzt kritisch über die Fake-News-Geschichte von Correctiv
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In der FAZ, Welt, Süddeutschen Zeitung, NZZ und im Spiegel sind nun Schlag auf Schlag kritische Berichte erschienen, nachdem renommierte Journalisten mit Verweis auf NIUS die Correctiv-Geschichte seziert hatten. NIUS dokumentiert die inzwischen scharfe Kritik. So zeigt sich: Die Stimmung ist endlich gekippt.
Nie zuvor hat ein Text in Deutschland derart massive politische Folgen gehabt: Die Geschichte über ein angebliches Geheimtreffen in Potsdam führte zu Demonstrationen „gegen Rechts“, an denen Millionen Menschen teilnahmen, weil sie von Correctiv in die Irre geführt wurden: Bei dem Potsdamtreffen wurden nie „Deportationen“ geplant, was Correctiv auch vor Gericht einräumte.
Man kann es nicht oft genug zitieren: Es sei den Anwälten Correctivs zufolge „zutreffend“, „dass die Teilnehmer*innen nicht über eine rechts-, insbesondere grundgesetzwidrige Verbringung oder Deportation deutscher Staatsbürger gesprochen haben“. Ebenfalls konkretisierten die Anwälte, wer im Fokus von Martin Sellners Remigrationspolitik steht: „Durch Anpassungsdruck möchte er ferner vor allem Islamisten und Clanmitglieder dazu motivieren, das Land zu verlassen.“ Verfassungswidrig ist eine solche Forderung nach Law and Order nicht.
Junge Freiheit: „Schlimmste Fake-News-Story seit Hitler-Tagebüchern“
Inzwischen hat sich in den Medien folgende Sichtweise etabliert: Den Eindruck, dass über rechtswidrige Pläne nach nationalsozialistischem Vorbild gesprochen worden sei, erzeugte Correctiv durch rhetorische Suggestionen. Die meisten Medien fielen auf die „politisch motivierte Manipulation der Öffentlichkeit“ (Cicero) hinein, berichteten ohne vorherige sorgfältige Lektüre des Textes. Bei der systematischen Falschberichterstattung, die nach der Abschreib-Methode verfuhr, fielen insbesondere öffentlich-rechtlichen Medien negativ auf.

Dieter Stein ist Chefredakteur der „Jungen Freiheit“.
Die Tagesschau sprach – und wurde dafür inzwischen erfolgreich verklagt – von einer „Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland – auch solcher mit deutschem Pass“; ZDF heute sprach zur besten Sendezeit vor Millionenpublikum von der „Deportation von Millionen Menschen, auch solcher mit deutscher Staatsbürgerschaft.“ ARD-Kommentator Georg Restle war so töricht, von einem Denken zu sprechen, das bis „nach Auschwitz“ führe. Es war der Beginn einer auch im Bundestag ausgelebten Massenhysterie, deren falsche Annahmen Nancy Faesers „Aktionsplan gegen Rechtsextremismus“ begründeten, der Grundrechtseinschränkungen beinhaltet.
Übermedien: Correctiv-Text „unterstellt, statt zu belegen, raunt, statt zu erklären“
Geraune wurde zu einer „Nachrichtenlage“, die die Regierung im Ausland verbreitete. Auf Anfrage sagte das Entwicklungsministerium, das die Deportationslegende bis nach Marokko kolportierte, gegenüber NIUS. „Bitte beachten Sie, dass sich Bundesministerin Schulze bei ihren Äußerungen zu den Correctiv-Recherchen stets auf die Nachrichtenlage bezogen hat.“ Überzeugt hatten solche Ausreden jedoch nie, konnte man doch von Anfang an wissen, dass die wenigen von Correctiv angeführten Belege die gewaltigen Bilder, die bei unkritischer Lektüre im Kopf entstehen, keineswegs stemmen können – wie frühe Medienberichte etwa im Cicero, in der Neuen Zürcher Zeitung und natürlich auf NIUS beweisen.

Die Correctiv-Kritik ist im „Spiegel“ angekommen.
Nun hat sich der Wind insgesamt gedreht – gegen Correctiv: In der FAZ, Süddeutschen, NZZ und im Spiegel sind kritische Berichte erschienen, nachdem renommierte Journalisten, auch mit Verweis auf die NIUS-Chronologie der Deportationslegende, auf dem linken Portal Übermedien den Correctiv-Bericht sezierten.
„Der Text ist misslungen, das Verhalten von Correctiv nach der Veröffentlichung fragwürdig und die Berichterstattung vieler Medien eine Katastrophe“, so das vernichtende Urteil von Stefan Niggemeier, Christoph Kucklick, Leiter der Henri-Nannen-Journalismus-Schule in Hamburg, und Felix W. Zimmermann, Chefredakteur der Legal Tribune Online.
Das „Schlimmste“ an dem Text sei „eine systematische Unsicherheit über das, was eigentlich die Aussage des Artikels ist und worin der Skandal von Potsdam besteht.“ Weiter heißt es: „Das Prinzip Nichtbeleg und Großdeutung durchzieht den gesamten Text.“ Es müsse festgestellt werden, „wie schwach er journalistisch ist. Er unterstellt, statt zu belegen, er raunt, statt zu erklären, er interpretiert, statt zu dokumentieren.“ Das hatte gesessen. Im Spiegel legte Niggemeier nach: „Die Aufgabe von Journalisten aber muss es sein, sorgfältig zu trennen zwischen dem, was belegbare Tatsache ist, und dem, was man vielleicht annehmen und unterstellen kann. Sind die Zeiten, in denen wir leben, so verzweifelt – sind wir so verzweifelt –, dass wir glauben, gegen Trump oder die AfD nur noch gewinnen zu können, wenn wir unfair spielen?“
FAZ: „Damit freilich macht es sich ‚Correctiv‘ zu leicht“
In der FAZ heißt es, „Remigration“ sei „von Ideen in CDU-Kreisen und der real existierenden Zuwanderungspolitik der EU ja vielleicht gar nicht so weit entfernt.“ Tatsächlich gab es ein (gestopptes) Asyl-Abkommen zwischen Großbritannien und Ruanda, wonach illegale Migranten nach Ruanda abgeschoben werden sollten. Darüber hinaus kritisiert die Zeitung, dass Correctiv mit einer„ sprachlichen Überwältigung“ beginnt, und kritisiert „die unkritische Instant-Übernahme der Story durch zahlreiche andere Medien“, eine Debatte „über journalistische Standards“ sei daher wichtig.
Die Vorwürfe von Übermedien tat Correctiv als bloße Stilkritik ab, die die FAZ nicht durchgehen lässt: „Damit freilich macht es sich „Correctiv“ zu leicht, denn der Stil lässt sich vom Inhalt dieser Recherche nicht trennen, und die kritisierte Unsicherheit in der Frage, wie schwer die zutage geförderten Erkenntnisse über den ‚Geheimplan‘ wiegen, ist im Text angelegt.“
Süddeutsche: Correctiv „entzaubert sich selbst“
Die Süddeutsche stellt fest: „Es ging in Potsdam tatsächlich nicht direkt um die Ausweisung von deutschen Staatsbürgern aus rassistischen Motiven.“ Die linke Zeitung gibt sich zwar bemüht ausgewogen, kommt schließlich aber zu einem deutlichen Fazit.
Ein Recherche-Netzwerk, das Correctiv mit einem Preis ausgezeichnet hatte, verteidigt sich nun so: „Natürlich hätte man an der ein oder anderen Stelle anders formulieren können, aber das lässt sich über viele Artikel sagen“. Dem widerspricht die Süddeutsche: „Manchmal jedoch macht man sich so ohne Not angreifbar – und entzaubert sich selbst.“

Die Süddeutsche kritisiert: „Es gibt Fehlerhaftes, Missverständliches. Eindeutig zu viel ‚Peng!‘“
NZZ: „Eine grobe Verkürzung, die in die Irre führt“
Die Neue Zürcher Zeitung erhöht den Druck auf Aufarbeitungsverweigerer im Journalismus: „Im Umgang mit dem ‚Correctiv‘-Artikel zum Potsdamer Treffen scheuen viele deutsche Medien bis heute die Aufarbeitung“. Entscheidend sei, dass es Sellner „um nichtassimilierte Staatsbürger ging und diese nicht mittels Ausweisung oder Ausbürgerung, sondern durch ‚Anpassungsdruck‘ zur Rückkehr bewogen werden sollten. Eine Idee, die beispielsweise die SPD überboten hat, als sie forderte, Antisemiten nachträglich den deutschen Pass zu entziehen.“ Demgegenüber sei die „Darstellung von ‚Correctiv‘ offenbar darauf angelegt, jedem Leser zu suggerieren, dass aufgrund von rassistischen Vorstellungen Staatsbürger mit Migrationshintergrund ausgewiesen werden sollen – eine grobe Verkürzung, die in die Irre führt.“

Die NZZ fordert von den Medien Aufarbeitung.
Cicero: „Politisch motivierte Manipulation der Öffentlichkeit“
Die „Methode Correctiv“ analysiert der Cicero als eine Manipulationstechnik, die mithilfe einer „assoziativen Meinungsäußerung“ Tatsachenbehauptungen suggeriert, sodass sie gerichtlich „unangreifbar“ sind. „Jeder Journalist weiß, wie man die Öffentlichkeit auf diese Art manipulieren und zugleich seine Hände in Unschuld waschen kann.“ Der Cicero weist die als unseriös kritisierte Methode Correctivs zudem anhand eines neuen Buches eines der Correctiv-Journalisten nach, in dem Äußerungen des AfD-Politikers Maximilian Krah sinnentstellend interpretiert werden. Betont wird: Die Medien hätten die vermeintliche Aufdeckung eines Geheimplans von Beginn an als das analysieren können, „was er von Anfang an gewesen war und offen zutage lag: als einen Vorgang der politisch motivierten Manipulation der Öffentlichkeit im Namen der guten Sache.“

Welt: „Nichts als medienpolitischer Lobbyismus“
Die Welt nimmt aktuell den Stimmungswandel in Sachen Correctiv zum Anlass, Correctiv die Gemeinnützigkeit abzusprechen. Das „journalistische Selbstverständnis bei der Aufdeckung eines vermeintlichen ‚Geheimplans für Deutschland‘“ entspreche „nicht gerade der klassischen Vorstellung von Gemeinnützigkeit“, sondern wird „inzwischen auch von Schwergewichten der Branche als unseriös kritisiert“. Unter journalistischer Neutralität falle „der Kampf gegen rechts, wobei darunter alles inzwischen zu verstehen ist, was nicht der eigenen Meinung entspricht.“
Weiter heißt es: „Im Umfeld dieser journalistischen Haltung hat sich ein breites Netzwerk an staatlich geförderten Nichtregierungsorganisationen entwickelt, die unter Titeln wie ‚Demokratieförderung‘ vor allem der SPD und den Grünen nahestehende Lobbyisten fördern. So sind aus Nichtregierungsorganisationen längst Vereine zur Unterstützung politischer Parteien geworden. Auch die Aktivitäten der für Medien zuständigen Staatsministerin Claudia Roth (Grüne) lassen an der politisch motivierten Medienförderung keinen Zweifel.“
Abschließend fragt die Zeitung: „Was bleibt von der einst so überzeugend wirkenden Idee des gemeinnützigen Journalismus? Nichts als medienpolitischer Lobbyismus – mit eindeutiger politischer Prägung.“
Auf NIUS war im Januar zu lesen: „Es ist ein Mechanismus der Medienlandschaft: Ist eine Behauptung nur genug wiederholt worden, gilt sie schließlich als selbstevident richtig. Sie ist dann als nicht weiter erklärungsbedürftige ‚Wahrheit‘ etabliert, wobei sich diejenigen, die sie vertreten, insgeheim aufeinander stützen. Als anrüchig gilt dann, wer zweifelt und nachfragt. Je mehr Journalisten, Politiker und Experten mit der Behauptung an die Öffentlichkeit getreten sind, desto leichter geht sie denen über die Lippen, die sich ihr anschließen. Auf diese Weise entsteht ein Lügengebilde, das ‚too big to fail‘ ist, Medieninstitutionen und Pressehäuser können nicht mehr hinter das Behauptete zurück. Dies ist die Geschichte des Deportationsmythos, die vor einer Woche begann.“
Nun, über ein halbes Jahr später, ist das Lügengebilde endlich auch in der breiten Öffentlichkeit in sich zusammengefallen. Was nun ansteht, ist die Korrektur und Selbstkritik der öffentlich-rechtlichen Medien.
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Felix Perrefort
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