Anti-NIUS-Antifa veröffentlicht Wohnanschrift und ruft zu Hausbesuch auf
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Was sich da am letzten frühlingshaften Freitagabend hinter dem Finanzamt Friedrichshain-Kreuzberg im „Kiezraum“ des Dragonerareals in Berlin-Kreuzberg am Mehringdamm zusammenfand, wirkte auf den ersten Blick wie ein Klassentreffen der ewigen Empörten: schwarze Hoodies, bunte Strickmäntel, Männer, die verbissen ihre Zigaretten drehen. Dazu die unvermeidlichen Omas gegen Rechts.
Geeint waren sie zusammengekommen, um sich gemeinsam gegen die freie Berichterstattung von NIUS zu formieren. Viele trugen schwarze Sonnenbrillen, hochgezogene Schals, FFP2-Masken. Ein Verbotsschilderwald empfing Neugierige: kein Video, kein Audio, keine Fotos. Handykameras wurden mit Smiley-Aufklebern neutralisiert. Als würde ein Lächeln die Absichten des Abends freundlicher machen.
Omas und Opas und der Kaffeefahrt-Charme
Rund 200 Gäste kamen zur Infoveranstaltung gegen das angebliche Propaganda-Medium, mehrheitlich jenseits der 60 Jahre. Graue Haare, faltige, entrüstete Gesichter, der Geruch von Entschlossenheit und Kamillentee.

Graue Haare dominierten in der Zuschauerschaft.
Eine ältere Frau eröffnete mit entwaffnender Logik: Keine Aufnahmen, weil man „rechtes Interesse an Dokumentation“ befürchte – die Veranstaltung sei aber offen. Offen wie ein Tresorraum mit Türsteher, Aufkleberkontrolle und Schweigegelübde. Die Spannung zwischen Transparenzanspruch und Abschirmungsreflex schien niemanden zu stören. Die wenigen Maskierten patrouillierten an den Rändern. Selbst ernannte Ordnungshüter einer Bewegung, die Ordnung grundsätzlich für verdächtig hält. Außer ihrer eigenen, versteht sich.
Was NIUS angeblich alles ist
Es folgte eine Anklageschrift. NIUS, 2022/23 gegründet, Ritterstraße, Text, Video, Audio, Reichelt – soweit die Fakten. Dann die Lesart: rassistisch, frauenfeindlich, anti-LGBTQ, anti-Umwelt, anti-NGO. Kurz: anti alles, was man in Kreuzberg für so selbstverständlich hält wie Oat-Milk-Latte und Verkehrsberuhigung. Medienkritik ist legitim und notwendig, aber zwischen „dieses Medium ist problematisch“ und „dieses Medium muss weg“ liegt eine Strecke, auf der sich an diesem Abend niemand aufhielt. Man fuhr durch, ohne zu bremsen.
Der Höhepunkt: NIUS betreibe „stochastic terrorism“. Hetze, die es statistisch wahrscheinlicher mache, dass Leser zu Terroristen werden. Eine These, über die man streiten kann. Aber als Anklage ohne Urteil, vorgetragen vor Gleichgesinnten, die bereits wissen, wer schuldig ist, verliert sie ihre analytische Schärfe und gewinnt dafür Stimmungskapital. Das Publikum nickte. Niemand fragte nach. Das nennt man in anderen Kreisen: Echokammer.
Big Tech und KI als faschistoide Wegbereiter
Guido Arnold von der Gruppe Çapulcu diagnostizierte anschließend eine Krise der Wahrheit – befeuert durch Sprachmodelle und soziale Medien. Sein Fazit: Tech-Konzerne seien keine neutralen Werkzeuge, sondern rechte Infrastruktur. Diskutiert hat niemand. Kurz darauf wurde dem Publikum eine Audioaufnahme vorgespielt – per KI-Stimme.
In der KI-Vertonung schilderte Fotograf Hardy Krüger, wie er bei einem Sommerfest fotografiert worden war, während er selbst fotografierte – und sich dadurch zum Opfer von NIUS erklärte. Alle juristischen Schritte verlor er. Das sagte er offen. Das verdient eine Sekunde Innehalten: Wer eine Niederlage öffentlich einräumt, hat mehr Haltung als viele, die sie stillschweigend begraben. Nur wäre auch der Schluss möglich gewesen, dass die Rechtslage vielleicht komplizierter ist als das eigene Empfinden. Gerichte sind manchmal unbequem – für alle Seiten. Auch für die, die Demokratie auf ihren Fahnen tragen.
Jörn Essig-Gutschmidt vom Unrast Verlag schilderte Konkretes: Nach dem Deutschen Verlagspreis hätte NIUS eine Kampagne gestartet. Eine Broschüre sei als „Terroranleitung“ bezeichnet worden. Mitarbeiter seien auf der Frankfurter Buchmesse bedrängt worden. Vorstandsmitglieder seien öffentlich gemacht worden – mit Fotos, teils falschen Informationen. Die Frage, die trotzdem bleibt: Ist die richtige Antwort darauf die Vernichtung des Gegners – oder das standhaftere Beharren im eigenen Recht? Man wählte Ersteres. Oder zumindest dessen akribische Planung.

Audio-, Video- und Tonaufnahmen waren streng verboten. Man wurde überall daran erinnert.
Das Ziel des Abends? NIUS zerstören
Der Abend hatte ein unverklausuliertes Ziel: NIUS bekämpfen, isolieren, zerstören. Juristische Wege, Druck auf Vermieter, Werbekunden, Plattformen. „Keinen Raum für rechte Hetze“ – vorgetragen in einem hermetisch abgeriegelten Raum, in dem stundenlang die Vernichtung eines Mediums durchgeplant wurde. Die Selbstwahrnehmung als Demokratieverteidiger blieb dabei vollkommen intakt. Das ist vielleicht das Erschütterndste des Abends – nicht die Wut, nicht der Plan, sondern die vollständige, klinisch reine Abwesenheit von Zweifel.
Die meisten nickten. Die Maskierten patrouillierten. Die Omas träumten. Vermutlich von einer Welt ohne NIUS. Und hier liegt der eigentliche Riss dieses Abends. Kritik ist wichtig. Doch NIUS ist kein Staatsmedium, kein Konzernblatt. Es ist ein unabhängiges Nachrichtenportal, das Geschichten erzählt, die andere nicht erzählen wollen. Das Fragen stellt, die unbequem sind. Das Antworten liefert, die wehtun – nicht weil sie falsch sind, sondern weil sie stimmen. Faktenbasiert.
Aufruf zu Hausbesuchen
Während der Veranstaltung wird auch ein „Grußwort“ aus dem Antifa-Milieu Ostberlins abgespielt. Man habe die Anschrift einer beteiligten Person der „rechten Propaganda-Medien“ enttarnt. Dieser „Haupttäter“ hatte es in der Vergangenheit gewagt, über die Stimmungsmache der linksextremen Szene gegen das Medienportal Apollo News zu berichten. Man verkündete eine Privatanschrift mit der Bitte: „Also schaut doch gerne mal vorbei. Ich finde es gut, dass wir so viele sind.“
Man verließ den Raum. Smiley auf der Kamera. Und das ungute Gefühl, dass die gefährlichsten Feinde der Pressefreiheit nicht die sind, die sie offen ablehnen – sondern die, die sie im Namen der Demokratie abschaffen wollen.
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