Die Akte ZDFake – wie der Sender den KI-Skandal im heute-journal vertuschen wollte
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Eine KI-Fälschung, ein Video, das angeblich die Festnahme eines Jugendlichen durch ICE-Beamte zeigt, in Wahrheit jedoch von einer Amoklage im Jahr 2022 handelt und hanebüchene Ausreden des ZDF, die mit der Realität nichts zu tun haben – und die nach reichlich Vertuschungsversuchen in einer großen Bitte um Entschuldigung geendet sind.
Die heute-journal-Sendung vom 15. Februar 2026 ist zu einem Medienskandal geworden, in dem es um manipulative politische Agitation, Journalismus im Zeitalter von künstlicher Intelligenz und die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen geht, die sich immer wieder als die Bewahrer vor Desinformation und Fake-News gerieren.
NIUS dokumentiert den Manipulations-Fall beim ZDF.
3,4 Millionen Menschen schauen durchschnittlich jeden Abend das heute-journal in der Erwartung, mit den neuesten Nachrichten des Tages versorgt zu werden. Am Montag hatte Moderatorin Dunja Hayali die Zuschauer begrüßt und sprach zunächst über die Münchner Sicherheitskonferenz und über das neue Buch des Missbrauchsopfers Gisèle Pelicot. Dann wechselte das Thema in die USA. Von dort aus seien „sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump“ in Umlauf gekommen. „Nicht alle sind echt, aber viele“, fuhr Hayali fort.
Der Beitrag, der dann folgte, dürfte einem der größten Medienskandale der vergangenen Jahre gleichkommen. „Die Gewalt, mit der Abschiebekräfte oftmals vorgehen und auch die Willkür, die dort zu sehen ist, hat auf jeden Fall eines erreicht. Es herrscht ein Klima der Angst, das selbst vor Kindern nicht Halt macht“, kündigte die ZDF-Moderatorin den Beitrag an.
In diesem Zusammenschnitt sind die brisanten Stellen zusammengefügt:
Ein mit künstlicher Intelligenz erstelltes Video sollte nämlich der zentrale Beleg dafür sein, dass ICE-Truppen auch Eltern vor ihren Kindern abführen würden. Dabei fällt selbst Laien auf, dass das im ZDF heute-journal gezeigte Video ein Wasserzeichen des Videogenerators „Sora“ trägt und viele weitere Indizien darauf hinweisen, dass es sich beim Video um eine KI-generierte Fälschung handelt.
NIUS war das erste Medium, das über den Einsatz des KI-Video berichtet hatte.
ZDF verstrickt sich bei Verteidigung in offensichtliche Lügen
Das ZDF versuchte sich in einer Erklärung. Ein Sprecher sagte, im Beitrag „über die ICE-Einsätze in New York hätten KI-generierte Bilder gekennzeichnet werden müssen. Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen“. Man hat also bewusst ein KI-Video benutzt, lediglich die Kennzeichnung vergessen. Zunächst ist von technischen Gründen die Rede. Die Sendung ist sowohl aus der ZDF-Mediathek als auch von Plattformen wie YouTube entfernt und später überarbeitet wieder hochgeladen worden – dazu später im Text weitere brisante Details. Eine Korrektur oder eine Richtigstellung in der heute-journal-Sendung am Tag darauf erfolgte nicht.
Auf den größer werdenden öffentlichen Druck hin sah sich das ZDF offenbar zu einer zweiten, vertedigenden Stellungnahme gezwungen. Ein Sprecher teilte mit: „Der Beitrag zeigt, dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird. Wir bedauern, dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht.“
Botschaft: Man habe im heute-journal zeigen wollen, wie sich echte und auch unechte Videos im Netz auf die Angst in der amerikanischen Bevölkerung auswirkten.

Die Antwort des ZDF
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Dunja Hayali: das ZDF-Rolemodel für Fakten
Diese Darstellung kann aus mehreren Gründen nicht mit der Realität übereinstimmen. Zunächst nennt das ZDF das entsprechende Kapitel im heute-journal vom 15. Februar selbst „Korrelation: ICE-Razzien und Angststörungen“ – der Bezug soll also eindeutig zwischen den ICE-Razzien und Angststörungen hergestellt werden. Auch die Anmoderation von Dunja Hayali lässt nur diesen Schluss zu, wenn sie – bevor der Beitrag beginnt – wörtlich sagt: „Die Gewalt, mit der Abschiebekräfte oftmals vorgehen, und auch die Willkür, die dort zu sehen ist, hat auf jeden Fall eines erreicht. Es herrscht ein Klima der Angst, das selbst vor Kindern nicht Halt macht.“ Gewalt und Willkür sind die Dinge, die laut Hayali für ein „Klima der Angst“ sorgten.
Ausgerechnet Hayali nutzt einen KI-Fake als Hauptbeleg für ihre agitative Anmoderation gegen das Vorgehen der ICE-Beamten – Hayali, die mit Claims wie „Jeder kann eine eigene Meinung haben. Nicht aber eigene Fakten“ die Vertrauenswürdigkeit des ZDF bewirbt und in der kommenden Woche ein Panel beim „human + artificial intelligence congress“ moderiert, welches den Titel „Mensch & KI – Unbewusst gelenkt. Bewusst geführt“ trägt.
Und auch im Beitrag selbst spricht die Reporterin im Aktiv nur von ICE-Einsätzen – zu etwaigen gefälschten Videos, die für Angst sorgten, fällt kein Wort. Wörtlich heißt es da: „Es sind brutale ICE-Einsätze wie diese, die ihnen Angst machen und die die Nation aufwühlen. (...) Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit“, verkündet die Sprecherstimme, während das mit KI generierte Video als vermeintlicher Beleg zu sehen ist.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali
Zweites Fake-Video und das Ziel: Emotionalisierung mit Kindern
Auch das nächste Video, das zu den Worten „(...) oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit (...)“ abgespielt wird, passt optisch zwar zum Gesagten, doch auch dieses Video ist falsch. Falsch, weil es nichts mit den Einsätzen der ICE-Beamten unter Donald Trump zu tun haben kann. Es stammt aus dem Jahr 2022 und zeigt, wie ein Zehnjähriger nach Androhung einer Amoktat in Florida festgenommen wird. Es hat mit den ICE-Einsätzen also rein gar nichts zu tun und kann daher auch nicht zeigen, wie ICE-Beamte Minderjährige vor ihren Schulen mitnehmen.
NIUS hat das ZDF inzwischen mehrfach zur Verwendung dieses vier Jahre alten, themenfremden Videos angefragt – bislang ohne Beantwortung.
Das zweite Fake-Video ist dann auch Beleg dafür, dass es sich mitnichten allein um technische Übertragungsfehler beim Markieren von KI-Videos gehandelt haben kann, sondern dass die Redaktion an mehreren Stellen falsche Videos als Beleg für den Einsatz von ICE-Beamte zum Leidwesen von Kindern benutzen wollte – und das vor einem Millionen-Publikum auch linear ausgestrahlt hat.
Die Abmoderation von Dunja Hayali ist der nächste Beleg und lässt kaum einen Zweifel daran, dass – neben dem Einsatz der beiden falschen und einzigen Videos, die Kinder zeigten – der emotionalisierende Bezug zwischen Kindern und den Einsätzen der ICE-Beamten aktiv hergestellt werden sollte. Dann sagte Hayali abschließend: „Trump hatte im Wahlkampf ein hartes Durchgreifen versprochen. Ob allen klar war, dass es auch Kinder treffen wird, darf zumindest bezweifelt werden.“
Auch „korrigierte Version“ ist manipulativ
Inzwischen hat das ZDF die Sendung in überarbeiteter Form wieder veröffentlicht und an der fehlerhaften Stelle den Hinweis „Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“ angefügt. Auf der Korrekturseite ist weiterhin von „technischen Gründen“ die Rede. Die Streichung des zweiten Fake-Videos (Amok-Drohung aus dem Jahr 2022) samt der Text-Passage „(...) oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit (...)“ ist gänzlich aus dem Beitrag gestrichen worden. Auch das findet sich auf der Korrektur-Seite des ZDF nicht.
An die Stelle, an der zunächst das KI-Video mit den Worten „Sie führen Eltern vor den Kindern ihren Augen ab (...)“ gezeigt worden war, ist ein anderes Video mit einem neuen Text gerückt – und auch hier geht das ZDF heute-journal mindestens manipulativ vor. Nun ist dort der fünfjährige Liam Conejo Ramos zu sehen. Dazu der Text: „Sie führen Kinder vor den Augen ihrer Eltern ab“. Seine angebliche „Festnahme“ am 20. Januar ging medial um die ganze Welt.

Dieses Foto des kleinen Liam ging um die Welt.
ICE-Beamte hatten den Vater des Jungen abschieben wollen und ihn vor dem Haus abgepasst, als Liam von der Vorschule nach Hause kam. Es gibt unterschiedliche Darstellungen, was genau passiert ist: Der Anwalt der Familie warf den ICE-Beamten vor, das Kind als „Köder“ benutzt zu haben, um den Vater festnehmen zu können.
Das Ministerium für Innere Sicherheit hat diese Darstellung der Ereignisse als „abscheuliche Lüge“ zurückgewiesen. Es erklärte, der Vater, Adrian Alexander Conejo Arias, sei zu Fuß geflohen und habe den Jungen, Liam Conejo Ramos, in einem laufenden Fahrzeug in ihrer Einfahrt zurückgelassen. Man habe den Jungen lediglich in Obhut genommen – und nicht festgenommen. Ein Bundesrichter entschied später, dass der Vater und auch der Junge nicht abgeschoben werden dürften, solange die Asyl-Verfahren nicht abgeschlossen seien.
Auf einen KI-Fake und ein falsches Video aus dem Jahr 2022 ohne jeden Bezug zu Abschiebungen folgte für das ZDF also als Korrektur-Beleg ein komplexer Fall, bei dem die Darstellungen der Familie und die der Behörden weit auseinanderliegen.
ZDF bittet um Entschuldigung und will korrigierend berichten
Nach zwei unterschiedlichen Erklärungsversuchen hat das ZDF am Dienstagmittag öffentlich um Entschuldigung gebeten: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ZDFheute sowie an gleicher Stelle im ‚heute journal‘ heute Abend korrigierend berichten“, sagte Anne Gellinek, stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität beim ZDF.
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