„Verbrechen“, „Fehler“, „nicht modern“: ZDF-Kindernachrichten kritisieren die Kirche, feiern aber den Ramadan
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In der ZDF-Kindernachrichtensendung „logo!“ soll den Kleinsten in unserer Gesellschaft auf simple Weise das Weltgeschehen nahegebracht werden. Nun irritierte die Sendung vergangene Woche jedoch mit ihrer Berichterstattung zum Thema Religion. Während man in einem Beitrag über den Mitgliederschwund in der katholischen Kirche detailliert auf die Verfehlungen der vergangenen Jahre eingeht, bleibt ein Beitrag über das Ende des Fastenmonats Ramadan gänzlich unkritisch.
In der „logo!“-Sendung vom 19. März, also dem offiziellen Ende des muslimischen Fastenmonats, ging es um den Ramadan. Zuerst wird in dem einminütigen Beitrag erklärt, was es damit überhaupt auf sich hat: „Die letzten vier Wochen war Ramadan. In dieser Zeit sollten gläubige Muslime so oft es geht an ihren Gott Allah denken und sie sollten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten.“
Nun sei die Fastenzeit allerdings vorbei. Daher liefen weltweit die Vorbereitungen für das Zuckerfest: „Es wird zum Beispiel jede Menge gekocht und gebacken.“ In Pakistan sei es außerdem Tradition für viele Mädchen und Frauen, „sich extra für das Fest schöne neue Kleidung und Schmuck zu kaufen und sich die Hände mit Henna zu bemalen. Das sieht nicht nur schön aus, sondern soll auch Glück bringen.“
Während der Beitrag über den Ramadan frei von jeglicher Kritik bleibt, sieht es im direkt anschließenden Beitrag über das Christentum schon ganz anders aus. „Wir bleiben beim Thema Religion“, heißt es zu Beginn.
„Richtig schlimme Fehler gemacht“
In einer Zeitreise durch die Geschichte der deutschen Christenheit kommt das ZDF schließlich auch in der heutigen Zeit an. „Heute gehören immer weniger Menschen in Deutschland einer christlichen Kirche an. Viele haben einfach das Gefühl, sie brauchen Kirche nicht in ihrem Leben.“ Manche fänden etwa, „dass die Kirche nicht modern genug ist“. Hinzu kommt: Kirchenleute hätten in den vergangenen Jahrzehnten „richtig schlimme Fehler gemacht, zum Teil schreckliche Verbrechen an Kindern begangen“. Auch das habe dafür gesorgt, dass viele Menschen aus der Kirche ausgetreten seien.
Thorsten Alsleben reichte Programmbeschwerde ein
Thorsten Alsleben, selbst neun Jahre Hauptstadtkorrespondent für den Sender und mittlerweile Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, ging die Berichterstattung zu weit: „Ich habe heute zum ersten Mal im Leben eine förmliche Programmbeschwerde beim ZDF-Fernsehrat eingereicht. Die Kindernachrichtensendung Logo hatte in einer mehrere Programmrichtlinien verletzenden Form einen einseitigen Hetzbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen gebracht“, schrieb er auf der Plattform X. Alsleben habe die Sendung mit seiner Tochter geschaut, die sich daraufhin irritiert gezeigt habe. Entsetzt habe sie gefragt: „Stimmt das?“
„Kein einziges kritisches Wort zur gelebten Praxis im Islam“
Der Beitrag über den Ramadan enthalte überwiegend sachliche Erklärungen, findet Alsleben. Aber:
„Es gibt kein einziges kritisches Wort zur gelebten Praxis im Islam, dass Frauen und Männer getrennt beten müssen, dass Frauen, z. T. sogar schon Mädchen, gezwungen sind, Kopftücher zu tragen, dass es im Islam in vielen Ländern und z. T. auch in Deutschland sehr strenge Regeln gibt, die teilweise sogar den Werten des Grundgesetzes widersprechen.“

Thorsten Alsleben: Früher noch selbst beim ZDF, heute Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).
ZDF versprach Aufarbeitung
Dass die beiden Beiträge womöglich besser nicht direkt hintereinander gesendet hätten werden sollen, sieht mittlerweile allerdings auch der Sender ein. Auf Anfrage der Welt heißt es beim ZDF: „Beide Themen wurden unabhängig und ohne Absicht einer inhaltlichen Gegenüberstellung geplant.“ Man bedauere, dass die Kombination der Beiträge innerhalb einer Sendung den Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung vermittelt habe: „Rückblickend erkennen wir, dass diese Programmierung unglücklich war.“
„Der Vorfall wurde intern besprochen und aufgearbeitet“, verspricht das ZDF gegenüber Welt. Dabei sei besprochen worden, „wie die Zusammenarbeit und die Kommunikationswege zwischen den beteiligten Gewerken weiter optimiert werden können, um ähnliche Fehler künftig zu vermeiden.“ Die Sendung bestreitet jedoch eine absichtlich positive oder negative Konnotation.
Auch Alsleben meldete sich gestern Abend noch einmal zu Wort: „Das ZDF gibt zwar Fehler zu, aber bestreitet eine absichtliche negative Konnotation. Das glaubt doch niemand.“
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