Asylanträge abgelehnt, Verdächtiger polizeibekannt: Neues zur Messer-Tat von Ruhpolding
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Messer-Angriff am Bahnhof Ruhpolding in Oberbayern: NIUS liegen exklusive Aufnahmen der Tat vor. Sie zeigen, wie ein 28-jähriger afghanischer Staatsangehöriger mit einem Messer auf dem Bahnsteig Kinder in Angst und Schrecken versetzt und auf Passanten losgeht.
Inzwischen ermitteln die Bundespolizeiinspektion Freilassing und die Staatsanwaltschaft Traunstein wegen Bedrohung und versuchter gefährlicher Körperverletzung. In der gemeinsamen Pressemitteilung heißt es: „Der Mann wird der Bedrohung und der versuchten gefährlichen Körperverletzung in einer Regionalbahn, im Bereich des Bahnhofs Ruhpolding und im angrenzenden Stadtgebiet beschuldigt.“
Das Video zeigt: Dutzende Schulkinder befanden sich in unmittelbarer Nähe des Messer-Angreifers. Sie rannten in Panik davon. Mehrere Kinder stürzten und verletzten sich leicht. Die Ermittler bestätigen: „Sowohl in der Regionalbahn als auch im Bereich des Bahnhofes befanden sich mehrere Schülerinnen und Schüler, die den Gefahrenbereich teilweise fluchtartig verlassen haben. Dabei stürzten mehrere Kinder und erlitten leichte Verletzungen, unter anderem Schürfwunden.“
Die Aufnahmen, die nach Angaben des Videoinhabers bereits am Morgen der Polizei für die Ermittlungen angeboten wurden, zeigen dramatische Szenen. Nach NIUS-Informationen lehnte die Polizei das Material zunächst ab. Erst nach einer kurzen Rückfrage bestand doch Interesse an dem Video.
Auf NIUS-Anfrage bestätigte die Polizeipressestelle diesen Ablauf nicht ausdrücklich. Sie erklärte lediglich: „Es widerspricht der polizeilichen Praxis, vorhandene Beweismittel nicht zu sichern.“
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Zunächst sind mehrere Schulkinder und andere Passanten zu sehen, die panisch über den Bahnsteig laufen und sich vor der akuten Gefahr in Sicherheit bringen. Wenige Augenblicke später erscheint der Tatverdächtige mit einem gezückten Messer. Er irrt zunächst über den Bahnsteig, wirkt dabei jedoch durchgehend hochaggressiv und hält die Klinge einsatzbereit in der Hand.
Kurz darauf stürzt sich der Mann laut schreiend auf zwei Männer und verfolgt sie über den Bahnsteig. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie er mit dem Messer mehrfach nach ihnen ausholt und sie jeweils nur knapp verfehlt.
Die Ermittler beschreiben einen der Angriffe so: „Im Bereich des Bahnhofs Ruhpolding soll er anschließend unkoordinierte Bewegungen mit dem Messer ausgeführt und im weiteren Verlauf versucht haben, einen 49-jährigen Mann mit dem Messer zu verletzen. Zu einer Stich- und/oder Schnittverletzung mit dem Messer kam es hingegen nicht, da der Angriff das Opfer verfehlte.“
Einem der Geschädigten war der Tatverdächtige nach Angaben der Polizei bereits bekannt. Die Pressestelle erklärte auf NIUS-Anfrage: „Nach gegenwärtigem Stand der Ermittlungen war der Tatverdächtige einem Geschädigten flüchtig bekannt.“

Täter schrie laut auf Arabisch herum
Nach NIUS-Informationen schrie der Afghane während des Angriffs laut auf Arabisch herum. Die Ermittler machten in ihrer Pressemitteilung keine Angaben dazu, welche Worte er gerufen haben soll.
Die Tat begann nach bisherigen Erkenntnissen in der am Bahnhof Ruhpolding stehenden Regionalbahn. Ein 26-jähriger Zugbegleiter wollte dort die Fahrkarten der Passagiere kontrollieren. Noch bevor es dazu kam, soll der Tatverdächtige den Bahnmitarbeiter aufgefordert haben, den Zug zu verlassen.
Die Bundespolizei schildert: „Auf Nachfrage habe der Beschuldigte erklärt, dass er ein Messer mit sich führe, und angedeutet, dieses auch gegen den Zugbegleiter einsetzen zu wollen.“
Der Zugbegleiter verließ daraufhin die Regionalbahn und wollte den Triebfahrzeugführer informieren. Kurz danach soll der Afghane ebenfalls auf den Bahnsteig gegangen sein und ein Messer mit einer etwa 15 Zentimeter langen Klinge gezogen haben. Anschließend soll er auf den Zugbegleiter losgelaufen sein.
„Der Geschädigte sei daraufhin in das Stadtgebiet von Ruhpolding geflohen und habe sich in einem Wohnhaus in Sicherheit gebracht. Der Beschuldigte habe den Zugbegleiter verfolgt und soll dabei das Messer nach ihm geworfen haben, ohne ihn zu treffen“, heißt es in der Pressemitteilung.
Der Mann soll das Messer anschließend wieder aufgehoben haben und in Richtung Bahnhof zurückgegangen sein. Auf dem Weg dorthin soll er zudem einen Stein gegen ein Auto geworfen haben.
Nach dem Angriff am Bahnhof lief der Tatverdächtige nach Angaben der Ermittler mit dem Messer zu einem Kiosk. Der Betreiber brachte Kinder in seinem Verkaufsraum in Sicherheit und hielt den bewaffneten Mann mit einem Holzschläger auf Abstand.
Kurz nach 7 Uhr waren mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Daraufhin rückten Einsatzkräfte der Bundespolizeiinspektion Freilassing, der Polizeiinspektion Traunstein, der Polizeistation Ruhpolding, der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein, der Grenzpolizeiinspektion Piding und der Zentralen Einsatzdienste Traunreut an.
Der Tatverdächtige flüchtete offenbar wegen der näher kommenden Sirenen in Richtung Kurpark. Dort wurde er von Beamten der Polizeiinspektion Traunstein festgenommen. Er leistete keinen Widerstand. Bei ihm wurde ein Messer gefunden, bei dem es sich nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen um die Tatwaffe handelt.
Weil zahlreiche Menschen den Vorfall miterlebt hatten, richteten Polizei, Rettungsdienst, Schulamt und Landratsamt in der Turnhalle der Grund- und Mittelschule Ruhpolding eine Betreuungsstelle ein. Dort wurden Zeugen und Betroffene erfasst und betreut.
Afghane wird in geschlossener Klinik untergebracht
Der Tatverdächtige wurde zunächst zur Polizeiinspektion Traunstein gebracht. Ein Alkoholtest fiel negativ aus. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde er anschließend von einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie untersucht.
Am Abend durchsuchten Beamte auf richterliche Anordnung seine Wohnung. Am Donnerstag entschied das Amtsgericht Traunstein über die vorläufige Unterbringung des Mannes. In der Pressemitteilung heißt es: „Das Amtsgericht ordnete heute (16. Juli) auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein die einstweilige Unterbringung des Beschuldigten an. Der Beschuldigte verbleibt bis auf Weiteres in einer geschlossenen Abteilung eines Klinikums.“
Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund sehen die Ermittler derzeit nicht. „Nach gegenwärtigem Stand der Ermittlungen bestehen keine Anhaltspunkte für die Annahme eines terroristischen Hintergrunds. Es liegen Hinweise vor, dass der Beschuldigte psychisch schwer erkrankt ist und deshalb bei Begehung der Tat zumindest vermindert schuldfähig gewesen sein könnte“, teilten Bundespolizei und Staatsanwaltschaft mit.

Ein Kind mit Schulranzen wenige Sekunden vor der Messer-Attacke auf die Männer
Asylanträge des Tatverdächtigen wurden abgelehnt
Der 28-Jährige kam nach Behördenangaben am 30. Januar 2023 erstmals nach Deutschland. Er stellte mehrere Asylanträge, die unanfechtbar abgelehnt wurden. Wegen eines Abschiebeverbotes hält er sich dennoch rechtmäßig in Deutschland auf. Seine Aufenthaltserlaubnis ist bis Februar 2027 befristet.
Der Afghane war bereits zuvor polizeilich aufgefallen. In der Pressemitteilung heißt es: „Er ist polizeilich unter anderem wegen unerlaubter Einreise, Bedrohungs- und Körperverletzungsdelikten sowie Erschleichens von Leistungen in Erscheinung getreten.“
Die weiteren Ermittlungen führt die Bundespolizeiinspektion Freilassing unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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